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Unfallstatistik für Bayern:So wenige Verkehrstote wie seit 70 Jahren nicht mehr

Minister Herrmann stellt Verkehrsunfallstatistik 2019 vor

Seit 1950 wird in Bayern eine Statistik über Verkehrsunfälle geführt. Seitdem wurden noch nie so wenige Tote gezählt wie im vergangenen Jahr.

(Foto: dpa)
  • 541 Menschen sind im vergangenen Jahr auf den bayerischen Straßen gestorben.
  • Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnung der Unfallstatistik.
  • Die Zahl der Unfälle ist jedoch auf rund 416 600 gestiegen. Das sei eine Steigerung von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagte Innenminister Joachim Herrmann.

Auf Bayerns Straßen sind im vergangenen Jahr weniger Menschen gestorben und verletzt worden als im Vorjahr. Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle ging von 618 auf 541 zurück, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag in München sagte. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnung der Unfallstatistik im Jahr 1950. Auch bei den knapp 67 100 Verletzten habe es einen deutlichen Rückgang von fast fünf Prozent gegeben.

Insgesamt aber stieg die Zahl der registrierten Unfälle auf rund 416 600. "Das ist eine Steigerung von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und gut 18 Prozent mehr als 2011", sagte Herrmann. Seither sei allerdings auch die Einwohnerzahl in Bayern um knapp 6 Prozent und die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge um fast 16 Prozent gestiegen.

Die meisten Menschen sterben nach wie vor auf den Landstraßen. Allerdings ging die Zahl der Todesopfer dort ebenfalls zurück - besonders signifikant unter den Motorradfahrern. Mit gut einem Viertel ist eine zu hohe Geschwindigkeit Hauptursache aller Unfälle. "Die Vernunft sagt es uns schon lange, und jetzt zeigt uns auch die neu vorliegende Statistik, dass es an der Zeit ist, Tempo 130 einzuführen", kommentierte die SPD-Landtagsfraktion.

Auch die Missachtung der Vorfahrt führte zu vielen Todesfällen. 40 Menschen starben wegen Alkohols am Steuer. Das ist ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr, allerdings wurden insgesamt etwas mehr Alkoholunfälle registriert. 23 000 betrunkene Fahrer wurden im vergangenen Jahr angezeigt. Ein großes Lob verteilte Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer an die Jugend: Unter den Heranwachsenden sei es inzwischen weit verbreitet, an Partyabenden einen Fahrer zu bestimmen, der dann auch wirklich nichts trinke.

Von den Todesopfern saßen 46 Prozent in einem Auto, 21 Prozent waren Motorradfahrer, 14 Prozent Radfahrer, 11 Prozent Fußgänger und 4 Prozent Lkw-Insassen. Während die absoluten Zahlen bei allen anderen Gruppen zurückging, blieb sie bei den Radfahrern konstant. Die Radler verursachten zwei Drittel aller Unfälle mit ihrer Beteiligung selbst, etwa durch Stürze, Radeln entgegen der Fahrrichtung oder Trunkenheit.

Auch wenn Herrmann sich mit dem ursprünglich erst für das nächste Jahr angepeilten Rückgang auf unter 550 Todesopfer sehr zufrieden zeigte, will die Polizei in diesem Jahr die Verkehrssicherheit mit gezielten Maßnahmen weiter erhöhen. Dazu gehören verstärkte Kontrollen auf Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen. Auch Motorrad- und Lasterfahrer sowie Gurtmuffel rücken verstärkt ins Visier. Außerdem sollen laut Herrmann "all diejenigen, die keine Knautschzonen mit viel Metall um sich haben" etwa durch verbesserte Verkehrsführung, aber auch durch Aufklärungsmaßnahmen besser geschützt werden. Besonders die hohe Zahl der Pedelec-Unfälle ist der Polizei ein Dorn im Auge.

© SZ.de/dpa/epd/kast/amm
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