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Würzburg:Warum Balthasar Neumann nicht zum Ampelmännchen werden darf

SZ-Magazin

Gelegentliche Abweichungen gibt es beim Standard- Ampelmännchen - doch allzu verwirrend sollten die nicht ausfallen.

(Foto: DPA)

In Würzburg hätte der große Baumeister eine Signalfunktion bekommen sollen. Doch die Richtlinien lassen das nicht zu - und der Stadtrat auch nicht.

Dass die "Richtlinien für Lichtsignalanlagen" nicht zur heiteren Auslegung taugen, könnte man anhand des Namens erahnen, trotzdem versucht es immer wieder mal jemand. Diesem bürokratisch gefestigten Ungetüm ist allerdings weder mit einem Komponisten noch mit einer beliebten Kinderbuchfigur beizukommen. Nun haben es die Würzburger mit einem großen Baumeister probiert, aber - wieder nix.

Falls jemand nicht komplett vertraut sein sollte mit jenem Regelwerk: Darin ist festgeschrieben, dass auf Fußgängerampeln ein rotes stehendes beziehungsweise ein grünes schreitendes Männchen aufleuchten muss, um Fußgängern die korrekte Verhaltensweise nahezulegen. Nun hat es immer wieder Bestrebungen gegeben, den Ampeln ein bisschen Lokalkolorit zu verpassen, aber in Bayern sind bislang fast alle Vorstöße gescheitert.

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Die Bamberger hätten gerne das Sams aufblinken lassen, jenes von Paul Maar erdachte Wesen mit den Wunschpunkten, das es bei Kindern zu großer Beliebtheit gebracht hat. Abgelehnt. In Bayreuth schwelt noch der Plan, die Fußgänger mit Richard Wagner gehen oder stehen zu lassen, keine allzu abwegige Idee in einer Stadt, die es des Komponisten wegen wenigstens einmal im Jahr zu überregionaler Aufmerksamkeit bringt. Aber auch dort sind die Aussichten eher schlecht.

Allein in Augsburg ist es geglückt, eine Kasperl-Ampel zu installieren, dank einer Sondergenehmigung, und auch nur deshalb, weil lediglich das grüne Männchen der Kasperl ist, das rote aber die klassische Form beibehalten musste.

In Würzburg nun sollte Balthasar Neumann eine Ampel zieren, der große Baumeister, dem die Stadt ein Weltkulturerbe zu verdanken hat. Wie wunderbar wäre es doch, wenn in der Nähe der Residenz ein Balthasar-Ampelmännchen den Weg wiese, meinten zwei CSU-Stadträte. Doch nicht die Regierung von Unterfranken, sondern schon die Stadtratsmehrheit lehnte den Vorschlag ab, offenbar mangels Erfolgsaussichten.

Schade, es wäre interessant gewesen, wer das Bildnis eines Mannes aus dem 18. Jahrhundert, zugegeben mit auffälliger Lockenpracht, auf Anhieb hätte zuordnen können. Womöglich nicht viel mehr als jene, welche die "Richtlinien für Lichtsignalanlagen" erklären können.

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