Forstwirtschaft:Die Retter des Waldes

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Forstwirtschaft: Die Roteiche, die aus Nordamerika stammt, hat ihren Namen vom rötlich-braunen Kernholz, junge Exemplare färben ihr Laub im Herbst rot.

Die Roteiche, die aus Nordamerika stammt, hat ihren Namen vom rötlich-braunen Kernholz, junge Exemplare färben ihr Laub im Herbst rot.

(Foto: imago)

Weit verbreitete Bäume wie Fichte und Kiefer vertragen Hitze und Trockenheit nur schlecht. Helfen sollen Zukunftsarten.

Von Christian Sebald, Freising

Die Roteiche (Quercus rubra) stammt aus dem östlichen Nordamerika und ist eine schnellwüchsige und mächtige Baumart. Sie kann Höhen bis zu 35 Meter und bis zu zwei Meter Stammdurchmesser erreichen. Ihre gezackten Blätter sind eher oval, bei jungen Roteichen färben sie sich im Herbst prächtig rot, bei älteren Exemplaren eher bräunlich. Ihren Namen hat die Roteiche von ihrem rötlich-braunen Kernholz, das etwas schwieriger zu verarbeiten ist als das der heimischen Eichen.

Aber die Roteiche hat einen großen Vorteil: Sie kommt mit Trockenheit und Hitze gut zurecht, und erträgt außerdem ausgesprochen kalte Temperaturen. In Zeiten der Klimakrise kann die Roteiche dank dieser Eigenschaften praktisch überall in Bayern angebaut werden, außer in den Bergen. Die Experten an der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) halten sie denn auch für eine gute Wahl, wenn es darum geht, Fichten- oder Kieferforste in Mischwälder umzubauen, die der Klimakrise trotzen. Bislang kommen Roteichen nur sehr vereinzelt in Bayern vor, die meisten stehen in Mittelfranken.

Die Roteiche ist längst nicht der einzige Zukunftsbaum, den die LWF den Waldbesitzern im Freistaat empfiehlt. Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) und LWF-Chef Peter Pröbstle haben jetzt die zweite "Praxishilfe Klima - Boden - Baumartenwahl" präsentiert. Außer der Roteiche werden darin 15 weitere Baumarten beschrieben, denen die Wissenschaftler eine Zukunft geben in Zeiten der Klimakrise. Unter ihnen sind Exoten wie Japanische Lärche oder die Zerreiche, die in Italien und im östlichen Mittelmeerraum beheimatet ist.

Die Experten werben aber auch für heimische Baumarten, auf die Förster und Waldbesitzer bisher wenig Wert gelegt haben, und die deshalb in Bayern selten anzutreffen sind. Die Elsbeere und der Speierling sind zwei Beispiele. Zusammen mit dem Vorgängerband vom vergangenen Jahr addieren sich die Empfehlungen der LWF inzwischen auf 32 Baumarten.

"Die Anpassung der Wälder an den rasanten Klimawandel ist eine Mammutaufgabe"

Die sind aber auch nötig. Denn die Klimakrise ist eine gewaltige Herausforderung für die Waldbesitzer in Bayern. Schon lange ist klar, dass die beiden Hauptbaumarten in den bayerischen Wäldern - die Fichte mit einem Anteil von 44 Prozent und die Kiefer mit 19 Prozent Anteil - in vielen Regionen keine Zukunft haben. Die Fichte, die von Natur aus in kühlen Gegenden und im Gebirge wächst, kommt mit den immer wärmeren Temperaturen nicht zurecht. Ein Übriges tut der Borkenkäfer, der vor allem in Franken und im Bayerischen Wald geschwächte Fichten zuhauf dahinrafft.

Die Kiefer, von der viele Forstleute dachten, dass sie den immer häufigeren Trockenheitsperiode trotzen kann, hat in den beiden vergangenen Jahren an den kurzen, aber heftigen Hitzeperioden mit Temperaturspitzen von 40 Grad gelitten. In Teilen Frankens, aber auch in der Oberpfalz sind Kiefernwälder regelrecht vertrocknet und verbrannt. "Die Anpassung der Wälder an den rasanten Klimawandel ist eine Mammutaufgabe", sagt denn auch Kaniber.

An der LWF raten sie den Waldbesitzern, auf keinen Fall mehr auf nur eine Baumart zu setzen. Sondern am besten auf vier oder fünf. Und dazu auf einen möglichst strukturreichen Wald. Darunter verstehen die Experten dicke und dünne Bäume, alte und junge und eben viele verschiedene Arten im gleichen Wald. Der Fachbegriff dafür lautet "Risikostreuung". Die Botschaft kommt offenbar an. Zumindest sind die Praxishilfen mit den Baumarten-Empfehlungen "unsere erfolgreichsten Publikationen seit Langem", heißt es an der Landesanstalt.

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