Von einem „Alarmsignal“ ist an diesem Freitag die Rede, von fehlenden Umsätzen, von „dramatischen Auswirkungen“. Letztere drücken sich in Zahlen zum Beispiel so aus: 76 Prozent der bayerischen Automobilzulieferer rechnen mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl, so hat es eine Umfrage unter Betriebsräten ergeben. „Ein Brett“, nennt das Horst Ott, Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall.
Und: Mehr als die Hälfte der Betriebe erwarten laut der Umfrage, dass ein Stellenabbau Hochqualifizierte wie Ingenieurinnen und Ingenieure treffen werde. „Eine sehr schlechte Entwicklung“, sagt Ott. Wenn Know-how künftig anderswo stattfinde, sei das eine „irre Gefahr“.
„Quo vadis“, haben sie deshalb bei der IG Metall einen Auftritt von Betriebsräten in der Münchner Gewerkschaftszentrale überschrieben. Denn vom Schwung, der das Land aus der Krise führen soll, ist wenig zu spüren. An Fahrt gewonnen hat dafür die Angst vor Jobverlust, auch im Autobau, dem Platzhirschen der bayerischen Wirtschaft – und hier vor allem bei den Zulieferern. Von ihnen planen laut der Umfrage 69 Prozent, Zukunftsprodukte ins Ausland zu verlagern. In der Metall- und Elektroindustrie liegt der Wert bei 53 Prozent.
Die Ursachen sind bekannt: Lange ließ sich in Bayern vom Verbrenner gut leben. Dann brach die Nachfrage ein. In China etwa kaufen sie jetzt lieber ihre eigenen Autos mit Elektromotor. Um dem Trend hin zu E-Mobilität zu begegnen, habe man bei ZF in Schweinfurt früh viel Geld investiert, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Oliver Moll. Alle hätten gedacht: „Jawoll, das wird eine Erfolgsnummer.“ Es kam anders, bei ZF gilt nun ein Sparplan.
Uns fällt momentan immer wieder die wirtschaftliche Entwicklung in Europa auf die Füße.Ulrich Schöpplein, Konzernbetriebsrat bei Schaeffler
Bei Bosch in Bamberg könnten weitere Stellen abgebaut werden, fürchtet Betriebsrat Mario Gutmann. Im Bereich Mobility sieht er jeden dritten Arbeitsplatz in Gefahr. Und auch bei Schaeffler in Herzogenaurach wird die Stimmung als eher verhalten beschrieben. „Uns fällt momentan immer wieder die wirtschaftliche Entwicklung in Europa auf die Füße“, sagt Ulrich Schöpplein, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats.
Um den Standort zu stärken, fordert die Staatsregierung von der EU, das Verbrennerverbot zu kippen. Bei der IG Metall plädiert man ebenfalls für mehr Flexibilität beim Antrieb, würde sich aber auch mehr Engagement von den Firmen sowie vom Freistaat selbst wünschen. Bezirksleiter Ott hatte gar kürzlich gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund Wirtschaftsminister Huber Aiwanger (FW) „Showveranstaltungen“ vorgeworfen: Andere Minister hätten gezeigt, „wie es ist, wenn man intelligente Wirtschaftspolitik macht“. Nun präzisierte Ott, was er darunter verstehe: Wer als Unternehmen Steuergeld in Anspruch nehme, müsse sich verpflichten, Arbeitsplätze im Land zu erhalten.
Aus Sicht der IG Metall könnte die Staatsregierung außerdem bei Vernetzung der Betriebe und der Förderung von Zukunftstechnologien stärker unterstützen. Hier brauche es ein „ganzheitliches Konzept“ – bevor es zu spät sei.

