Samstagabend im Landgasthof Feigl in Feldkirchen-Westerham. Vor der Tür des Nebenzimmers „Pfingstrose“ steht ein Sicherheitsmann mit Adlertattoo am Hals. Agrarministerin Michaela Kaniber eilt heran.
Kaniber: (im Vorbeigehen) Was hosd na du für a fesch’s Vögerl im Gsicht?
Sicherheitsmann: (stellt sich ihr in den Weg) Wie ist das Codewort?
Kaniber: Auweh, das Codewort. (überlegt) I hob's glei... Nürnberger Sonnenstrahl!
Sicherheitsmann: Falsches Codewort. Kein Einlass.
Kaniber: Hoid, des war bei de andern. (grübelt) Fränkisches Abendrot!
Der Sicherheitsmann öffnet wortlos die Tür. Im Nebenzimmer „Pfingstrose“ sind drei Dutzend CSU-Politiker an einem langen Tisch versammelt. Ilse Aigner und Manfred Weber stehen am Kopfende. Kaniber tritt ein.
Aigner: Na bravo, ihr Experten! Wer hod na d'Michi eingladen? Da kannst ja glei an Livestream in d'Staatskanzlei machen.
Kaniber: (setzt sich neben Alexander Dobrindt) Alex, servus, so eine Überraschung! Du, der Presssack schaut bärig aus, den nimm i a.
Weber: (geschäftsmäßig) Also, nochmal: Eine Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen der CSU-Landtagsfraktion ist bereit, einen neuen Kandidaten zum Ministerpräsidenten zu wählen.
Aigner: Zur Ministerpräsidentin.
Weber: Wie auch immer.
Aigner: Na, des is scho a wichtige Feinheit.
Weber: (gereizt) Aber du wirst doch eh Bundespräsidentin!
Aigner: I hab mir des nochmal überlegt – mit de Distanzen. Vo Berlin heim am Freitag, da verpass ich ja jede Woche die erste Stund vom Damen-Bridge in Westerham.
Weber: (sauer) Wenn die Ilse meint, dann machen wir halt eine Abstimmung!
Dobrindt: (ruhig, aber schneidend) Das Ergebnis darf keine Präzedenz in der Frage eines neuen Parteivorsitzenden schaffen.
Aigner: Einer neuen Parteivorsitzenden.
Kaniber: (spricht leise in ihre Handtasche hinein) Keine Sorge, Markus, die Ilse und der Mane zerlegn sich selbst.
Weber: Gut, dann schreiten wir zur Wahl. Zwei Vorschläge, Aigner Ilse und Weber Manfred. Oder fühlt sich plötzlich noch irgendwer berufen? (entdeckt ein Handzeichen) Jetzt ernsthaft? Du?
35 Minuten später. Jubelszenen im Nebenzimmer „Pfingstrose“, nur Aigner, Weber und Kaniber stehen konsterniert herum. Zwei Parteifreunde tragen Erwin Huber, 79, auf den Schultern.
Aigner: I brauch jetzt an Schnaps.
Kaniber: (brüllt wütend nach vorne) Bist du überhaupt bei Insta, Erwin? Woaßt du überhaupt, was Insta is?
Huber: (singt mit der feiernden Menge) Home-Office in Reisbach, oh-oh, oh-oh, oh!


