55 Welterbestätten gibt es in Deutschland, in keinem Bundesland so viele wie im Freistaat. Und nun sind auch noch die Schlösser von Ludwig II. dabei, Bayerns berühmtem „Kini“. Diese elf Welterbestätten finden sich im Freistaat:

Die Schlösser von König Ludwig II.
Neuschwanstein kennen natürlich die meisten, ob im Inland oder im Ausland. Realität gewordene Traumkulisse, die Berge, das Wasser, die Türme. Als Märchenschloss hat es Walt Disney adaptiert, es ist eines der berühmtesten Wahrzeichen Bayerns. Mehr als eine Million Besucher kommen jedes Jahr, um in die Fantasiewelt König Ludwig II. einzutauchen. Aber es ist nicht so, dass nicht auch Schloss Linderhof, Schloss Herrenchiemsee und das Königshaus oben am Schachen einen Besuch wert wären. Wobei sich gerade am Königshaus droben im Wettersteingebirge nur wenige Touristen verlieren, zu mühselig ist die Anreise. Linderhof und Herrenchiemsee sollten Abbilder von Schlössern des absolutistischen französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. Die Bauten verfügen, wie auch das von den Opern Richard Wagners inspirierte Neuschwanstein, über die damals neuesten technischen Errungenschaften.
Würzburger Residenz und Hofgarten

Der Grundstein für die Würzburger Residenz wurde 1720 gelegt. Sie ist damit nicht das älteste bayerische Welterbe, trägt aber den Titel schon am längsten, nämlich seit 1981, als damals drittes Welterbe in Deutschland. Der Unesco gilt sie als „Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft“, wie eines unter mehreren möglichen Welterbe-Kriterien lautet. Zudem sei sie ein „hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen“. In diesem Sinn steht die Residenz idealtypisch für den europäischen Barock. Geplant und gestaltet wurde das Prunkprojekt der Würzburger Fürstbischöfe unter anderem von Johann Lucas von Hildebrandt, Balthasar Neumann und Giovanni Battista Tiepolo.

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Wieskirche

Den „Himmel der Bayern“ hat längst eine Münchner Großbrauerei als Werbespruch usurpiert, doch wie sich viele Menschen in Bayern früher einmal wenigstens ein kleines Stück von ihrem Himmel vorgestellt haben mögen, das lässt sich in und an der Wieskirche nachfühlen. In einer sanft geschwungenen Wiesenlandschaft im Vorland zu Füßen der Berge ließ der Abt der Prämonstratenser von Steingaden ein geistliches Gesamtkunstwerk in jenem allerneuesten Stil errichten, der heute als Rokoko bekannt ist. Seither haben die Besucher in der Schöpfung der beiden Brüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann viel zu schauen – die Kunst-Wallfahrer natürlich, aber auch jene religiös-spirituellen Pilger, die es an der Wies trotz des üblichen Touristentrubels immer noch gibt.
Regensburger Altstadt

Im Mittelalter war Regensburg eine Großstadt. Dass diese mittelalterliche Stadt bis heute erhalten ist und immer noch funktioniert, ist ein seltener Glücksfall. Denn sie hat nicht nur als einzige in Deutschland den Zweiten Weltkrieg nahezu komplett überstanden, sondern danach auch noch die großspurigen Erschließungsfantasien mancher Straßenplaner. Die alten Römer haben die Porta Praetoria ihres Legionslagers hinterlassen. Im Mittelalter errichteten Fernhändler und Kaufmannsdynastien ihre Hauptsitze und wetteiferten um den höchsten Geschlechterturm. Mittendrin in der dann lange protestantischen freien Reichsstadt die katholische Kirche in Gestalt des Doms – und über der Donau das stets bayerische Stadtamhof, das längst zur Altstadt zählt und mit ihr seit 2006 zum Welterbe.
Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth

Als „Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft“ hat die Unesco im Jahr 2012 das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth in seine Welterbe-Liste aufgenommen. Und tatsächlich ist es ein beeindruckendes Beispiel der Musikkultur des 18. Jahrhunderts. Das Opernhaus gilt als besterhaltenes Beispiel eines freistehenden barocken Hoftheaters. Die kunstbeflissene Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth, die in Bayreuth wahrlich nicht nur glückliche Zeiten erlebt hat, aber der Stadt ein großartiges Erbe hinterlassen hat, forcierte den Bau aus Anlass der Hochzeit ihrer Tochter Elisabeth Friederike Sophie mit Herzog Carl Eugen von Württemberg. Giuseppe Galli Bibiena, führender Theaterarchitekt seiner Zeit, verantwortete den Bau im Jahr 1750. In Größe und Prachtfülle, heißt es beim bayerischen Kunstministerium, seien mit dem Opernhaus Bayreuth zu seiner Zeit nur die Häuser in Wien, Dresden, Paris und Venedig vergleichbar gewesen.
Augsburger Wassermanagement-System

