Unwetter in Oberbayern und im Allgäu:Starkregen sorgt für Überschwemmungen

Sowohl bei Rosenheim als auch im Raum Sonthofen mussten die Einsatzkräfte wegen Überflutungen ausrücken, Ortsteile von Weyarn waren kurz vor der Evakuierung.

Heftige Gewitter mit Starkregen haben am frühen Montagabend in Südbayern erneut für Überschwemmungen gesorgt. Nach Angaben des Polizeipräsidiums in Kempten musste die Feuerwehr im Raum Sonthofen und Burgberg (beides Landkreis Oberallgäu) ausrücken, um Keller auszupumpen.

Das Landratsamt Oberallgäu appellierte auf Facebook, möglichst auf Autofahrten zu verzichten: Viele Straßen zwischen Kempten und Oberstdorf seien nach dem Starkregen überflutet.

Auch aus dem südlichen Oberbayern wurden Überschwemmungen und Feuerwehreinsätze gemeldet, wie das Polizeipräsidium Rosenheim berichtete. Dort sei ein Krisenstab mit Vertretern des Katastrophenschutzes, der Feuerwehr, des THW, des Rettungsdienstes und der Berg- und Wasserwacht zusammengetreten. "Rund 1000 Kräfte sind heute Abend im Landkreis Rosenheim gefordert", hieß es.

Bis kurz nach 22 Uhr seien sie bereits zu mehr als 250 Einsätzen gerufen worden. Auch im Zugverkehr kam es durch die Gewitter zu Beeinträchtigungen. Die Strecke München-Salzburg wurde zwischen Rosenheim und Salzburg gesperrt, ist aber inzwischen wieder befahrbar. Bäume mussten aus der Oberleitung entfernt werden.

Die Unwetterfront zog nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in nördlicher Richtung über ganz Schwaben in Richtung Oberbayern und Franken. Der Deutsche Wetterdienst hatte zunächst für das Allgäu und auch andere Teile des Freistaats vor Unwettern gewarnt. Schwerer Starkregen mit bis zu 40 Litern Niederschlag pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit sowie Hagel und Sturm waren vorausgesagt.

Landkreis Miesbach kurz vor dem Katastrophenfall

In Irschenberg (Landkreis Miesbach) unweit der Autobahn A 8 hatte laut Polizei eine Mure eine Straße mit Schlamm verschüttet. Bäume waren umgestürzt und Straßen und Keller geflutet worden. Das Gewitter richtete zwischen Darching in der Gemeinde Valley und Irschenberg Verwüstungen an. Um die vielen Helfer von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk besser koordinieren zu können, stellte das Landratsamt um kurz nach 22 Uhr den Artikel 15 Katastrophenschutzgesetz fest - die Vorstufe zum Katastrophenfall. So konnte Kreisbrandrat Anton Riblinger die Einsatzleitung überregional führen.

Die Bundesstraße B 318 in Warngau und die Kreisstraße MB 17 bei Thalham waren gesperrt, die Autobahn A 8 wegen eines Hagelsturms kaum befahrbar. Bei Oberwarngau und am Weyarner Berg gingen kleinere Muren ab, etwa 70 Keller mussten ausgepumpt werden.

Ortsteile von Weyarn kurz vor Evakuierung

Die Einsatzkräfte hatten bereits mit den Vorbereitungen begonnen, um notfalls mehrere Ortsteile der Gemeinde Weyarn evakuieren zu können, durch die das Wasser knietief floss. Letztlich konnten doch alle Bewohner zu Hause bleiben. Doch angesichts der drohenden weiteren Gewitter rät das Landratsamt, Häuser und Keller zu sichern "und sich selbst nicht in Gefahr zu bringen".

Großeinsatz auch in Götting

Nach Angaben des Landratsamtes Rosenheim waren Tiefgaragen und Keller vollgelaufen. Im Landkreis war der Unwetteralarmplan ausgelöst worden, nachdem örtlich mehr als 50 Liter pro Quadratmeter Regen gefallen waren.

Im Bruckmühler Ortsteil Götting im Kreis Rosenheim pumpte ein Großaufgebot an Einsatzkräften mit Hochleistungsgeräten in der Nacht große Mengen Oberflächenwasser aus dem übervollen Goldbach ab. "Da mussten wir schauen, dass der Bach einigermaßen im Bett bleibt", sagte ein Sprecher des Landratsamts. In Götting sei zudem Wasser in eine Biogasanlage eingedrungen.

Gegen zwei Uhr seien noch etwa 250 Kräfte aktiv gewesen. Ein zuvor zusammengetretener Krisenstab habe sich allerdings wieder abgemeldet. Insgesamt seien allein im Kreis Rosenheim mehr als 1000 Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdienst sowie Berg- und Wasserwacht bei 340 Einsätzen gewesen.

Auf Höhe der Gemeinde Rimsting musste laut Landratsamt auch ein ICE der Deutschen Bahn für längere Zeit anhalten, weil Bäume auf die Gleise gestürzt waren. Der ICE konnte die Fahrt später fortsetzen.

Weitere Gewitter in der Nacht zum Mittwoch erwartet

In den Landkreisen Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen gab es insgesamt mehr als einhundert unwetterbedingte Einsätze, wie die Feuerwehr mitteilte. Zwei Menschen wurden den Angaben zufolge leicht verletzt, als ein Baum auf ihr Auto fiel.

Noch sind nicht alle Schäden durch Hochwasser und Überflutungen in Bayern aufgeräumt, da könnten schon wieder die nächsten Unwetter drohen. Der Deutsche Wetterdienst erwartet in der Nacht zum Mittwoch vermehrt Schauer und Gewitter - mancherorts mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Überschwemmungen und extreme Sturzfluten sind nach Angaben des bayerischen Hochwasserdienstes nicht ausgeschlossen.

Vor allem in den Alpen, dem südlichen Alpenvorland und im Bayerwald könnten demnach stellenweise bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit runterkommen.

Bereits am Wochenende hatten starke Unwetter vor allem in Oberbayern gewütet - in Eglfing im Landkreis Weilheim-Schongau kam ein Mensch ums Leben. Der 57-jährige Jäger saß am Sonntagnachmittag in einem Waldstück auf einem Hochsitz, als dieser nach bisherigen Erkenntnissen von einer Windböe umgerissen wurde.

© SZ/dpa/kaeb, van
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