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Debatte um Tönnies:Glauber für Schlachtung auf der Weide

Angesichts der Corona-Masseninfektionen in einer Fleischfabrik des Marktführers Tönnies im westfälischen Rheda-Wiedenbrück hat sich Bayerns Umwelt- und Verbraucherminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) für die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe bei der Schlachtung ausgesprochen. "Die Corona-Krise macht die Missstände in der massenhaften industriellen Fleischproduktion überdeutlich", sagte Glauber, der Kraft Amtes für die Überwachung der Schlachthöfe in Bayern zuständig ist. "Und zwar nicht nur bei den Arbeits- und Gesundheitsbedingungen. Sondern auch bei der Schlachtung der Tiere."

Als Beispiel für Alternativen zur industriellen Fleischproduktion nannte Glauber die Weideschlachtung, die Bayern per Bundesratsinitiative befördert hat. Dabei töten die Tierhalter die Rinder, Schweine, Schafe oder Ziegen, die sie im Freien halten, mit einem gezielten Kopfschuss direkt auf der Weide. Danach werden die Nutztiere zu einem Metzger gebracht und dort weiterverarbeitet. Für Glauber steht die Weideschlachtung für mehr Tierwohl. Denn die Tiere bleiben in ihrer vertrauten Umgebung, lange stressige Transporte zu den Schlachthöfen entfallen. Aber auch für die "regionale Wertschöpfung" biete die Weideschlachtung neue Perspektiven. Allerdings müssten die Verbraucher bereit sein, "für so ein hochwertiges Fleisch mehr zu bezahlen". So wie auch über bessere Arbeits- und Gesundheitsbedingungen in der übrigen Fleischindustrie an der Ladentheke entschieden werde. Glauber unterstützt die Vorstöße für strengere Vorgaben für Fleischfabriken. Er nannte es "dringend notwendig, hier wirklich Standards, Kontrollen und aber auch Vertragssituationen zu schaffen, damit wir diese Form der Arbeitsbedingungen nicht mehr haben".

Die Schließung des Tönnies-Werks in Rheda-Wiedenbrück, in dem mehr als 1300 Arbeiter positiv auf Corona getestet worden sind, hat offenbar auch auf Bayern Auswirkungen. Laut BR sind die Tönnies-Schlachthöfe in Bamberg und Kempten zu. Aber nicht, weil dort Mitarbeiter mit Corona infiziert sind. Sondern weil dort nur geschlachtet wird, danach werde das Fleisch zur Weiterverarbeitung nach Rheda-Wiedenbrück gebracht. Da dieses Werk geschlossen sei, habe man die Schlachtungen in Bayern gestoppt.

© SZ vom 23.06.2020 / cws, dpa
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