Augsburg ist eine Wasserstadt, an Lech und Wertach gibt es mehr Brücken als in Venedig. Das Wassermanagement-System ist seit 2019 Unesco-Welterbe, mit seinen Bächen, Kanälen, Brunnen, Wassertürmen und Pumpen. Grund für die Auszeichnung war Augsburgs nachhaltiger Umgang mit Wasser, speziell mit Trinkwasser, den die Stadt seit Jahrhunderten pflegt – und damit vielen andere Metropolen als Blaupause diente. Seit 1545 trennt Augsburg Brauch- und Trinkwasser, was damals weltweit einmalig war. Bereits die Römer, die Augsburg vor 2000 Jahren gründeten, verschifften ihre Waren bevorzugt über den Lech ins dortige Militärlager. Der Hochablass, ein Stauwehr im Lech, 1879 gebaut, gilt als Vorbild und Ursprung der heutigen, modernen Wasserversorgung. Und auch eine Sportstätte ist Teil des Welterbes: der Eiskanal, die Kanustrecke der Olympischen Spiele von 1972.
Bamberger Altstadt

Die Altstadt von Bamberg steht seit 1993 auf der Liste des Unesco-Welterbes – als Beispiel für eine mitteleuropäische Stadt, wie sie sich bis ins 19. Jahrhundert aus einer im Kern hochmittelalterlichen Grundstruktur entwickelt hat. Die Bezüge reichen weit. So finden sich die Vorbilder für den berühmten, romanisch-frühgotischen Bamberger Dom in Frankreich. Selbst er wiederum diente zur Inspiration für Kirchenbauten in Sachsen und Ungarn. In Spätmittelalter und Barock waren dann die Kontakte nach Böhmen bedeutender. Das alte Neben- und Miteinander von geistlicher und weltlicher Herrschaft prägt die Gestalt der Stadt ebenso augenfällig wie der wachsende Einfluss des Bürgertums seit dem Mittelalter. Bei all dem bleibt Bamberg nicht museal, sondern ist belebt aus sich heraus.
Obergermanisch-Raetischer Limes

Der Limes zementierte die Grenze zwischen Römern und den Völkern, die in den Augen der antiken Großmacht nur Barbaren waren. In Südwestdeutschland und Süddeutschland war die Befestigungsanlage zwischen Rhein und Donau 550 Kilometer lang, mit mehr als 100 größeren und kleineren Militäranlagen und mehr als 900 Wachtürmen sowie Erdwällen, Palisaden, Steinmauern und Gräben. Von 120 nach Christus an errichtet, ist der obergermanisch-raetische Limes seit dem Jahr 2005 Teil der transnationalen Unesco-Welterbestätte „Grenzanlagen des römischen Reichs“ – gemeinsam mit dem Hadrianswall und dem Antoniuswall in Großbritannien. Der bayerische Anteil umfasst laut Kunstministerium 49 Kilometer am Main in Unterfranken und 109 Kilometer Landgrenze in Mittelfranken, Ober- und Niederbayern.
Donaulimes

Der Donaulimes, eine Wassergrenze des römischen Reichs, bildet den südlichen Nachbarabschnitt des obergermanisch-raetischen Limes und damit die Nordgrenze der damaligen Provinzen Noricum, Pannonia und Moesia. Die transnationale Welterbestätte reicht von Bad Gögging bei Neustadt a.d. Donau bis zum slowakischen Iža. 77 Fundstellen an 600 Flusskilometern zeigen das Verteidigungssystem der Römer an der Donau. 69 nach Christus begannen die Römer mit dem Bau einer durchgehenden Kette von Verteidigungsanlagen mit Wachtürmen, Kastellen und Legionslagern. Aus und an den Stationen der Römer entwickelten sich zivile Siedlungen und Handelszentren, die auch zum Austausch mit den Völkern jenseits der Grenze dienten. Laut Unesco ist der Limes ein außergewöhnliches Zeugnis einer kulturellen Tradition und untergegangenen Kultur.
Bad Kissingen als bedeutende Kurstadt Europas

Bad Kissingen ist Welterbe, aber es ist dabei nicht allein. Die unterfränkische Kurstadt zählt zu den insgesamt elf „Great Spa Towns of Europe“, die 2021 gemeinsam den Unesco-Titel erhielten. Dazu zählen unter anderem auch Spa in Belgien, das den heute gängigen englischen Begriff für Kur- und Wellness aller Art geliefert hat, sowie Bath in England selbst. Die Unesco würdigt mit Bad Kissingen und in Deutschland außerdem noch mit Bad Ems und Baden-Baden die Kur als Kulturphänomen in all ihrer Internationalität und ihrer einst recht elitären Eleganz. Die reicht in der architektonischen Gestalt von Badehäusern über Trink- und Wandelhallen bis zum Bahnhof. Dazu kommen Hotels und Villen sowie Theater und Casinos zur Zerstreuung der Kurgäste und ihres Vermögens.
Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen

Der Name ist etwas sperrig: „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“. Was dahintersteckt, ist aber umso spannender: Die Pfahlbauten sind teils 5000 vor Christus gebaut worden, sie gewähren Einblick in die Lebensweise der frühen Bauern, in ihren Alltag, ihren Ackerbau und ihre Viehzucht. 111 Fundstellen in Frankreich, Österreich, Deutschland, Italien, Slowenien und in der Schweiz umfasst dieses grenzüberschreitende Welterbe. An den Stätten fanden Archäologen auch technische Innovationen ihrer Zeit, zum Beispiel Einbäume und das älteste Rad Europas aus der Zeit um 3000 vor Christus. Auch die ältesten in Europa entdeckten Textilien stammen aus Pfahlbauten. In Bayern sind drei Fundstellen Teil des Welterbes: Pestenacker und Unfriedshausen im Landkreis Landsberg am Lech sowie ein Bereich rund um die Roseninsel im Starnberger See.

