Bayerns Finanzminister Geplagt von der Södernoia

Steuern gemeinsam (v. li.): Michael Grießer, Leiter der Seenschifffahrt, Minister Markus Söder, Starnbergs Bürgermeisterin Eva John und der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber. Seit Dienstag gibt es auf dem Starnberger See Gratis-Internet.

(Foto: Franz X. Fuchs)

Markus Söder besucht China. Markus Söder grüßt Astronauten. Markus Söder startet den Wlan-Betrieb auf dem Starnberger See. Ja Herrschaftszeiten, gibt es denn keinen Flecken auf der Erde, an dem man von diesem Mann verschont bleibt?

Glosse von Sebastian Beck

Als Journalist in Bayern kann man schon mal so eine Art Södernoia entwickeln. Dann liegt man nachts wach wie eine Figur von Stephen King, weil es drinnen im Schrank rumpelt, und fragt sich: Könnte er das sein? Wird er gleich im Anzug raussteigen und die Breitbandstrategie verkünden? Der Mann ist ja überall. Ein Biologe würden sagen: Söder ist so ubiquitär wie der Löwenzahn. Taraxacum Soederensis. Keine Ritze mit ein bisschen Licht und Humus, aus der nicht er sprießt.

Es ist gruselig: Tippt man in Google die Suchwörter Söder und Weltraum ein, poppt ein Bild mit Söder und dem Astronauten Bruce McCandless auf. Söder und Gott? Ein Foto von Söder, wie er von der Kanzel predigt. Söder und Sex? Ein Foto von Söder als Marilyn Monroe verkleidet. Und da soll man nicht verrückt werden?

Ein söderloses Leben ist auf der Erde kaum mehr möglich: Fährt man abends mit dem Auto nach Hause, zieht er im Radio über die Griechen her. Wenn man dann vorsichtig die Tür aufsperrt und sich vergewissert, dass er weder hinter der Garderobe noch unter der Treppe lauert, dann sollte man auf keinen Fall den Fernseher anschalten. Bloß nicht! Die Chance, ein söderfreies Programm zu finden, ist verschwindend gering. Hat man dann endlich eine Dokumentation zum Beispiel über Vögel in der Arktis entdeckt, schwingt diese Angst mit: Er wird doch nicht gleich durchs Bild latschen? Irgendwas mit bayerischer Klimastrategie? Vorsichtshalber mal googeln: Söder und Arktis - Treffer: Söder als Eisbär. Schnell ausschalten.

Jetzt war er auch noch in China. Von seinem Hoffotografen ließ er sich vor der Verbotenen Stadt ablichten, mit verschränkten Armen und dem Anschein nach mächtiger als einst die Kaiser Puyi, Liang Wu Di, Xuanzong und Zhu Youtang zusammen. Das historische Foto von Strauß und Mao Zedong aus dem Jahr 1975 brachte Söder selbst aus Bayern mit. Davor posierte er mit einem gewissen Liu Yanbin, dem Vizepräsidenten des Pekinger Flughafens. Das belegt einmal mehr die alte These: Wenn sich Geschichte wiederholt, dann höchstens als Farce. Söder und Mao bringt jetzt aber auch einen Treffer. Wenn man allerdings Söder, Mond und Mitfluggelegenheit eingibt, kommt nicht wirklich was Brauchbares. Aber das wird sich bestimmt noch ändern.