Die Zugspitze ist hierzulande, man darf das mit so viel Superlativ sagen, die allerhöchste Attraktion. Nicht nur bei den zahlreichen Touristen: Auch die Politik kann sich der Aura kaum entziehen, die Deutschlands höchster Berg verbreitet. Vor ein paar Tagen etwa hat am Gipfel der Ministerpräsident mit dem Kanzler getagt. Inhaltlich gab es für den damit verbundenen Aufwand eher wenig Grund. Aber von so weit droben aus schaut halt alles toller aus – selbst wenn es bedeutet, wie Markus Söder und Friedrich Merz vor lauter grauen Wolken nichts zu sehen.
Die Zugspitzbegeisterung ist also ein altes Phänomen. Neu ist, dass sich ihr auch die Deutsche Bahn nicht mehr verschließen kann. Sie fährt jetzt ebenfalls zur Zugspitze. Am 26. Juli veranstaltet die Konzerntochter DB Regio ein „außergewöhnliches Recruiting-Event auf 2962 Metern Höhe“: Sie sucht für die Standorte Garmisch-Partenkirchen, Murnau und Weilheim Lokführerinnen und Kundenbetreuer. „Du willst hoch hinaus?“, fragt sie auf ihrer Website. Dann warte am Gipfel ein „unvergessliches Bewerbungsgespräch in einzigartiger Kulisse“. Und: „Ein Job mit Aussicht – im wahrsten Sinne!“

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Dabei hat es an Aussicht bei der Bahn bislang gar nicht gemangelt. Auch das Personal hat schließlich oft genug Muße, aus dem Fenster zu schauen, weil mal wieder nichts vorangeht. Gerade die Gleise im Oberland haben einige Schlagzeilen über Verspätungen, Ausfälle und andere Probleme angehäuft. Bereits 2007 notierte die Fahrgastvereinigung Pro Bahn über die Strecke zwischen Garmisch und München: „Schon kleinere Betriebsstörungen führen zu einem Zusammenbruch des Fahrplans.“
Bitte nicht falsch verstehen, das alles soll Interessenten an einem Bahnberuf nun nicht abschrecken. Bayern braucht euch! Ohne die Menschen und ihr Engagement bräche der Fahrplan noch viel häufiger zusammen. Aus diesem Grund gilt – Bewerbungsargument Nummer zwei – eine Arbeit bei der Deutschen Bahn als in jeder Hinsicht krisensicher. Drittens ist der Ausblick von der Zugspitze wirklich toll, da muss man nur Söder und Merz fragen. Und viertens ist für die Auffahrt hinauf nicht die Deutsche Bahn, sondern die Bayerische Zugspitzbahn zuständig.
Einem Bewerbungsgespräch auf Deutschlands höchstem Berg sollte da also nichts im Wege stehen – sofern man nicht erst mit dieser anderen Bahn da unten im Tal nach Garmisch anreisen muss.

