Manchmal sollte man sich selbst auf die Brust klopfen. Nicht zu hart natürlich, sonst macht es keinen Spaß und vor allem keine Musik. „Ich benutze keine Drums“, sagt Devado, „für die verschiedenen Instrumente nehme ich meine Stimme.“ Der Schlag aufs Brustbein wird so zum Schlagzeugsound, den die Musikerin Devado anschließend in Dauerschleife durch die Elektronik jagt. Harmonien tönen aus den Lautsprechern und füllen den Saal. Und vielfaches „Hey!“: Mit diesem Ruf untermalt das Publikum Devados Brusttrommeln.

Noch besser würde an diesem Montag im Münchner Literaturhaus vielleicht nur Schulterklopfen passen. Die gut 160 Kinder, Jugendlichen und Lehrkräfte, die statt in die Schule zur Preisverleihung des Blattmacher-Wettbewerbs gefahren sind, dürfen sich nämlich als Bayerns Beste betrachten. Zum 20. Mal haben die Süddeutsche Zeitung, das bayerische Kultusministerium und die Nemetschek Stiftung die besten Schülerzeitungen des Landes ausgezeichnet.

SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren
Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.
Musikalisch – und manchmal klopfend – begleitete Devado alias Debby van Dooren durch die Veranstaltung. Moderiert wurde sie von Anna Günther, Bildungsredakteurin im SZ-Bayernteil, und der ehemaligen Landesschülersprecherin Marlena Thiel. Schülerzeitungen seien „unglaublich wichtig“, sagte Kultusministerin Anna Stolz (FW). Sie selbst habe damals auch bei einer mitgemacht. „Vielleicht sieht man sich ja im Berufsleben wieder“, sagte SZ-Bayernchefin Katja Auer. „Ihr wärt nicht die Ersten, die ihre Karriere bei einer Schülerzeitung begonnen haben.“
Schülerzeitungen spiegeln, was Schüler umtreibt
Mehr als 125 Redaktionen hatten sich in dieser Jubiläums-Runde des Blattmacher-Wettbewerbs beworben. Sich pro Kategorie auf drei Sieger zu beschränken, war angesichts der Qualität der Zeitungen herausfordernd für die Jury. Bei den Grundschulen tat sie sich sogar so schwer, dass sie kurzerhand zwei dritte Plätze kürte. Alle Preisträger ziehen nun in den Bundeswettbewerb weiter, wo sie erfahrungsgemäß gute Chancen auf einen weiteren Sieg haben.

Ihre Ehrung haben sich alle Geehrten schwer verdient. Zum einen, weil Schülerzeitungen oft unter Umständen entstehen, die bei ihren erwachsenen Pendants Betriebsräte protestieren ließen (und tatsächlich wurde an diesem Montag die Zeitungsbranche bestreikt): mithilfe von vielen, vielen Überstunden. Recherchieren, schreiben, illustrieren, layouten oder einen Podcast aufnehmen – das alles erledigen die jungen Journalistinnen und Journalisten häufig in ihrer Freizeit.
Zum anderen sind Schülerzeitungen mehr als mit Herzblut erstellte Textsammlungen. Schülerzeitungen sind ein Spiegel dessen, was Kinder und Jugendliche überall im Land bewegt. Das können Begebenheiten aus dem Unterricht sein, Klassenfahrten oder der Umgang mit Mobbing an der Schule. Das können aber auch Dinge sein, die Gesellschaft und Politik beschäftigen; zum Beispiel die Herausforderungen von künstlicher Intelligenz, Krieg oder Klimawandel. Kinder und Jugendliche bekommen schließlich mit, was in der Welt passiert. Und sie machen sich ihre Gedanken darüber.
Diese Themenvielfalt schlägt sich auch bei den diesjährigen Preisträgern nieder. So widmete sich die Redaktion des Camerjägers (Camerloher-Gymnasium Freising) dem komplexen Begriff Heimat und was jede und jeder persönlich darunter versteht. Die Kunterbunte Schatztruhe (Hans-Bayerlein-Schule Passau) beleuchte Mode von vielen Seiten. Der Rosenheimer konzentrierte sich auf Holz und damit auf eine Welt, die all jenen, die nicht gerade Holztechnik an der Fachschule Rosenheim lernen, vielleicht bisher verschlossen geblieben ist. Und der Nachsitzer (Mittelschule Buchloe) ging mit einflussreichen Frauen der Geschichte auf Zeitreise. Die Begründung der Redaktion: Wer von der Zukunft rede, müsse „auch die Vergangenheit dazu nehmen“.


