Statistik:Bayern: Deutliche Übersterblichkeit in der Delta-Welle

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Statistik: Mit Kreide geschrieben steht auf den Särgen, woran die Menschen darin gestorben sind.

Mit Kreide geschrieben steht auf den Särgen, woran die Menschen darin gestorben sind.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Normalerweise sterben in Bayern rund 2500 Menschen pro Woche. Während der vierten Corona-Welle waren es deutlich mehr. Die Übersterblichkeit geht in die Tausende - und ist höher als die Zahl der direkten Corona-Toten.

Während der vierten Corona-Welle sind in Bayern Tausende Menschen mehr gestorben als üblich. Ende November, Anfang Dezember waren es teils über 1000 Todesfälle pro Woche mehr als im Mittelwert (Median) der vier Jahre davor, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Von Oktober an ist in diesen Zahlen ein deutlicher Anstieg der Sterbefälle pro Woche zu sehen. Für die Zeit von Anfang November bis Mitte Dezember meldet die Behörde durchweg Todeszahlen, die um mehrere hundert über den Werten aus den vier vorangegangenen Jahren liegen. Die höchste Differenz gab es dabei in der Kalenderwoche 48 mit insgesamt 3699 Todesfällen - 1094 mehr als der Medianwert.

Insgesamt starben den vorläufigen Zahlen zufolge in den Kalenderwochen 40 bis 49 - also vom 4. Oktober bis zum 12 Dezember 2021 - in Bayern 32 041 Menschen. Das sind gut 6500 mehr als die Medianwerte dieser Wochen aus den Vorjahren. Einen direkten Zusammenhang mit Corona sieht die Statistik bei 3269 Todesfällen. Bundesweit weist das Statistische Bundesamt ebenfalls deutlich mehr Tote als im Mittel der Vorjahre aus. Hier geht die Differenz sogar in die Zehntausende.

Auch Wissenschaftler der Covid-19-Datenanalysegruppe CODAG der Ludwig-Maximilians-Universität München haben für Bayern eine deutliche Übersterblichkeit in der Delta-Welle errechnet. In einem am Freitag veröffentlichten Bericht kommen sie auf wöchentliche Übersterblichkeiten von bis zu 30 Prozent in diesem Zeitraum, die sich laut den Forschern etwa zur Hälfte durch Todesfälle mit Covid-19 erklären lassen.

In zwei anderen Bundesländern starben noch mehr Menschen

Damit ist Bayern allerdings weniger stark getroffen als Sachsen und Thüringen, für die sie maximale Übersterblichkeiten von 60 beziehungsweise 50 Prozent errechneten. Die Forscher zogen dabei allerdings mit den Jahren 2016 bis 2019 einen etwas anderen Vergleichszeitraum heran.

Bereits in der zweiten Corona-Welle im Jahr 2020 hatte es eine deutschlandweite "Übersterblichkeit" gegeben, wie die Statistiker eine unüblich hohe Zahl von Todesfällen nennen. Das hatte sich im Verlauf des Jahres aber wieder normalisiert, bis es im Herbst zum neuerlichen auffälligen Anstieg kam. Im Laufe des Dezember 2021 gingen in Bayern die Infektionszahlen - und dementsprechend auch die Todeszahlen - wieder stark zurück. Seit 30. Dezember klettern mit der zur fünften Welle deklarierten Omikron-Variante die Infektionszahlen wieder schnell nach oben.

Laut Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) ist Omikron mittlerweile auch in Bayern die dominierende Virus-Variante. Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser sind die Patientenzahlen aber zuletzt weiter gesunken. Am Freitag lagen dort weniger als halb so viele Corona-Patienten wie auf dem Höhepunkt der Delta-Welle.

Als Vergleichswert zu den aktuellen Todesfallzahlen gibt das Statistische Bundesamt den Median der entsprechenden Kalenderwochen 2017 bis 2020 an. Der Median wird aus einer Menge von Zahlen gebildet, deren eine Hälfte höher und deren andere Hälfte niedriger ist. