CSU und Freie Wähler wollen freiwilliges Engagement vornehmlich junger Menschen unter einem neuen Dach bündeln. Dazu soll ein „Bayernjahr“ als freiwillige Gesellschaftszeit eingeführt werden, heißt es in einem Antrag der Regierungsfraktionen, den sie am Dienstag bei einem Pressetermin vorstellten. Staatsregierung und Landtag sollen demnach gemeinsam ein Konzept für diese Idee entwickeln. Der genaue Zeitplan blieb unklar.
Das Bayernjahr soll auf bestehenden Strukturen der Freiwilligen-Dienste aufbauen, etwa des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), des Freiwilligen Ökologischen Jahres, des freiwilligen Wehrdienstes oder des Bundesfreiwilligendienstes. Ziel ist es, diese Programme zu vernetzen, um Menschen neue Kombinationsmöglichkeiten zu eröffnen. Als Module im Bayernjahr ist der Bereich Sicherheit – darunter fallen etwa Katastrophenschutz, Feuerwehr und Bundeswehr – angedacht, ferner soziale und ökologische Einrichtungen aller Art sowie auch zertifizierte Partnerbetriebe in der Wirtschaft; konkret geht es hier um Praktika wie im Handwerk.
Das neue Angebot soll sich aber explizit an alle Altersgruppen wenden und könne, wie es im Antrag heißt, einen Beitrag zur Integration von Zugewanderten liefern: Gestärkt werden soll auch die Identifikation mit dem Freistaat. Neu wäre verglichen mit den bestehenden Freiwilligen-Diensten: Nach dem Bayernjahr sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein einheitliches Zertifikat erhalten. Zudem sind bei dem Projekt, über bestehende Modalitäten und Vergütungen hinaus, zusätzliche Anreize denkbar, etwa Vorteile bei der Vergabe von Studienplätzen oder Zimmern in Wohnheimen, ebenso Zuschüsse für Führerscheine oder Bahntickets. Ein Online-Portal soll als Vermittlungsplattform dienen. Insgesamt sollen keine neuen Verwaltungsstrukturen geschaffen werden.
Das Bayernjahr solle „als Vorläufer und Blaupause“ zur Einführung eines bundeseinheitlichen Gesellschaftsjahres dienen, hieß es. Die CSU schlägt auf Bundesebene dieses Modell schon länger vor, wenn es um die mögliche Wieder-Aktivierung der Wehrpflicht geht.
CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek sprach am Dienstag bei der Vorstellung der Idee im Landtag von einer „Orientierungszeit“ für junge Menschen nach dem Schulabschluss: „Anpacken, ausprobieren, Horizont erweitern – statt digitaler Blase.“ Der CSU-Sozialpolitiker Thomas Huber verwies auf Einblicke in soziale Berufe, die früher der Zivildienst gegeben habe. „Dieser selbstverständliche Berührungspunkt ist heute ein Stück weit verloren gegangen.“
„Erstmal nur ein neues Etikett“, heißt es bei den Grünen
Johann Eitzenberger, der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands, erhofft sich von einem Bayernjahr eine „Brückenfunktion“: Junge Menschen lernten so das Engagement kennen und blieben womöglich dauerhaft dabei. Landes-Caritas-Direktor Andreas Magg sagte, man begleite bereits heute viele junge Menschen im FSJ und dergleichen. Ein Bayernjahr könnte „noch mehr Menschen für soziales Engagement gewinnen und durch Berufsorientierung einen Weg in diese Branche eröffnen“.
Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Florian Siekmann, kommentierte am Dienstag: „Ich bin froh, dass sich die Regierungsfraktionen endlich von der alten Wehrpflicht-Nostalgie verabschieden und auf einen zeitgemäßen Kurs einschwenken.“ Gut gemeint sei aber leider noch nicht gut gemacht: „Erstmal ist das Bayernjahr nur ein neues Etikett für Angebote, die es bereits gibt.“ Es mangele auch nicht an der Bereitschaft junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen, so Siekmann, sondern an einer verlässlichen Finanzierung der Dienste.


