Stress in der VorweihnachtszeitWas macht Tilman Riemenschneider bei den Sechzgern?

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Tilman Riemenschneider? Nein, Fans beim Weihnachtssingen des TSV 1860 in Giesing.
Tilman Riemenschneider? Nein, Fans beim Weihnachtssingen des TSV 1860 in Giesing. (Foto: Sebastian Beck)

Wenn man vor Weihnachten an sechs Projekten zugleich arbeitet, kommt man schon mal durcheinander. Ein Zustandsbericht aus dem Gehirn eines Journalisten.

Kolumne von Sebastian Beck

Die folgenden Zeilen erblicken unter größter seelischer und körperlicher Pein das Licht der Öffentlichkeit. Der Autor wird danach weinend zum CD-Player kriechen und das Weihnachtsoratorium in der Fassung von Nikolaus Harnoncourt im Wiener Musikverein 2007 einschieben. Zeitungsleser haben ja keinerlei Vorstellung davon, was die Adventszeit für einen Journalisten bedeutet. Wenn man insgesamt an sechs Projekten gleichzeitig arbeitet und alles auch noch zur gleichen Zeit fertig werden soll. Wie soll man das auf die Reihe bekommen?

Das Hirn ist leider nicht so konstruiert wie die Münchner Stadtbibliothek. Da hat jedes Buch seine Nummer und seinen Titel. Will man beispielsweise wissen, was Hans Staden im Jahr 1555 als Gefangener der Kannibalen in Brasilien erlebte, bestellt man sich das Buch mit der Nummer 1411010000. Fertig.

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Das Hirn dagegen besteht aus neuronalen Verbindungen und nicht aus Katalogeintragungen. Die Nervenzellen funken dauernd hin und her, manchmal drängt sich sogar der Verdacht auf, dass sie miteinander Späße treiben. Fragt beispielsweise der Präfrontale Cortex – also gewissermaßen der Newsdesk – unten im Limbischen System an, wo der Organismus Beck/121164 am vergangenen Sonntag auf Termin unterwegs war, dann erhält er Antworten wie diese: in Niederfranken oder vielleicht auch in der Unterpfalz. Und was hat er da gemacht? Er hat Öl nachgefüllt im Auto. Und was noch, na? Er hat in Rothenburg ob der Tauber was zu Tilman Spengler oder auch Tilman Riemenschneider recherchiert. Und wer ist Riemenschneider? Er hat das Weihnachtsmenü für die SZ geschnitzt.

So kann man wirklich nicht arbeiten, schließlich gibt es eine journalistische Sorgfaltspflicht. Nachts schläft man schlecht und träumt von einer numinosen Chefredakteursgestalt, die einen anbrüllt: Haben Sie geschrieben, dass Tilman Riemenschneider im Spiel TSV 1860 gegen Verl eine Rote Karte erhalten hat? Oder noch schlimmer: Man bekommt den auf Schreibmaschine getippten Brief einer Abonnentin, wonach sie seit 23. Juni 1965 keinen solchen Mist mehr in der Zeitung gelesen habe.

Also, durchhalten! Höchste Konzentration! Null Fehler! Wenigstens das Interview mit Luitpold Prinz von Bayern ist schon mal im Kasten. Kontrollfrage an die Limbianer: Wer ist der Mann? Antwort: Glasbläser in Waldsassen, Trainer bei Sechzig oder vielleicht auch der Cousin von Tilman Riemenschneider.

So, und jetzt zum CD-Player. Lasset das Zagen, verbannet die Klage, Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an! In vier Tagen kommt das Christkind.

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