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Niederbayern:Die Vogelgrippe erreicht Bayern

Geflügelpest

Im Jahr 2007 entwickelte sich die Vogelgrippe zu einem großen Problem in Bayern. Damals wurde zum Beispiel ein "Sperrbezirk" am Ismaninger Speichersee bei München eingerichtet.

(Foto: dpa)

Im Landkreis Passau wird bei mehreren Wildenten die Geflügelpest nachgewiesen, Nutztiere müssen nun in den Stall. Halter und Züchter rechnen mit einem größeren Ausbruch der Seuche.

Bei mehreren Wildenten im Landkreis Passau ist die Geflügelpest nachgewiesen worden. Es sind die ersten bestätigten Fälle der Tierseuche diesen Herbst in Bayern, wie das Umweltministerium am Freitag mitteilte. Die Enten seien am Donnerstag im Rahmen des bayerischen Wildtiermonitorings bei Bad Füssing getötet und untersucht worden. Laut Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft wurde der Erreger H5N8 bei zehn Stockenten nachgewiesen.

Geflügelhalter werden nun angehalten, ihre Tiere vor Kontakt mit Wildvögeln zu schützen. Im Landkreis Rottal-Inn und in großen Teilen des Landkreises Passau werde nun eine Stallpflicht für Geflügel angeordnet, hieß es aus dem Ministerium. Die Geflügelpest tritt seit Ende Oktober verstärkt in Deutschland auf. Der erste Fall in einer Nutztierhaltung in diesem Herbst wurde in einer kleinen Hühnerhaltung auf der nordfriesischen Hallig Oland (Schleswig-Holstein) nachgewiesen. Zuvor war der Erreger H5N8 bei mehreren Wildvögeln in Norddeutschland aufgetreten.

Die bayerischen Halter und Züchter rechnen nun mit einem größeren Ausbruch der Seuche. "Ich denke, das wird bei weitem nicht der letzte Fall in Bayern sein", sagte Annika Nottensteiner von der Geschäftsführung des Landesverbands der Geflügelwirtschaft. "Das Pestgeschehen in Norddeutschland ist zumindest dramatisch." Von einer "Hiobsbotschaft" sprach Markus Drexler vom Bayerischen Bauernverband. "Die Agrarmärkte beim Geflügel liegen wegen der Corona-Krise ohnehin schon am Boden." Im Sommer sei die Nachfrage an Geflügel infolge der abgesagten Volksfeste stark eingebrochen. Auch mit Bestellungen vor den anstehenden Feiertagen hielten sich bisher viele zurück - aus Unsicherheit, ob sie Weihnachten dieses Jahr überhaupt wie gewohnt feiern können.

Die Stallpflicht gilt von kommender Woche an für Gewerbebetriebe ebenso wie für Züchter und Privatpersonen, die Geflügel halten. Für die Umsetzung und die Kontrollen sind die jeweiligen Landratsämter zuständig. Wo sie angeordnet wird, entscheidet sich laut Umweltministerium unter anderem danach, wo es bekannte Sammelplätze von durchziehenden Wildvögeln gibt oder auch Rast- und Ruheplätze an Gewässern. Er wisse, welche Herausforderungen die Stallpflicht mit sich bringe, sagte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Zeitlich begrenzt brauche es sie aber zum "bestmöglichen Schutz für das Haus- und Nutzgeflügel". Dieses dürfe nicht in Kontakt zu Wildvögeln kommen.

Die Infektionskrankheit, die auch Vogelgrippe genannt wird, kommt vor allem bei Wasservögeln und anderen Vögeln vor. Bei Hühnern und Puten werden die höchsten Erkrankungs- und Sterberaten beobachtet - teilweise bis zu 100 Prozent. Bei intensivem Kontakt können sich auch Menschen anstecken. Eine Übertragung über infizierte Lebensmittel gilt aber als unwahrscheinlich. Die Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche und wird daher staatlich bekämpft.

© SZ.de / dpa/kast/van/amm
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