Süddeutsche Zeitung

Garmisch-Partenkirchen:Tödliche Angriffe auf Schafe - es war wohl doch kein Wolf

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Auf den Almen rund um Garmisch-Partenkirchen sind in diesem Sommer immer wieder Tiere gerissen worden. Nun wurden die Kadaver untersucht - mit einem überraschenden Ergebnis.

Von Christian Sebald

Die Aufregung ist groß unter den Almbauern im Werdenfelser Land, seit sie den ganzen Sommer über immer wieder schwer verletzte oder gar getötete Schafe auf den Bergweiden rund um Garmisch-Partenkirchen entdeckt haben. Die Tiere waren teils grausam zugerichtet worden, sie hatten überall am Körper Bisswunden. Die Verletzungen waren so schwer, dass auch die Schafe, die die Angriffe zunächst überlebt hatten, notgetötet werden mussten.

Die Bauern sind sehr aufgebracht. Für sie stand sofort fest, dass nur ein Wolf der Übeltäter gewesen sein konnte. Womöglich sind es sogar mehrere, die in diesem Sommer auf den Almen herumstreifen, heißt es in der Region. "Es kann nicht sein, dass wir unsere Schafe vorzeitig von den Almen holen müssen, nur damit sie sicher vor dem Wolf sind", sagt der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Sepp Glatz. "Der Freistaat muss jetzt handeln."

In die aufgeheizte Stimmung trifft jetzt die Nachricht, dass es kein Wolf war, der die Schafe getötet hat. Sondern ein wildernder Hund. In einer internen Rundmail an das Netzwerk Große Beutegreifer - an den Personenkreis also, der in Bayern amtlicherseits für die Aufklärung von Übergriffen von Raubtieren zuständig ist - hat das Landesamt für Umwelt (LfU) die Ergebnisse von Gentests an gerissenen Schafen aus dem Werdenfelser Land aufgelistet. Das Ergebnis: In zwei von fünf Fällen war es eindeutig ein Hund, der sich an den Nutztieren vergriffen hat. Im dritten Fall ergaben die Tests sogar zwei Hunde als Täter. Eine Probe in diesem Fall ist allerdings nicht eindeutig und wird deshalb noch einmal mit einem aufwendigeren Verfahren analysiert. Damit soll eruiert werden, ob der Angreifer womöglich ein Wolfshybride war.

Solche Bisswunden sind typisch für wildernde Hunde

Im vierten Fall hatte der Almbauer den Fund seines toten Schafes erst nach drei Tagen gemeldet. Wegen der langen Liegezeit des Kadavers wurde er nicht mehr untersucht. Deshalb bleibt ungeklärt, wie das Tier verendet ist. Und im fünften Fall liegen die Ergebnisse der Gentests noch nicht vor. Aber auch in diesem Fall hat nach bisherigem Stand kein Wolf die Schafe getötet, sondern ein Hund.

Denn wie in den anderen Fällen sind auch in diesem die Verletzungen des Schafs eher untypisch für einen Wolf. Die Raubtiere bringen ihre Opfer in aller Regel mit einem gezielten Biss in die Kehle zur Strecke und öffnen danach deren Bauchhöhle. Die Schafskadaver auf den Garmischer Almen wiesen dagegen laut LfU zahlreiche Verletzungen vor allem an den Hinterläufen auf, wie von einem "unprofessionellen Zupacken von hinten". Solche Bisswunden sind aber typisch für wildernde Hunde.

Umweltminister Thorsten Glauber mahnte angesichts der Befunde zu einem sachlichen Dialog. "Öffentlicher Streit bringt die Sache nicht voran", sagte der FW-Politiker, der in Bayern für den Umgang mit Wölfen zuständig ist. "Wir brauchen gemeinsame Lösungen. Alle Beteiligten sollten sich an einen Tisch setzen." Zugleich versicherte er, dass die Staatsregierung an der Seite der Weidetierhalter stehe. So fordere der Freistaat schon seit geraumer Zeit vom Bund die "Möglichkeit für eine Bestandsregulierung". Wölfe stehen unter strengem Schutz, Abschüsse sind nur in absoluten Ausnahmen möglich, vor allem bei Gefahr für Leib und Leben von Menschen.

Die Almbauern hingehen sind strikt dagegen, dass sich die Raubtiere wieder in den bayerischen Bergen etablieren. Erst unlängst haben zahlreiche Funktionäre des Bauernverbands in einem Brief an Glauber erneut Erleichterungen für Abschüsse verlangt. Dabei haben sie sich auf Markus Söder berufen. Der Ministerpräsident und CSU-Chef hatte kürzlich bekräftigt: "Der Wolf gehört hier nicht her."

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