Medien in BayernEin besonderes Journal für einen besonderen Landstrich

Lesezeit: 3 Min.

Lange Zeit eine regelmäßige Publikation, bald schon ein historisches Dokument: Die Zeitschrift „Die Oberpfalz“.
Lange Zeit eine regelmäßige Publikation, bald schon ein historisches Dokument: Die Zeitschrift „Die Oberpfalz“. Verlag Laßleben
  • Die Zeitschrift „Die Oberpfalz" wird nach fast 120 Jahren eingestellt, weil Abonnenten durch Todesfälle und altersbedingte Kündigungen wegfielen und keine Neuabonnenten mehr dazukamen.
  • Verleger Erich Laßleben gingen zuletzt die Texte aus - für ein weiteres Heft im Januar hätte er nur noch zehn Seiten Material gehabt.
  • Sogar Behörden, Schulen und das Regierungspräsidium der Oberpfalz bestellten ihre Abonnements ab, was das wachsende Desinteresse an Heimatgeschichte widerspiegelt.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Fast 120 Jahre lang dokumentierte die Zeitschrift „Die Oberpfalz“ die historische Entwicklung dieser Region. Nun ist diese großartige Geschichte zu Ende, der Verlag hat die Publikation eingestellt.

Von Hans Kratzer

SZ bei Google bevorzugen

Dass eine Zeitschrift vom Markt verschwindet, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn aber ein Journal untergeht, das fast 120 Jahre lang durchgehalten hat, dann ist das durchaus eine nähere Betrachtung wert. „Für mich ist das ein schwerer Gang“, sagt der in Kallmünz ansässige Verleger Erich Laßleben, der vor Kurzem das Ende der altehrwürdigen Zeitschrift Die Oberpfalz verkündet hat.

Dass ihn dieser Schritt sehr bedrückt, kann man 100-prozentig nachvollziehen, schließlich ist die Zeitschrift eng mit seiner Familie verbunden. Laßlebens Urgroßvater hatte sie im Jahr 1907 gegründet. Im Laufe der Zeit ist sie ein Stück Kulturgut geworden, sie hat viele Leserinnen und Leser erfreut und deren Horizont erweitert. Dass sie jetzt eingestellt wird, stimmt vor allem jene traurig, die noch etwas für Traditionen sowie für Land und Leute übrig haben.  „Wir sind recht betrübt“; „das darf nicht sein“; „alles schwimmt den Bach hinunter!“ So lauteten die Reaktionen auf die Nachricht, dass die Geschichte der Zeitschrift nach 119 Jahren zu Ende geht.

„Die Zeitschrift hat mich mein ganzes Leben begleitet, da wird man direkt schwermütig“, sagt der Verleger, der jeden Abonnenten zumindest vom Namen her kennt. Bei allem Schmerz: Die Oberpfalz erlebte in den vergangenen Jahren einen gravierenden Rückgang an Interessenten. Der Kundenstamm sei durch Todesfälle und altersbedingte Kündigungen immer weniger geworden, wie Laßleben im Editorial der letzten Ausgabe schreibt, und Neuabonnenten habe es nicht mehr gegeben.

Dazu kam, dass es zuletzt auch an Texten mangelte. „Mir gingen schlichtweg die Aufsätze aus“, sagt Laßleben. Alle zwei Monate waren 64 Seiten zu füllen. Für ein weiteres Heft im Januar habe er nur noch zehn Seiten Material zur Verfügung gehabt.  Neues war nicht mehr zu erwarten. Auch die Autoren zollen dem Alter Tribut.

Nicht zuletzt nagte das wachsende Desinteresse an der Substanz der Zeitschrift. Sogar Behörden und Schulen bestellten das Abonnement ab. „Die Schulen interessiert das nicht mehr“, sagt Laßleben. Es ist ein Symptom der heutigen Zeit. Was wohl auch damit zu tun hat, dass jene Lehrkräfte längst ausgestorben sind, die sich früher um die Belange der Heimatgeschichte gekümmert und junge Menschen dafür begeistert haben. Das Fach Heimatkunde war eine tragende Säule des Unterrichts an den Grundschulen und in den Mittelstufenklassen. Bis es aus den Lehrplänen entfernt wurde. Es spricht Bände, dass sogar das Regierungspräsidium der Oberpfalz das Freiexemplar der Zeitschrift abbestellt hat.

Der Wandel vom Haisl zum Dixie-Klo – die Zeitschrift hatte auch Erheiterndes zu bieten

Dabei hat das Heft viel Lehrreiches vermittelt und das Verständnis für Heimat, Denkmalpflege, Brauchtum und Sprache im besten Sinne gefördert. Die Aufsätze kreisten um Erinnerungen, Biografien, Heimatgeschichte. Manche halfen, die Irrationalität der Welt besser zu durchdringen, und sei es mit der Aufarbeitung von Feldpostbriefen aus dem Ersten Weltkrieg. Das Inhaltsverzeichnis der 2025 erschienenen Bände bietet ein Panoptikum der Kultur und der Geschichte der Oberpfalz. Kindheit im Dritten Reich, Kriegsende, Jahrhundertwinter 1929, Bedeutung von Ortsnamen und Dialektwörtern, dazu Erinnerungen an Brände, Katastrophen und Karrieren. Die Aufzählung nähme fast kein Ende, und auch an Lustigem herrschte kein Mangel, allein die Geschichte von Christa Siegel, die den Wandel vom Haisl zum Dixie-Klo beschreibt, ist den Erwerb des letzten Jahresbandes wert.

„Wir spüren halt, dass – bei aller Bedeutung der Technik – die humanistische Bildung langsam wegschmilzt“, sagt Laßleben. Mit dem fehlenden Interesse an Heimat- und Regionalgeschichte geht auch das Wissen um das Schöne und Gute verloren. Wie der Löwe, der stets die Titelseite der Zeitschrift schmückte. Gezeichnet hat ihn der renommierte Zeichner Michael Mathias Prechtl (1926–2003), der in jungen Jahren für den Verlag arbeitete.

Kontinuität zeichnet den Verlag Laßleben seit jeher aus. Noch immer steht jene Presse in der Druckerei, mit der 1907 die erste Ausgabe der Zeitschrift gedruckt wurde. Deren Gründer Johann Baptist Laßleben (1864–1928) kam 1889 als Lehrer nach Kallmünz, wo er später Die Oberpfalz ins Leben rief.

„Laßleben begründete die literarische Entdeckung der Oberpfalz“, würdigte ihn der Historiker Alois Schmid anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Zeitschrift. Die Bände der vergangenen 70 Jahre, die man beim Verlag immer noch kaufen kann, sind eine Fundgrube für Geschichtsinteressierte. Sie belegen, dass die Zeit vergeht, die Themen aber bleiben. Schon anno dazumal grassierte die Angst vor dem Verschwinden des Dialekts und der Schönheiten der Natur. Die Winter aber waren mächtiger als heute. Der große Eisstoß in Regensburg im Jahrhundertwinter von 1929, der in einem der letzten Hefte dokumentiert ist, ist heute nicht mehr vorstellbar.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

MeinungSöders Hymnenpflicht
:Her mit der regulierten Heimatliebe!

Glosse von Katja Auer
Portrait undefined Katja Auer

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: