Report der Bayerischen VerwaltungsschuleDigitale Amtsstuben? Ja, aber!

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Ob persönlich, telefonisch oder online: Grundsätzlich ist eine deutliche Mehrheit der Befragten zufrieden mit ihrem Kontakt zur Gemeindeverwaltung. Szene aus dem Münchner Kreisverwaltungsreferat.
Ob persönlich, telefonisch oder online: Grundsätzlich ist eine deutliche Mehrheit der Befragten zufrieden mit ihrem Kontakt zur Gemeindeverwaltung. Szene aus dem Münchner Kreisverwaltungsreferat. Foto: Alessandra Schellnegger
  • Eine Umfrage der Bayerischen Verwaltungsschule zeigt, dass 70 Prozent der Bayern die Digitalisierung in der Verwaltung positiv sehen und zwei Drittel ihre Anliegen online erledigen möchten.
  • Fast zwei Drittel der Befragten wissen oft nicht, wie politische Entscheidungen in ihrer Gemeinde zustande kommen, wobei jüngere Menschen dieses Informationsdefizit stärker empfinden als Ältere.
  • Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz befürworten 59 Prozent deren Nutzung für automatische Formularbearbeitung. Aber drei Viertel fordern vollständige Information über jeden KI-Einsatz.
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In einer Umfrage wünschen sich gut zwei Drittel der Menschen, ihre Anliegen im Rathaus so weit wie möglich online erledigen zu können. Andere fühlen sich schon jetzt überfordert von der Digitalisierung. Auch die künstliche Intelligenz weckt Wünsche wie Bedenken.

Von Johann Osel

Welche Erwartungen haben die Menschen in Bayern an die Verwaltung in ihren Städten und Gemeinden? Fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) geben in einer Umfrage der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS) an: Sie wüssten oft gar nicht, wie es zu den politischen Entscheidungen in ihrer Gemeinde kommt; obwohl ihr Leben ja in der Regel direkt davon betroffen ist. Jüngere empfinden dieses Defizit an Informationen noch stärker (69 Prozent) als etwa Personen im Rentenalter (55 Prozent).

Neben der Umfrage wurden für den Report der BVS anonymisiert Stimmen von Kommunalpolitikern eingeholt. Ein schwäbischer Bürgermeister lässt sich dazu so zitieren: „Wenn die Bürger wissen, wie eine Entscheidung zustande gekommen ist, gibt es viel weniger Gerüchte.“ Vorstöße einzelner Verwaltungen für einen modernen Dialog mit den Bürgern, etwa über strategische Präsenz in sozialen Netzwerken oder Erklär-Videos nach Stadtratssitzungen, würden in der Regel sehr gut aufgenommen, berichten weitere Bürgermeister.

Kommunikation und Transparenz als „Kernherausforderung“ für die Arbeit der Kommunen – so lautet ein zentrales Ergebnis des BVS-Stimmungsbarometers 2026, das diese Woche veröffentlicht wird. Schwerpunkt ist dabei die fortschreitende Digitalisierung. Für den Report wurden 1000 wahlberechtigte Personen befragt, verteilt über Städte verschiedener Größe und den ländlichen Raum in allen Regierungsbezirken. Die Befragung fand bereits vor den Kommunalwahlen im März statt. Sie soll laut den Machern Erkenntnisse bringen, wie sich die Verwaltungen angesichts des demografischen Wandels, der Digitalisierung und der „gestiegenen Erwartungen in der Bevölkerung“ für die Zukunft aufstellen.

Die Verwaltungsschule, Bildungsdienstleister für den öffentlichen Dienst in Bayern, wird unter anderem vom Freistaat und den Gemeinden getragen. Man erhofft sich vom Report Impulse für das eigene Angebot, aber auch für die öffentliche Debatte. BVS-Vorstand Hans-Christian Witthauer sagt zu den Ergebnissen: „Bürgerinnen und Bürger wollen keine Verwaltung, die über sie entscheidet – sie wollen eine Verwaltung, die mit ihnen kommuniziert.“

Hans-Christian Witthauer, Vorstand der Bayerischen Verwaltungsschule.
Hans-Christian Witthauer, Vorstand der Bayerischen Verwaltungsschule. Foto: BVS/Philipp Gülland

