Jetzt nicht, dass es gleich wieder heißt: die Bayern und ihre ewigen Extratouren! Schließlich können die Bayern in dem Fall wirklich nichts dafür. Da ist der Schneehase schon ganz allein selber schuld, dass er sich ausgerechnet im Hochgebirge ab 1300 Metern aufwärts ansiedelt, also deutschlandweit halt wieder ausschließlich in Bayern. Und der Freistaat kümmert sich ja und nimmt seine naturgegebenen Sonderaufgaben an. Gerade hat das Bayerische Landesamt für Umwelt mitgeteilt, dass es den Alpenschneehasen „im Fokus“ habe.
Das muss jetzt für das betreffende Tier zwar nicht immer gut ausgehen, wenn es von jemandem in den Fokus genommen wird. Und auch das Landesamt für Umwelt richtet seinen verschärften Blick vorrangig dann auf eine Art, wenn sie entweder bedroht ist oder als Bedrohung erscheint.

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Aber all die Biologen und Zoologen dort wollen ihren – Achtung Akkusativ! – leporem timidum, den furchtsamen Hasen, ja nicht jagen, sondern nur erforschen. Sie haben ihn deswegen jetzt zur Fahndung ausgeschrieben. Und so extrem selten er auch sein mag: Der Schneehase trägt zu seiner Erforschung bei, was er eben kann. Gerade jetzt im Winter.
Denn wenn es kälter wird und die Tage kürzer, dann färbt sich sein Fell schneeweiß – und das ganz unabhängig davon, ob um ihn herum tatsächlich Schnee liegt oder nicht. Auf die ganzen Schneilanzen und Schneekanonen in den Skigebieten kann sich der Alpenschneehase in der fortschreitenden Klimakrise aber auch nicht verlassen. Der Skibetrieb ist nämlich insgesamt nicht so seins, Schnee hin oder her.
Und so täuscht sich der Schneehase mit seiner Tarnung immer öfter selbst. Dass ein weißer Hase im Grünen ganz gut zu sehen ist, das haben jedenfalls der Steinadler, der Uhu, der Fuchs und der Marder auch schon überrissen. Erfahrungsgemäß ignorieren die aber alle Aufrufe des Landesamts und der „Deutschen Wildtier Stiftung“ und melden ihnen weder ihre Schneehasen-Sichtungen noch stellen sie Fotos oder Aufnahmen von Wildtierkameras zur Verfügung.
Dabei würde so ein Beitrag sehr dabei helfen, in zwei Jahren erstmals verlässliche Daten zu Bestand und Verbreitung des Schneehasen in Bayerns Bergen vorzulegen. Und mal davon abgesehen, dass die Stiftung ihn ja schon zum Tier des Jahres 2025 erklärt und für heuer längst den Rothirsch ausgerufen hat: Für den Schneehasen könnte es auch in anderer Hinsicht bald zu spät sein. Wenn sich sein Fell im Frühjahr wieder graubraun färbt, ist er nämlich leicht mit dem Feldhasen zu verwechseln, der zunehmend Haken in den Fels schlägt und von drunten im Flachland nach oben ins Alpine drängelt.
Aber dieser Feldhase, der Adler, der Uhu, der Fuchs und der Marder werden schon sehen, was sie davon haben. Denn im Schnee ist der Feldhase dann wirklich gut zu sehen.

