Stundenlange Schneefälle haben den Start in die neue Woche vielerorts durcheinandergewirbelt. Während sich Tausende Schüler in Franken über geschlossene Schulen freuten, ärgerten sich Pendler über ausgefallene Busse und Stadtbahnen. Mancherorts war keine Müllabfuhr möglich, Zoos blieben geschlossen.
Bei der Deutschen Bahn gab es im Fernverkehr gelegentlich Probleme durch Störungen etwa in Baden-Württemberg, an den Flughäfen verlief der Betrieb hingegen weitgehend nach Plan. Auf den Straßen registrierte die Polizei Hunderte Unfälle, es blieb jedoch zumeist bei Leichtverletzten und Blechschäden. Mancherorts staute sich der Verkehr stundenlang.
In Bayreuth wurde die Dreifach-Turnhalle des Sportzentrums gesperrt. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, handelt es sich hierbei um eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Schneemassen auf dem Hallendach. In Schwaben nutzten 15 Pferde das Winterwetter für einen Ausflug. Nach und nach versuchten Helfer später, die bei Waldstetten ausgebüxten Tiere wieder einzufangen.


Verschneite und vereiste Straßen
Vor allem in den drei fränkischen Regierungsbezirken hatte es seit Sonntagabend kräftig geschneit. In Mittelfranken wurden bei Glätteunfällen mehrere Menschen verletzt. Teils wurden Autobahnen stundenlang gesperrt.
Auf der Autobahn 6 rutschte ein Lastwagen in eine Böschung und kippte um. Auf der A9 zwischen Nürnberg-Ost und dem Autobahndreieck Feucht überschlug sich ein Autofahrer mit seinem Wagen. In Happurg kam ein Wagen von der Straße ab und rutschte in den Vorgarten einer Kirche.
Der Schneefall erschwerte vor allem in Unterfranken das Fahren. Die Polizei registrierte von Sonntagabend 19 Uhr bis in die Morgenstunden rund 200 Einsätze, davon etwa 90 Unfälle. Meistens handelte es sich um liegengebliebene Fahrzeuge auf den Autobahnen und um Unfälle, bei denen Autos von der Straße abkamen. Es gab einige Leichtverletzte.


