Witze über unbedarfte Zeitgenossen, die sich in Sandalen auf den Weg in die Berge machen, gehören zu den Klassikern des Genres. In Österreich sind es die Deutschen, in Bayern die „Preißn“, denen man nachsagt, sich mit derart ungeeignetem Schuhwerk durchs Hochgebirge zu bewegen. Aus welchem Winkel dieser Welt die Klapperl-Alpinisten auch immer stammen: Wenn sich der Witz mit der Realität deckt, wird aus Spaß ganz schnell Ernst.
So etwa auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. Nach Angaben der Bayerischen Zugspitzbahn geraten dort Touristen, die sich – kein Witz! – teilweise in Flip-Flops auf den kurzen, aber anspruchsvollen Weg von der Bergstation zum Gipfelkreuz machen, regelmäßig in Gefahr und müssen von der Bergwacht gerettet werden.
Weil man im freiheitsliebenden Bayern den Leuten – abgesehen von Kruzifix-Zwang und Gender-Verbot – nur ungern was vorschreibt, scheiden Helm- und Bergschuhpflicht als Sicherheitsmaßnahme aus. Stattdessen gilt künftig die Prämisse: Wenn der Tourist nicht gefahrenfrei zum Gipfelkreuz kommt, dann kommt das Gipfelkreuz eben zum Touristen.
Von 3. Juli an soll ein zweites Gipfelkreuz mehr Sicherheit auf der Zugspitze bringen. Der einfache Trick: Das neue „Gipfelkreuz light“ des 2962 Meter hohen Berges soll auf einer Höhe von etwa 2950 Metern im Inneren der Zugspitzbahn-Gipfelstation installiert werden. So werden potenziellen Gipfelstürmern die letzten zwölf Höhenmeter erlassen. Nicht unbedingt wegen guter Führung, aber aus guten Gründen.
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Gipfelkreuz-Fotos fürs Familienalbum, Instagram und Co. (wenn’s sein muss auch mit Flip-Flops, Sombrero und Hawaii-Hemd) knipst man künftig also ganz geschmeidig, risikofrei und mit Dach über dem Kopf. Und zwar neben dem neuen, drei Meter hohen Kreuz, das der oberbayerische Künstler Bernhard Rieger aus handelsüblichen Baumarktmaterialien erstellt hat.
Darüber, dann nicht das „echte“ Gipfelkreuz auf dem Bild zu haben, muss sich übrigens niemand grämen. Ganz oben auf der Zugspitze befindet sich auch nur eine Nachbildung des Originals aus dem Jahr 1851, das 1993 demontiert worden ist und jetzt im Museum Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen zu sehen ist. Wer also ein Foto mit dem wirklich echten Gipfelkreuz machen will, spart sich nicht nur die letzten Meter zum Gipfel, sondern auch das Geld für die Zugspitzbahn.

