Haus der Bayerischen GeschichteDie Bauern, der König und die Freiheit

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„Ludwig I. – Bayerns größter König?“, fragt die Bayerische Landesausstellung von Mai an.
„Ludwig I. – Bayerns größter König?“, fragt die Bayerische Landesausstellung von Mai an. (Foto: Foto: Haus der Bayerischen Geschichte)

Die Bayernausstellung in Memmingen zeigt dieses Jahr den Kampf der Bauern um ihre Freiheit und mit den zwölf Artikeln so etwas wie die erste Verfassung auf deutschem Boden. Die Landesausstellung in Regensburg nimmt Ludwig I. in den Blick.

Von Florian Fuchs, Memmingen/Regensburg

Ganz so viel hat das Haus der Kramerzunft am Weinmarkt in Memmingen nicht mehr zu tun mit dem Original vor 500 Jahren. Die Decke aber, sagt Projektleiter Fabian Fiederer, hat die Jahrhunderte überlebt, sie ist sozusagen Zeugin einer ersten verfassungsgebenden Versammlung auf deutschem Boden: mit dem Ergebnis der zwölf Artikel, die die nach Freiheit strebenden schwäbischen Bauern dort bei einem Treffen verfassten. Zur Bayernausstellung, die im März beginnt, werden Besucher in einer multimedialen Inszenierung von der Decke hören, wie das war, damals, im März 1525 - und was das alles für Folgen hatte.

Zur Bayernausstellung in Memmingen, erzählt Richard Loibl, Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte, hat sich der Bundespräsident angemeldet, mitsamt allerlei weiterer Prominenz. Wobei die Schau über den Beginn des Ringens um Menschenrechte, das bis heute nicht abgeschlossen ist, dem König trotzdem nicht die Schau stehlen wird: In Regensburg in den Räumen des Museums wird von Mai an die Landesausstellung stattfinden über Ludwig I. mit der Fragestellung, ob der bau- und kunstsinnige Monarch Bayerns größter König ist? Es sind die beiden größten Projekte des Hauses der Bayerischen Geschichte, das 2024 wieder 250 000 Besucher zählen durfte und 2025 in weiteren Ausstellungen wie „Sau sticht König“ unter anderem Spielkarten aus Bayern beleuchtet.

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Wie darf man sich das bäuerliche Leben vor 500 Jahren vorstellen? Was waren die Sorgen und Nöte, warum kamen sie mit ihren Lebensumständen nicht mehr klar? Die Bayernausstellung soll Antworten geben, wobei die zwölf Artikel für sich sprechen, da muss man nur kurz hineinsehen: bei Punkt drei etwa, die Leibeigenschaft soll aufgehoben werden. Oder bei Punkt acht, die Abgaben der Bayern sollen durch ehrbare Leute neu eingeschätzt werden.

Porträt von Georg III. von Waldburg-Zeil, genannt „Bauernjörg“ (1488-1531), geschickter, aber auch unnachgiebiger und bisweilen brutaler Anführer im Kampf gegen die Bauern.
Porträt von Georg III. von Waldburg-Zeil, genannt „Bauernjörg“ (1488-1531), geschickter, aber auch unnachgiebiger und bisweilen brutaler Anführer im Kampf gegen die Bauern. (Foto: Foto: Haus der Bayerischen Geschichte)

Die Ausstellung soll der knisternden Stimmung bei der Versammlung nachspüren, sie wird auch die Bauernkriege in den Blick nehmen, sowie die große Wirkmacht des Schriftsatzes weit über die Grenzen Schwabens hinaus, dem auch der neu erfundene Buchdruck zuträglich war. Es sei, sagt Museumschef Loibl, ein Verdienst der Stadt Memmingen, die Erinnerung an die zwölf Artikel wachgehalten und in den vergangenen Jahren lautstark in die Bundesrepublik hineingetragen zu haben. Die Frage nach der Freiheit, nach unseren Grundwerten, werde heute genauso intensiv behandelt wie damals.

Sie wurde auch, unter anderem das zeigt die Landesausstellung in Regensburg, vor nicht ganz 200 Jahren verhandelt: Ludwig I. ist ja nicht nur wegen seiner Affäre mit der Tänzerin Lola Montez zurückgetreten, am Ende konnte und wollte er die Forderungen nach politischen Neuerungen nicht mehr erfüllen, das Volk forderte mehr Mitsprache. Ludwig überließ seinem Sohn Maximilian II. die Krone. Die Landesausstellung will Ludwig I. aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen, seine vielen Gesichter: den Kunstliebhaber, den Baumeister, der die Residenzstadt München zur Kunstmetropole erhebt, der Eisenbahntrassen plant und die Walhalla entstehen lässt.

Um den Ehemann und Herrscher Ludwig I. zu verstehen, sind seine Tagebucheinträge wichtig, die Einblicke in seine Arbeitsweise und seine Gefühlswelt geben, wie Projektleiter Rainhard Riepertinger erläutert. Er habe seine Frau Therese sehr geliebt, und dennoch nicht von seinen zahlreichen Affären lassen können. Er wandelte sich vom eher liberalen König, den zumindest das Volk größtenteils in ihm sah, zum verstärkt autokratischen sowie unbeliebten Herrscher. Und er lebte nach seiner Abdankung noch 20 Jahre als Privatier und Mäzen. Bereits 1888 organisiert die Stadt München zu seinem 100. Geburtstag einen großen Umzug. „Daran sieht man“, sagt Riepertinger, „wie schnell sich Einschätzungen ändern können.“ Und wie rasant sich Bayern damals gewandelt hat.

Die Bayernausstellung „Projekt Freiheit – Memmingen 1525“ findet vom 16. März bis 19. Oktober in Memmingen statt. Die Bayerische Landesausstellung 2025 „Ludwig I. – Bayerns größter König?“ ist vom 10. Mai bis 9. November 2025 in Regensburg zu sehen.

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