Am Rande des fränkischen Spessarts befindet sich etwas deutschlandweit Einmaliges: eine sogenannte Technikerschule für Waldwirtschaft. Hier können sich Forstwirte zum Forsttechniker weiterbilden oder ihren Forstwirtschaftsmeister machen. Und die Nachfrage ist enorm. Auf die eigentlich nur 20 Plätze der aktuellen Meistervorbereitung bewarben sich 85 Menschen. „Die Absolventen werden uns aus den Händen gerissen“, sagt Schulleiter Christof Welzenbach.
Gründe für die hohe Nachfrage bei Schülern wie Arbeitgebern gibt es laut Welzenbach gleich drei: Die Boomer-Generation geht in Rente und viele Stellen würden frei. Der Wald habe als Erholungsort seit der Corona-Pandemie enorm an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen. Und der Klimawandel erfordere, dass man sich verstärkt um den Wald kümmere. „Die Absolventen haben daher beste Berufsaussichten“, so Welzenbach.

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Während Forstwirte – auch Waldarbeiter genannt – vorwiegend praktisch tätig sind, übernehmen Forsttechniker vermehrt Verwaltungs- und Leitungsaufgaben. Sie können als Förster arbeiten – in der Regel in privaten oder kommunalen Wäldern – oder bei Verbänden oder im Holzhandel tätig sein. Forstwirtschaftsmeister sind unter anderem für die Ausbildung künftiger Forstwirte nötig. Während Forstwirt ein klassischer dreijähriger Ausbildungsberuf ist, der gleich nach der allgemeinbildenden Schule erfolgen kann, ist die Techniker-Fachschule eine Weiterbildung, für die bereits Berufserfahrung nötig ist.
Wer an Förster und andere Waldarbeiter denkt, hat vermutlich sofort Bilder von grünen Bäumen vorm inneren Auge und den Duft frischer Waldluft in der Nase. Doch die Arbeit als Forstexperte bedeutet viel Bürotätigkeit. Die Auszubildenden im unterfränkischen Lohr am Main üben sich daher nicht nur an Motorsäge, Jagen und Baumvermessung, sondern büffeln vor allem Theorie, unter anderem zu Arbeitssicherheit, Tarifrecht, Naturschutz, BWL und Mitarbeiterführung. Zudem lernen sie mit speziellen Apps und IT-Systemen umzugehen. „Gerade in der Digitalisierung hat sich viel getan“, erzählt Ausbilder Jonas Herrmann, der früher selbst Schüler der Schule war.
Die Ausbildungsinhalte sind nicht nur vielfältig, sondern auch detailliert. „Ich bin überrascht, wie tief wir in die verschiedenen Themen eintauchen“, erzählt der 34-jährige Schüler Asim Korkut aus Baden-Württemberg. Wie seine Kollegen arbeitet er schon als Forstwirt in einem Privatwald.

Trotz Theorie gibt es auch Praxis im Wald in Nähe der Schule. Die Ausbildungsgruppe von Korkut hat gerade eine Eichen-Pflanzung begutachtet und geschaut, wie gut die Bäume wachsen. Zudem nehmen die Azubis auf Wunsch an Europäischen Meisterschaften wie Motorsägen-Wettkämpfen teil oder lernen Jagdhorn-Blasen.
Forsttechniker ist allerdings nur eines von mehreren Berufsbildern im Wald. Das Schulgebäude in Lohr am Main beherbergt daher gleich zwei Schulen, die zusammen vier verschiedene Lehrgänge anbieten: zum einen die Technikerschule, an der sich Forstwirte zum Forsttechniker oder zum Forstwirtschaftsmeister weiterbilden lassen können. Zum anderen eine Forstschule, an der sich Hochschulabsolventen auf Tätigkeiten im Staatsdienst vorbereiten, das heißt vor allem bei den Staatsforsten oder bei den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Die Schüler der Forstschule sind entweder Anwärter für den gehobenen Dienst oder auf höherer Leitungsebene Referendare für den höheren Dienst.
Dass die Technikerausbildung deutschlandweit einmalig ist, hat historische Gründe. „In den 1980er-Jahren ist das Berufsbild des Forstwartes in Deutschland ausgelaufen“, erzählt Schulleiter Welzenbach. Bayern habe als waldreiches Bundesland daraufhin die regelmäßige Technikerausbildung eingeführt, aus deren Absolventen sich auch andere Bundesländer bedienten. Die erste forstliche Ausbildungsstätte in Lohr wurde bereits 1888 gegründet. Die Technikerschule ist seit 1981 in Betrieb.

