Energiewende:Mehr Akzeptanz von Windrädern bei wirtschaftlichem Vorteil

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Windkraftanlagen werden nicht grundsätzlich von der Bevölkerung im Freistaat abgelehnt, wie eine aktuelle Umfrage belegt. (Foto: Johannes Simon)

Eine Umfrage zeigt, dass Bayerns Bürger den Bau von Anlagen befürworten, wenn sie finanziell davon profitieren. Zudem gibt eine Mehrheit an, dass Energieversorgung ein wichtiges Thema für ihre Wahlentscheidung ist.

Die Bürger in Bayern akzeptieren Windräder vor der eigenen Haustür leichter, wenn ihnen dadurch wirtschaftliche Vorteile entstehen. So würden 58 Prozent der Menschen im Freistaat den Bau von Windkraftanlagen in der eigenen Gemeinde akzeptieren, wenn dadurch Arbeitsplätze in der Region erhalten werden können, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) ergab. Ebenfalls 58 Prozent würden einen Bau am Ort befürworten, wenn die Gemeinde finanziell davon profitiert; 60 Prozent, wenn dadurch Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand in Bayern erhalten werden. Die größte Akzeptanz hätte ein Bau, wenn dadurch die eigenen Stromkosten sinken würden - dann sprechen sich 65 Prozent dafür aus.

"Die Akzeptanz hat sich zum Positiven gewendet", sagte Carolin Friedemann, Geschäftsführerin der IKND bei der Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse am Montag in München. Aus ihrer Sicht habe kein anderes Bundesland so gute Voraussetzungen, möglichst schnell klimaneutral zu werden, wie Bayern: Im flächengrößten Bundesland gebe es viel Sonne, viel Wind, eine starke Wirtschaft, exzellente Verwaltung und eine engagierte Zivilgesellschaft.

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Wie Bayern seine Energieversorgung gestalte, sei auch ein entscheidender Faktor für die Landtagswahl im Oktober, sagte Friedemann. 52 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass es für ihre Wahlentscheidung wichtig sei, ob sich die Kandidierenden für eine saubere und nachhaltige Energieversorgung einsetzen. 58 Prozent waren der Meinung, die bayerische Regierung sollte mehr unternehmen, um die Klimaziele des Bundeslandes zu erreichen. Etwa die Hälfte der Menschen im Freistaat (48,2 Prozent) macht sich Sorgen um den Wirtschaftsstandort Bayern, weil der Ausbau der erneuerbaren Energien zu langsam vorankomme.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sei man mehr denn je abhängig von erneuerbaren Energien, um Arbeitsplätze in Bayern zu halten und Wohlstand zu sichern, sagte Bernhard Stiedl, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Bayern. Die Zukunft der Wirtschaft und der Arbeitsplätze stehe auf dem Spiel. Ökologie und Soziales stünden dabei nicht im Widerspruch: "Wir brauchen beides: sichere Arbeitsplätze mit guten Löhnen, aber auch eine intakte Umwelt und bezahlbare Energie", sagte der bayerische DGB-Vorsitzende.

Die Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) ist nach eigenen Angaben eine gemeinnützige, parteiunabhängige Organisation mit Sitz in München. Bei der Umfrage, die im Auftrag der IKND vom Meinungs- und Marktforschungsunternehmen Civey durchgeführt wurde, wurden im Februar und März 2023 in Bayern 2000 Menschen befragt. Die Ergebnisse der Online-Befragung sind den Angaben zufolge repräsentativ für Einwohnerinnen und Einwohner in Bayern ab 18 Jahren.

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