Bayerns längste Bahnbaustelle Die Bahn baut jetzt wirklich

Die Bahnstrecke zwischen München und Zürich hält manch schönen Ausblick bereit.

(Foto: Uwe Miethe/DB)

Nach 40 Jahren Planung erfolgt der erste Spatenstich für den Ausbau der Strecke von München nach Zürich. Der Projektleiter freut sich über den "pünktlichen Start".

Von Christian Rost, Memmingen

Wenn die Schweizer nicht so hartnäckig gedrängelt hätten, dann wären Bahnfahrer im Allgäu vermutlich auch weiterhin mit Dieselrössern unterwegs. Seit Mitte der Siebzigerjahre, als die Bahn noch Bundesbahn hieß, wurde die Elektrifizierung der Strecke von München nach Lindau und weiter bis Zürich immer wieder angekündigt. An diesem Freitag, mehr als 40 Jahre später, ist es nun soweit. In Memmingen erfolgt der Spatenstich für den Ausbau des ersten, rund 100 Kilometer langen Abschnitts zwischen Geltendorf im Landkreis Landsberg am Lech und dem baden-württemberigschen Leutkirch.

Vor dem Hintergrund, dass es so lange gedauert hat bis zum Start, ist es schon originell, wenn Projektleiter Matthias Neumaier nun sagt: "Ich freue mich, dass Bayerns längste Bahnbaustelle pünktlich starten kann." Während auf Schweizer Seite das Schienennetz längst mit Oberleitungen für den elektrischen Zugbetrieb ausgerüstet ist, beginnt im Allgäu nun erst die Aufrüstung. Von der Schweiz, die ihre Eisenbahn noch besser an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz anschließen will, gab es sogar eine Art Kredit in Höhe von 50 Millionen Euro, damit auch endlich auf deutscher Seite etwas passiert.

Auf der Strecke von München bis Geltendorf fahren bereits Elektroloks, weil hier die S-Bahn verkehrt. Auf der weiteren Strecke bis hinunter zum Bodensee gibt es noch viel zu tun: Oberleitungen müssen installiert, Bahnhöfe ausgebaut und Lärmschutzwände auf einer Länge von insgesamt 25 Kilometern errichtet werden. An manchen Abschnitten ist es auch notwendig, die Schienen abzusenken, damit etwa unter Brücken die Oberleitungstechnik Platz findet. Die Baukosten belaufen sich Schätzungen zufolge auf 850 Millionen Euro, wovon die Elektrifizierung alleine die Hälfte der Summe verschlingt.

Während der Bauzeit bis 2020 müssen sich Bahnfahrer auf der 197 Kilometer langen Strecke zwischen München und Lindau auf erhebliche Einschränkungen einstellen. So wird zunächst die Strecke von Buchloe über Memmingen bis Leutkirch bis zum 10. September 2018 voll gesperrt. Weitere Sperrungen folgen. Die Bahn setzt Ersatzbusse ein, etwa 3200 Fahrgäste werden jeden Tag umsteigen müssen. Wenn dann alles fertig ist und auch die schnellen ICE durchs Allgäu rollen können, verkürzt sich die Fahrzeit von München nach Zürich um eine Stunde auf dann noch knapp dreieinhalb Stunden.

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