In Oberfranken wurde in der Nacht die A72 bei Hof teilweise gesperrt. Zwischen den Anschlussstellen Hof-Töpen und Hof-Nord war die Fahrbahn in Richtung A9 blockiert, nachdem ein mit Leergut beladener Lastwagen auf schneeglatter Fahrbahn ins Rutschen geraten war. Ein nachfolgender Lkw fuhr auf. Beide Fahrer wurden verletzt. Trümmer und Ladung blockierten die Fahrbahn. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 100 000 Euro. Auch im Großraum München krachte es vielfach.
49 Unfälle sind laut Polizei zwischen Sonntagabend und Montagfrüh wegen Glätte in der Oberpfalz passiert. Ein Mensch hat bei einem Unfall lebensgefährliche Verletzungen erlitten, sagte ein Polizeisprecher. Sieben Fahrzeuge seien liegen geblieben.
Im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz ist ein Tiertransporter auf der Autobahn 3 Richtung Nürnberg auf ein Auto aufgefahren. Bei dem 47 Jahre alten Fahrer des Autos bestehe Lebensgefahr, sagte ein Polizeisprecher. Seine 18 Jahre alte Beifahrerin habe sich bei dem Zusammenstoß bei Velburg mittelschwer verletzt. Das Auto sei ohne Beleuchtung auf der rechten Spur gestanden, hieß es.
Der 55 Jahre alte Lkw-Fahrer konnte demnach nicht ausweichen und stieß gegen den Wagen. Die Schweine, die der 55-Jährige transportierte, hätten sich dabei nicht verletzt. Ein Gutachter sei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft vor Ort gewesen. Weil die Umleitungsstraßen verschneit gewesen seien, sei der Verkehr links an der Unfallstelle bei Velburg vorbeigeleitet worden, so die Sprecherin. Ihr zufolge staute sich der Verkehr ein bis zwei Anschlussstellen zurück.
Nahverkehr eingeschränkt
Die Deutsche Bahn meldete für den Raum Nürnberg witterungsbedingte Verspätungen und Ausfälle im S-Bahn-Verkehr. Die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) stellte am Morgen den öffentlichen Nahverkehr in der Mainstadt ein – den ganzen Tag über blieben Busse und Straßenbahnen stehen. Man bemühe sich, am Dienstag wieder einen regulären Betrieb sicherzustellen, teilte die WVV mit.
In Erlangen fuhren zunächst keine Stadtbusse, auch in Nürnberg, Coburg, Forchheim und Bamberg kam der öffentliche Nahverkehr zeitweise oder auf mehreren Linien zum Erliegen. Im Busverkehr in Ulm und Neu-Ulm gab es ebenfalls Einschränkungen.
Kein Präsenzunterricht an vielen Schulen
Statt in die Schule ging es für viele Schülerinnen und Schüler am Morgen hinaus in den Schnee zum Toben und Schlittenfahren. Nach den starken Schneefällen fiel vor allem in Franken der Präsenzunterricht aus. Die Behörden begründeten die Entscheidung mit nicht sicheren Schulwegen. Hier informiert das Kultusministerium über den Schulausfall.
In vielen Fällen wurden Notbetreuungen eingerichtet. Kein Präsenzunterricht bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass der Unterricht ausfällt. Die Schulleitungen entscheiden eigenständig, ob der Unterricht etwa per Videokonferenz erfolgt oder Arbeitsblätter zu bearbeiten sind. Im oberfränkischen Forchheim etwa durften sich die Kinder des Herder-Gymnasiums freuen – hier gab es auch keinen Distanzunterricht.
Tiergarten Nürnberg und Zoo Augsburg zu
Wetterbedingt öffneten der Tiergarten Nürnberg und der Zoo in Augsburg nicht. „Die Sicherheit der Gäste kann unter diesen Bedingungen nicht gewährleistet werden“, teilte der Tiergarten Nürnberg mit. „Bereits gekaufte Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit.“ Für gebuchte Programme könnten Privatpersonen einen Ersatztermin vereinbaren. Sollte es auch am Dienstag Einschränkungen geben, will der Tiergarten informieren.
Keine Müllabfuhr
Das Winterwetter sorgte auch für Probleme im öffentlichen Dienst. In den Landkreisen Kitzingen, Forchheim, Erlangen-Höchstadt und Miltenberg sowie in Nürnberg und Würzburg fiel die Müllabfuhr teils aus, wie die Behörden mitteilten. „Die Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, ihre Abfalltonnen weiterhin zur Abholung bereitzustellen“, hieß es aus Forchheim.

Glatteisgefahr bleibt
Ein Tief setzt sich über der Nordosthälfte Deutschlands fest und lenkt dabei weiterhin feuchtkalte Luft nach Bayern, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Nördlich der Donau ist weiter Schnee möglich, im Süden mitunter Regen oder Sprühregen. Glatteisgefahr bestehe weiterhin. In den Hochlagen des Bayerwaldes könnte es stürmische Böen mit Schneeverwehungen geben.
Auch am Dienstag bleibt es demnach stark bewölkt, mit neuerlichen Schnee- oder Regenfällen am Abend. Die Temperaturen sollen jedoch im Süden Bayerns tagsüber auf plus zwei bis acht Grad steigen. Am mildesten könnte es am Alpenrand werden. Im Norden des Freistaats bleibt es laut Prognose deutlich kühler, mit Höchstwerten zwischen minus ein und plus vier Grad.
Gefährliche Schneelast im Wald
Aber nicht nur auf den Straßen muss man aufpassen. Wie mehrere fränkische Kommunen warnen, drohe auch bei Waldspaziergängen Lebensgefahr. Die Stadt Bayreuth teilt etwa mit: Äste und Baumkronen könnten unter der Schneelast brechen. „Auch ganze Bäume können umstürzen.“
Die Städte Nürnberg und Würzburg empfehlen deshalb, Wälder und Parks zu meiden. Der Nürnberger Feuerwehr zufolge besteht auch die Gefahr von Dachlawinen. Wegen des Niederschlags und des leichten Tauwetters könnte der schwere Schnee von Hausdächern abrutschen.
Auch in Forchheim rät die Stadtförsterei den Menschen zur Vorsicht im Wald. Die Forststraßen seien nicht geräumt und unter der Schneeschicht könnten dicke Eisplatten liegen, teilte die Stadt mit. Neben abbrechenden Ästen und umstürzenden Bäumen seien diese eine tückische Gefahr. Rettungsfahrzeuge hätten bei Unfällen aber Probleme durchzukommen.