Die Erstplatzierten gehören für ein Jahr zum Club der Besten
Aufs Brust- beziehungsweise Schulterklopfen bleibt die Blattmacher-Preisverleihung nicht beschränkt. Die Nemetschek Stiftung fördert die Drittplatzierten mit je 200 Euro, die Zweitplatzierten mit je 300 Euro und die Erstplatzierten mit je 500 Euro. „Der Wettbewerb liegt uns ganz besonders am Herzen“, sagte Stiftungsvorständin Ursula Saekel. Schülerzeitungen trügen zur Meinungsbildung bei und seien „gelebte Demokratie“. Die Erstplatzierten müssen zwar für die nächste Runde aussetzen, damit andere die Chance auf die Goldmedaille haben; dafür dürfen sie sich Workshops aussuchen. Dass die sehr gewinnbringend sein können, bestätigte die Mammut-Redaktion (Gymnasium Veitshöchheim): Die Jury lobte ihre Fotos. Das Fotografieren habe man auf einem Blattmacher-Kurs gelernt, sagte ein Redaktionsmitglied: „Alle, die dahingehen: Freut euch! Ihr werdet die Besten sein!“
Neu ist in der 20. Runde, dass es Fortbildung für alle gleich im Anschluss an die Preisverleihung gibt. Dazu verwandelt sich das Literaturhaus zur Seminarfläche. An zehn Stationen scharen sich Grüppchen um die Dozentinnen und Dozenten, die bei Bildungsorganisationen arbeiten, für die SZ schreiben oder prämierte Schülerzeitungen betreuen. Wie beeinflusst künstliche Intelligenz die Recherche? Was gilt es beim Urheberrecht zu beachten? Wie schützt man seine Online-Schülerzeitung vor Hackerangriffen? Um Antworten zu finden, legen die Schülerinnen und Schüler immer wieder selbst Hand an – etwa, indem sie Ideen von gutem Layout mit Stift und Schere auf Papier übersetzen. Und die Foto-Gruppe jagt mit Kamera und Smartphone der perfekten Bildkomposition nach.



Nur die Redaktion der Hummelnews (Mittelschule am Hummelsteiner Weg Nürnberg) muss sich all das vorstellen: Sie befindet sich an diesem Montag auf Schulfahrt. Hoffentlich hat sie sich dort selbst ordentlich auf die Schultern geklopft.
Die Preisträger
Grundschulen
- 1. GSW Kurier, Grundschule Wettstetten
- 2. Goaßnbladl, Grundschule Gmund am Tegernsee
- 3. Tintenklecks, Grundschule an der St. Martin-Straße München
- 3. WUBU Ketchup, Wunderburgschule Bamberg
Mittelschulen
- 1. Hummelnews, Mittelschule am Hummelsteiner Weg Nürnberg
- 2. Wallburg Express, Georg-Göpfert-Mittelschule Eltmann
- 3. Nachsitzer, Mittelschule Buchloe
Förderschulen
- 1. Geflüster, Förderzentrum Notker-Schule Memmingen
- 2. Eastsider, SFZ München-Ost
- 3. Kunterbunte Schatztruhe, Hans-Bayerlein-Schule Passau
Gymnasien
- 1. PEERplus, Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach
- 2. Camerjäger, Camerloher-Gymnasium Freising
- 3. Echo, Gymnasium Wertingen
Realschulen
- 1. ABgeSchrieben, Agnes-Bernauer-Schule Augsburg
- 2. Blackout, Maria-Ward-Realschule Kempten
- 3. Wilhelm tells, Wilhelm-Sattler-Realschule Schweinfurt
Berufliche Schulen
- 1. eigenleben, Klara-Oppenheimer-Schule Würzburg
- 2. Der Rosenheimer, Fachschule Rosenheim
- 3. FOSBOS USH Schülerzeitung, BOS Unterschleißheim
Online
- 1. Mammut, Gymnasium Veitshöchheim
- 2. Blog im Blauen Land, Realschule im Blauen Land Murnau
- 3. Insider, FOS/BOS Ingolstadt