70 Prozent der Befragten stehen der Digitalisierung in der Verwaltung positiv gegenüber; dies nimmt mit steigendem Alter ab, doch selbst bei Menschen über 65 Jahren äußert sich noch eine Mehrheit positiv. Jeder fünfte Befragte gibt an, digitale Angebote seiner Gemeinde bereits sehr oft oder oft zu nutzen. 62 Prozent bezeichnen sich als Gelegenheitsnutzer. Dabei wünschen sich gut zwei Drittel aller Befragten, ihre Anliegen so weit wie möglich online erledigen zu können. Und 51 Prozent fordern konkret, dass ihre Gemeinde deutlich mehr digitale Dienste anbietet. Am höchsten ist die Zustimmung bei Beschäftigten in Vollzeit (56 Prozent) und Selbständigen (62 Prozent); „wahrscheinlich aufgrund eingeschränkter zeitlicher Kapazitäten“, heißt es im Report.

Generell berichteten sechs von zehn Befragten, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal aktiv Kontakt zu ihrer Verwaltung aufgenommen zu haben, sei es telefonisch, persönlich oder online. Und 58 Prozent zeigen sich mit den dabei gemachten Erfahrungen zufrieden, 31 Prozent sogar sehr zufrieden, nur elf Prozent sind unzufrieden. „Die Grundlage ist solide“, stellt der Report fest. Jedoch beklagen auch viele Befragte, dass verfügbare Termine und Öffnungszeiten es für sie schwierig machten, ihre Anliegen zu erledigen – was für einen Ausbau des digitalen Services spricht. Allerdings: Fast ein Viertel der Befragten fühlt sich schon mit bisherigen digitalen Behördendiensten „überfordert“. Hier zeigt sich besonders ein Gefälle zwischen den Generationen. Das bietet letztlich wohl auch Raum für kontroverse Debatten.

Unter anderem durch ein Digitalgesetz seit dem Jahr 2022 hat die Staatsregierung einen Rahmen geschaffen, der Gemeinden anhält, geeignete Leistungen wie Anträge digital anzubieten. Das Digitalministerium unter Führung von Fabian Mehring (Freie Wähler) wertet in einer Online-Karte laufend aus, wie viele Verfahren in einzelnen Kommunen digital möglich sind. Mehring macht sich sogar für ein Ablaufdatum analoger Verwaltung stark, im Jahr 2030. Ausschließlich digitale Leistungen, teilte er erst kürzlich mit, seien kein „Hirngespinst“. Angesichts von Bürokratie, Demografie und angespannter Haushaltslage könne man es sich „schlicht nicht länger leisten, Arbeitskraft, Effizienz und Steuergeld in analogen Doppelstrukturen zu verlieren“.

„Ich möchte endlich eine digitale Rendite sehen“, sagt ein Bürgermeister.

Ein Zukunftsaspekt ist zudem der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Verwaltung. Das Finanzministerium ist zuständig für die staatlichen Rechenzentren und KI-Infrastruktur, es stellt den Kommunen Leitfäden für einen „verantwortungsbewussten und effektiven“ Einsatz bereit. 59 Prozent der im BVS-Report befragten Bürgerinnen und Bürger befürworten den Einsatz von KI etwa zur automatischen Bearbeitung von Formularen.

Es gibt aber Bedenken: Dreiviertel der Befragten erwarten, dass die Behörden unbedingt über jeden Einsatz von KI informieren sollen. Gut die Hälfte aller Befragten treibt die Sorge um, sich irgendwann nur noch auf KI in den Ämtern „verlassen“ zu müssen. BVS-Vorstand Witthauer mahnt: „Wer KI in der Verwaltung einführt, ohne zu erklären, warum und wie, verspielt genau das Vertrauen, das er damit eigentlich gewinnen will. Transparenz ist keine Kür – sie ist die Grundvoraussetzung.“

Einem Bürgermeister aus Oberbayern schwebt dieses Szenario vor: „Der digitale Bauantrag soll von KI geprüft werden – der Sachbearbeiter schaut dann nur noch drüber und entscheidet.“ Die möglichen Vorteile der „Schlüsseltechnologie“ sehen alle befragten Kommunalpolitiker. Sie kritisieren aber einen „Flickenteppich“ bei Angebot und Standards. Das gilt als ein Grundsatzproblem der Digitalisierung in der Verwaltung. Ein Amtsträger aus der Oberpfalz formuliert es so: „Ich möchte endlich eine digitale Rendite sehen. Bisher sparen wir weder Zeit noch Personal.“

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