Hitzewelle im FreistaatHeiß, heißer, Bayern

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Das niederbayerische Dorf Einweging im Bayerischen Wald baut mit Eigenmitteln und in eigener Regie ein Mini-Schwimmbad auf der grünen Wiese.
Das niederbayerische Dorf Einweging im Bayerischen Wald baut mit Eigenmitteln und in eigener Regie ein Mini-Schwimmbad auf der grünen Wiese. (Foto: Johannes Simon)

Bayern schwitzt. Die Menschen im Freistaat suchen Abkühlung am Wasser, viele Büros gleichen finnischen Saunen. Am meisten aber leidet die Natur unter der Hitze und dem fehlenden Regen. Die Bilder.

Es ist heiß und es wird noch heißer. Für Mittwoch erwarten die Meteorologen den heißesten Tag des Jahres. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat seine Warnung vor Hitze verlängert, und zwar in Lagen unterhalb von 600 Metern. Die Meteorologen empfehlen unter anderem, die Sonne zu meiden, Anstrengungen zu vermeiden und ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyte zu sich zu nehmen.

Mit Sonnenschirm oder auf einem Segelboot am Starnberger See: So lässt es sich aushalten.
Mit Sonnenschirm oder auf einem Segelboot am Starnberger See: So lässt es sich aushalten. (Foto: Katrin Requadt/dpa)

Auch vor der erhöhten UV-Strahlung warnen die Meteorologen für den Norden und Osten Bayerns. Zwischen 11 und 16 Uhr sollte man längere Aufenthalte im Freien vermeiden. Auch im Schatten brauche es Sonnencreme, Sonnenbrille, einen breitkrempigen Hut und am besten lange Kleidung.

In den kommenden Tagen könnte das Thermometer unter dem Einfluss von Hochdruckgebiet Bettina in manchen Regionen des Freistaats sogar auf Höchstwerte von bis zu 39 Grad klettern.

In der Früh schon in den Ammersee: Eine Schwimmerin steht am hölzernen Sprungturm des Strandbades in Utting.
In der Früh schon in den Ammersee: Eine Schwimmerin steht am hölzernen Sprungturm des Strandbades in Utting. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Wenn kein Bad oder See in der Nähe ist, tut es zur Not auch der heimische Gartenschlauch.
Wenn kein Bad oder See in der Nähe ist, tut es zur Not auch der heimische Gartenschlauch. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand)

Abkühlung ist jedem bei diesen Temperaturen recht, ob im Freibad, einem Weiher oder schlicht unter dem Gartenschlauch. Doch: Die Wasserwacht zählte allein im Juni mehr als 20 Badetote in Bayern. „Wir sind jetzt bei etwa einem Drittel der Fälle des gesamten Vorjahres“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes. „Das ist schon wirklich alarmierend.“

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Von Franziska Jahn

Viele der Rettungseinsätze seien vermeidbar, sagt die Präsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes, Angelika Schorer, am Wochenende. „Wer baden geht, sollte nicht nur ans Vergnügen denken, sondern auch an die Folgen von Leichtsinn. Jeder kann helfen, indem er Risiken meidet – denn der beste Einsatz ist der, der nicht stattfindet.“ Oft würden die Gefahren bei heißer Luft und kaltem Wasser unterschätzt, ergänzt der BRK-Sprecher.

Auch der Landesvorsitzende der Wasserwacht, Thomas Huber, betont: „Die Wasserwacht ist keine Vollkasko-Versicherung, vieles hat man selbst in der Hand. Daher am besten parallel zum Ufer schwimmen, nie allein schwimmen gehen und eine Boje mit sich führen, an der man sich im Notfall festhalten kann. Kinder sollten nie aus den Augen gelassen werden, auch nicht nach dem Schwimmkurs.“

Ausflügler suchen Abkühlung in dem am Alpenrand gelegenen Illasbergsee.
Ausflügler suchen Abkühlung in dem am Alpenrand gelegenen Illasbergsee. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Aber: Das Wasser birgt immer Gefahren. Darauf weist die Wasserwacht hin.
Aber: Das Wasser birgt immer Gefahren. Darauf weist die Wasserwacht hin. (Foto: Johannes Simon)

So schön das heiße, sonnige Wetter für all jene ist, die unter einem schattigen Baum entspannen können oder die Füße in einen See stellen – es bringt auch negative Seiten mit sich. Weite Teile Bayerns leiden unter Dürre. Rund 95 Prozent der Fließgewässer-Messstellen im Freistaat und 56 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie Quellen zeigen derzeit nur noch „niedrige Verhältnisse“ an.

Die Gersten-Ernte beginnt heuer wegen Hitze und Trockenheit extrem früh.
Die Gersten-Ernte beginnt heuer wegen Hitze und Trockenheit extrem früh. (Foto: Pia Bayer/dpa)
Noch kann sich ein Käfer an den Ähren entlanghangeln.
Noch kann sich ein Käfer an den Ähren entlanghangeln. (Foto: Pia Bayer/dpa)

Auch der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums zeigt auf seinen Karten vielerorts dramatische Werte an – so sind etwa weite Teile Frankens, Schwabens, Niederbayerns und Oberbayerns bereits dunkelrot gefärbt. Dies zeigt eine massive Austrocknung der Bodenschichten. „Unsere Böden sind viel zu trocken, das Grundwasser sinkt weiter ab, Erholung ist nicht in Sicht, daran konnte auch der relativ regenreiche vergangene Sommer nichts ändern“, sagt der Vorsitzende des Bund Naturschutz (BN), Richard Mergner.

Ameisen krabbeln in Bad Staffelstein über den Stängel einer Pflanze, während dahinter die Sonne aufgeht.
Ameisen krabbeln in Bad Staffelstein über den Stängel einer Pflanze, während dahinter die Sonne aufgeht. (Foto: Pia Bayer/dpa)
In Bodelstadt sitzt eine Spinne in ihrem Netz, während die Sonne auf sie herabscheint.
In Bodelstadt sitzt eine Spinne in ihrem Netz, während die Sonne auf sie herabscheint. (Foto: Pia Bayer/dpa)

„Hitzewellen und Dürren durch die Klimakrise sind das neue Normal in Bayern – und der Freistaat ist nur ungenügend darauf vorbereitet. Wir werden in Zukunft massive Wasserknappheit in allen Teilen von Bayern haben, nicht nur im traditionell trockeneren Nordbayern.“

Ursachen für die kritische Wassersituation im Freistaat sind laut BN ein schnelles Ableiten von Wasser durch Drainagen und Flurbereinigung, die Versiegelung oder Verdichtung von Böden sowie die Übernutzung vorhandener Grundwasser- und Oberflächenwasserkörper.

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