KatastrophenvorsorgeWarntag in Bayern weitgehend problemlos – aber nicht überall

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Innenminister Joachim Herrmann erhofft sich von der neuen Bundesregierung mehr Geld für den Sirenen-Ausbau.
Innenminister Joachim Herrmann erhofft sich von der neuen Bundesregierung mehr Geld für den Sirenen-Ausbau. Julian Stratenschulte/dpa

Inzwischen haben sich viele Menschen daran gewöhnt: Zwei Mal im Jahr schrillen in Bayern Handys, Sirenen heulen auf und Anzeigentafeln warnen. In Oberfranken gab es einen lautstarken Zwischenfall.

Blickende Handys und heulende Sirenen: Beim Probealarm am Warntag haben die Systeme laut bayerischem Innenministerium weitgehend ohne Probleme funktioniert – mit einer lautstarken Ausnahme. In Teilen Oberfrankens hörte das Sirenengeheul nicht wie geplant nach einer Minute auf, sondern ging noch einige Zeit weiter.

Das Innenministerium sprach von etwa 100 Sirenen, die etwa 15 Minuten lautstark Alarm schlugen. Ein Sprecher der Integrierten Leitstelle (ILS) Coburg schätzte die Dauer auf 30 bis 45 Minuten und die Zahl der betroffenen Sirenen auf rund 250. Grund dafür sei offensichtlich ein Programmierfehler gewesen, sagte der Sprecher der ILS Coburg der Deutschen Presse-Agentur. Schließlich hätten Einsatzkräfte jede einzelne Sirene manuell abgeschaltet. Bei einigen habe man den Strom abgestellt, um die lautstarken Signale zu stoppen.

„Wir werden uns die Ursachen vor Ort detailliert anschauen und mögliche technische Fehler für die Zukunft abstellen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). „Insgesamt hat der Probealarm gezeigt, dass wir im Ernstfall mit unserem vielfältigen Warnmittel-Mix die Bevölkerung im Freistaat rasch und zuverlässig warnen können.“

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Wie auch in einigen anderen Bundesländern wurde am Donnerstag die Bevölkerung im Freistaat probeweise gewarnt. Mancherorts heulten die Sirenen, die Bezirksregierungen lösten zeitlich versetzt ab 11 Uhr aber auch einen Probealarm über die gängigen Warn-Apps wie Nina oder Katwarn sowie über Cell Broadcast aus. Mit diesem Mobilfunkdienst werden Warnnachrichten direkt auf das Handy gesendet, ohne dass eine eigene App dafür nötig ist.

Mit einem schrillen Ton blinkte dadurch auf den Displays von Millionen Smartphones in Bayern eine rote Warnmeldung auf, die von einer Entwarnung gefolgt wurde. Auch auf Anzeigentafeln in Innenstädten, auf Bahnhöfen oder im öffentlichen Warnverkehr ploppten die Warnungen auf.

Warntage gibt es inzwischen regelmäßig. Dieses Mal wurde eine Neuerung getestet: Neben dem einminütigen, auf- und abschwellenden Warnton der Sirenen, der die Bevölkerung bei schwerwiegenden Gefahren zum Einschalten der Radios veranlassen soll, kam erstmals auch ein ebenfalls einminütiger, aber durchgehend gleichbleibender Heulton für die Entwarnung zum Einsatz.

Bayern sei beim Bevölkerungsschutz gut aufgestellt, teilte das Innenministerium mit. Für den Katastrophenschutz habe man in den vergangenen Jahren immer mehr Geld bereitgestellt, im jüngsten Doppelhaushalt für die Jahre 2024 und 2025 waren es demnach 90 Millionen Euro. Dennoch müsse insbesondere in den Ausbau der Sireneninfrastruktur weiter kräftig investiert werden. Herrmann sagte, er hoffe, dass die künftige Bundesregierung bald neues Geld aus Berlin zum Sirenen-Ausbau zur Verfügung stelle.

Bei Bevölkerungswarnungen gibt es in drei Warnstufen

Denn in Bayern gibt es bei Weitem nicht in allen Kommunen fest montierte Sirenen: Landesweit existieren inzwischen gut 10 000. Im vergangenen Jahr waren rund 350 hinzugekommen, wie eine Anfrage der Landtags-Grünen ergab. Viel zu wenig findet deren zuständiger Sprecher Florian Siekmann. Nötig sind laut Staatsregierung rund 20 000 Sirenen, aktuell ist in keinem einzigen Landkreis eine flächendeckende Warnung mit Sirenen sichergestellt. Bleibt das Tempo beim Ausbau gleich, wird es den Grünen zufolge etwa 30 Jahre dauern, bis alle notwendigen Sirenen im Freistaat installiert sein werden.

Bei Bevölkerungswarnungen gibt es in drei Warnstufen: Gefahrinformation, Gefahr und extreme Gefahr. Im tatsächlichen Gefahrenfall, etwa bei Katastrophen, aber auch im Verteidigungsfall, soll der Alarm die Bevölkerung veranlassen, ihre Rundfunkgeräte einzuschalten und auf Durchsagen zu achten.

In Bayern gibt es zwei Probealarme pro Jahr: jeweils am zweiten Donnerstag im März und beim bundesweiten Warntag am zweiten Donnerstag im September. Der jüngste zurückliegende Testdurchlauf war laut Herrmann ebenfalls weitgehend störungsfrei verlaufen.

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