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Bayerns Helden, die Wilderer:Ein Volk von Bazis

Warum ausgerechnet Wilderer und Bankengründer in Bayern zu bewunderten Volkshelden wurden.

Am Leonharditag, dem 6. November des Jahres 1877, machte sich der Holzknecht Georg Jennerwein auf den Weg von Schliersee nach Bad Tölz, doch kam er dort nie an.

Fand ein furchtbares Ende: der Wildschütz Georg Jennerwein

(Foto: Foto: dpa)

Eine gute Woche später wurde Jennerwein am Peißenberg tot aufgefunden - es muss ein furchtbarer Anblick gewesen sein, die Leiche war verstümmelt, der Unterkiefer war zerfetzt, die Wange mitsamt dem Schnurrbart hing im Geäst eines nahen Baumes.

Zunächst deutete alles auf einen Selbstmord hin, aber eine Kugel im Rücken des Toten verriet den feigen Hinterhalt. Bald geriet der Jagdgehilfe Johann Pföderl in den Verdacht, Jennerwein ohne Warnung von hinten erschossen zu haben.

Möglicherweise schürten Frauengeschichten einen tödlichen Hass. Viele Fragen sind offen, aber eines steht fest: Der gewaltsame Tod machte den Jennerwein, einen kräftigen Wilderer, unsterblich.

Sein Grab auf einem Friedhof zwischen Hausham und Schliersee ist ein beliebtes Ausflugsziel. Auch wenn gar nicht sicher ist, ob das schmiedeeiserne Kreuz überhaupt das Grab des Jennerwein markiert. Mehrmals wurde es versetzt, da kein anständiger Bürger neben einem Wilderer begraben werden wollte.

Und dennoch steht der Jennerwein heute in der ersten Reihe der bayerischen Volkshelden, einer Spezies, die größte Aufmerksamkeit verdient, weil sie viel über den Charakter und die Befindlichkeit der Bayern verrät.

Urtypus des bayerischen Volkshelden

Nicht umsonst reiben sich immer wieder Filmregisseure, Buchautoren und Ausstellungsmacher an diesem Phänomen, das sich einfach nicht abnützen will.

Zuletzt gab es opulente Kinostreifen über den Jennerwein und den Räuber Kneißl zu sehen, und auch der Turm der Bücher über Wilderer und Volkshelden wuchs weiter an.

Alle Autoren stellen die gleiche Frage: Woher rührt die Bewunderung, die diesen Rebellen seit Jahrhunderten entgegengebracht wird? Die Buchautoren Alfons Schweiggert und Dietz-Rüdiger Moser sind sich einig, dass der Wilderer den Urtypus des bayerischen Volkshelden darstellt.