KlimadatenHöchste deutsche Wetterstation seit 125 Jahren an Zugspitze

Lesezeit: 2 Min.

Die Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes auf der Zugspitze wurde im Jahr 1900 eröffnet und war bis vor wenigen Jahren immer von einem DWD-Mitarbeiter besetzt.
Die Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes auf der Zugspitze wurde im Jahr 1900 eröffnet und war bis vor wenigen Jahren immer von einem DWD-Mitarbeiter besetzt. (Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Mehr als Temperatur und Niederschlag: Deutschlands höchstgelegene Wetterstation an der Zugspitze liefert umfangreiche Daten – jetzt feiert sie ein Jubiläum.

Temperatur, Niederschlag, Luftdruck, aber auch Vulkanasche und Saharastaub: Die Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) an der Zugspitze liefert einen ganzen Strauß an Daten. Seit 125 Jahren gibt es die Messtation an Deutschlands höchstem Berg auf 2962 Metern Höhe.

Lange Datenreihen bildeten die unverzichtbare Basis für die Analyse und Bewertung von Klimaänderungen, erläuterte der Wetterdienst. An der Zugspitze seien die Aufzeichnungen nur gut drei Monate unterbrochen gewesen, zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Am 19. Juli 1900 öffnete die Station. Damals gab es keinen Lift, die Wetterbeobachter harrten allein über den Winter aus, nur mit einem mittelmäßig funktionierenden Telefon. Bis vor sechs Jahren war die Station durchgängig besetzt. Die DWD-Mitarbeiter übernachteten in einem 16 Quadratmeter großen Domizil mit Kochplatte und Klappbett in einem hölzernen Turm, der den Zugspitzgipfel noch um zwei Meter überragte.

Inzwischen haben Geräte und Rechner die Arbeit weitgehend übernommen. Automatisierung und manuelle Arbeit ergänzten sich, heißt es beim DWD. Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck, Windrichtung und -geschwindigkeit, Globalstrahlung, Sonnenscheindauer, Sichtweite, Wolkenhöhe und Wetterzustände erfasse die Technik automatisiert. Den Tagesniederschlag bestimmen die DWD-Beobachter vor Ort und steuern die Schneehöhe am Zugspitzplatt manuell in die Datensysteme ein.

In der Wetterstation werden zahlreiche Daten aufgezeichnet, die unter anderem für die Bewertung von Klimamodellen wichtig sind.
In der Wetterstation werden zahlreiche Daten aufgezeichnet, die unter anderem für die Bewertung von Klimamodellen wichtig sind. (Foto: Angelika Warmuth/dpa)

„Eine solche Wetterstation erfordert unter anderem wegen des extremen Klimas, das beispielsweise zur Vereisung der Messgeräte führen kann, einen hohen Wartungsaufwand und enormen Einsatz der Wetterbeobachterinnen und -beobachter“, sagte Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD. Das gelte auch heute noch.

Es ist nicht nur Deutschlands höchster Arbeitsplatz, sondern auch der kälteste, von Kühlhäusern mal abgesehen. Im langjährigen Mittel liegt die Temperatur auf der Zugspitze bei minus 4,8 Grad – ein Klima wie in Südgrönland, so vor Jahren ein DWD-Mitarbeiter. Der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen wurde am 14. Februar 1940 gemessen: minus 35,6 Grad Celsius. Die tiefste Jahresmitteltemperatur gab es 1919, die wärmste 2022 mit minus 2,7 Grad. Die höchsten Schneemengen türmten sich am 26. April 1980 mit 7,80 Metern.

Oberbayern
:Nachts allein auf der Zugspitze

Die Zugspitze ist Sehnsuchtsort für Alpinisten und Instagramer aus aller Welt. Doch in der Nacht gehört der Berg nur zwei einsamen Männern. Ein Besuch auf fast 3000 Metern Höhe.

SZ PlusVon Matthias Köpf (Text), Sebastian Beck (Fotos) und Lisa Sonnabend (digitale Umsetzung)

Die Daten von Hochgebirgsstationen seien wichtig für Informationen über die freie Atmosphäre, die Meteorologie in höheren Luftschichten und in alpinen Hochlagen. Meteorologinnen und Meteorologen konnten laut DWD damit Phänomene wie Föhnsturm, Lawinen oder Gewitterbildung besser verstehen. Die Daten seien auch wichtig, um die Ergebnisse von Wetter- und Klimamodellen einzuschätzen und Warnungen vor allem bei Extremwetterlagen im Gebirgsraum zu verbessern.

„Wettervorhersagen retten Menschenleben“, sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Die Daten der Wetterstation seien auch wichtig für die bayerische Klimapolitik.

Der DWD überwacht auf der Zugspitze mit der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auch die Radioaktivität in Luft und Niederschlag sowie die Zusammensetzung der Atmosphäre. Aufgrund der Gipfellage könnten Vulkanaschewolken und Saharastaubereignisse detektiert werden, was etwa den Flugverkehr beeinträchtigen könne. Stationsmessungen von Sonderstandorten wie der Zugspitze seien zudem für die Kalibrierung der Sensoren von Erdbeobachtungssatelliten unerlässlich.

© SZ/DPA - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Soziale Medien
:Wie Mädchen auf Instagram ihr Körpergefühl verlieren

Dünn sein, immer gut aussehen und auch noch gute Noten: In der perfekten Welt von Instagram geraten Mädchen unter Druck. Wie sie wieder zu sich selbst finden, lernen sie in einem speziellen Workshop.

SZ PlusVon Lisa Schnell

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: