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Bayerns Landesbankaffäre:Der "Monsterbrief" des Herrn Naser

Bayerns Ex-Sparkassenpräsident Naser spricht sich von jeglicher Schuld für die Milliardenverluste der Landesbank frei - und schimpft in einem Brief auf Abgeordnete und Journalisten.

Klaus Ott

Für viele Bürger ist Siegfried Naser, der fast ein Jahrzehnt eine Schlüsselrolle bei der BayernLB einnahm, zur Reizfigur geworden. Im Landtag löste er einen Eklat aus, indem er sich weigerte, vor dem Untersuchungsausschuss zur Landesbankaffäre auszusagen. Erst nach der Drohung, in Beugehaft genommen zu werden, machte der frühere Kommunalpolitiker aus den Reihen der CSU einen Rückzieher.

Untersuchungsausschuss BayernLB -  Naser

Bayerns früherer Sparkassenpräsident Siegfried Naser.

(Foto: dpa)

An seiner eigenwilligen Sicht der Dinge ändert das nichts. Schuld an den Milliardenverlusten der Staatsbank bei der österreichischen Hypo Alpe Adria sind nur die Wirtschaftskrise und andere widrige Umstände, nicht aber die Politiker und Sparkassenfunktionäre, die das Institut kontrollieren sollten. Und die öffentliche Aufregung ist vor allem gehässigen Medien anzulasten.

Dokumentiert sind Nasers Attacken in einem langen Brief, den der frühere Chef des Verwaltungsrats, des Kontrollorgans der BayernLB, an einige alte Kollegen schickte. Der Verwaltungsrat, der den Kauf der Hypo Alpe Adria genehmigt hatte, sollte die Landesbank eigentlich vor Verlusten bewahren. Doch das misslang.

Die Geschichte der Fehlkäufe von Unternehmen sei lang, auch in Deutschland und auch in der Bankenbranche, schreibt Naser. Als Beispiele nennt er die Übernahme der Dresdner Bank erst durch den Versicherungskonzern Allianz und dann durch die Commerzbank. Er wüsste aber nicht, so Naser, dass bei diesen Fehlentscheidungen jemals ein Aufsichtsgremium in der Öffentlichkeit derart diskreditiert und vorverurteilt worden sei wie bei der Landesbank.

Der Ex-Sparkassenpräsident beklagt sich über viele gehässige Presseartikel gegen den Verwaltungsrat, die man nur als "politisch motiviert" betrachten können. Was er damit meint, lässt er offen. Betrachtet Naser die Medien etwa als Opposition gegen seine Partei, die CSU? Bemerkenswert sind auch einige der Gründe, aus denen Naser im Landtag nicht aussagen wollte. Die Medien würden doch nur über die dort vorgebrachten Anschuldigungen berichten, nicht aber über die sachliche Aufklärung, die er und seine alten Kollegen aus dem Verwaltungsrat leisteten.

Auch einigen Mitglieder des Untersuchungsauschusses wirft Naser Vorverteilung vor. Insbesondere der SPD-Abgeordneten Inge Aures, die öffentlich über die früheren Vorstände und Verwaltungsräte der Landesbank erklärt habe, "die gehören alle ins Gefängnis".

Er und seine Kollegen hätten aber nichts zu verbergen, schreibt Naser. Man könne sachlich die Rolle des Verwaltungsrats darstellen, auch wenn sich das dann so in den Medien nicht wiederfinde. Immer wieder sind es die Journalisten, über die sich der langjährige Finanzmanager aufregt. Medienberichte, er habe die Übernahme der Hypo Alpe Adria maßgeblich vorangetrieben oder sich nach dem Kauf dann persönlich um das österreichische Finanzinstitut gekümmert, seien böswillige Falschmeldungen.

Am Ende seines Briefes beteuert Naser, er habe sich nichts vorzuwerfen. Sein Schreiben hat der Ex-Sparkassenpräsident selbst einmal als "Monsterbrief" bezeichnet. Aber nur wegen des Umfangs: knapp 20 Seiten mit 30 Anlagen, die einen ganzen Ordner füllten. Darunter etliche Zeitungsartikel.

© sueddeutsche.de/aum

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