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Bayernkurier abschaffen?:Wenn das Strauß wüsste...

Die CSU muss sparen - und will bei ihren Mitgliedern höhere Mitgliedsbeiträge eintreiben. Keine gute Idee, sagen die Oberfranken. Sie wollen lieber das Parteiorgan Bayernkurier abschaffen. Doch das ist gar nicht so einfach.

K. Auer u. P. Fahrenholz

Da haben ein paar Abgeordnete tief durchgeschnauft. Die trauen sich was - den Bayernkurier abschaffen wollen. Das Blatt, das die Großen der CSU zu seinem 40., 50. und 60. Geburtstag als Sturmgeschütz der Partei, als unverzichtbar und unnachahmlich gepriesen hatten. Das jahrzehntelang das Sprachrohr von Franz Josef Strauß gewesen war. Und das nun offensichtlich verzichtbar sein soll.

Bayernkurier steht vor dem Aus

Die CSU muss sparen. Abgeordnete schlagen vor: den Bayernkurier abschaffen.

(Foto: dapd)

Die CSU-Abgeordneten Alexander König und Christian Meißner haben der Klausur der Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz einen Hauch von Revolution verpasst. Da wurde bekannt, dass ihre Kreisverbände Hof-Land und Lichtenfels das traditionsreiche Parteiorgan für überflüssig halten. Und in der Parteizentrale ging sofort der Antrag auf Abschaffung der Zeitung ein, zu beschließen auf dem Parteitag Ende Oktober.

"Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis", erklärt König das Ansinnen. Die oberfränkischen CSU-Mitglieder kamen auf die Idee, weil die Partei sparen muss. Dafür will Generalsekretär Alexander Dobrindt die Mitgliedsbeiträge erhöhen. Keine gute Idee, fanden die Oberfranken und machten den Vorschlag, den Bayernkurier zu schließen.

Eine Million Euro könne die CSU dadurch sparen. "Das kam aus der Mitte der Mitglieder", sagt Meißner. Und je länger die Idee in Banz kursierte, umso mehr Abgeordnete konnten sich vorstellen, künftig ohne die Parteizeitung auszukommen, die Franz Josef Strauß vor 60 Jahren gründete. Wenn man mal ehrlich sei, lese die ohnehin kaum einer, heißt es.

Ganz so einfach, wie sich die Kritiker das vorstellen, wird es jedoch nicht. Die Parteizeitung erhält nämlich keine Zuschüsse, die man so einfach streichen müsste. Die Unterstützung der CSU für den Bayernkurier, die sich auf die immer wieder diskutierte eine Million Euro im Jahr beläuft, basiert auf einem Vertrag.

Die Partei hat sich darin verpflichtet, eine Mindestzahl von Abonnements abzunehmen, nämlich 50.000 Exemplare im Monat. Dazu kommt noch viermal im Jahr eine Nummer mit 150.000 Exemplaren Auflage, mit der alle Mitglieder erreicht werden. Diese Sondernummer wird beispielsweise bei Parteitagen oder besonderen Ereignissen wie dem politischen Aschermittwoch aufgelegt.

Hinzu kommt, dass der Bayernkurier nicht nur ein Kostenfaktor ist, sondern auch Einnahmen erwirtschaftet. Nach SZ-Informationen liegt der Gesamtetat des Parteiblattes bei etwa drei Millionen Euro im Jahr, die Partei trägt also nur ein Drittel der Gesamtkosten. Dem Vernehmen nach kann mit diesem Etat kostendeckend gearbeitet werden.

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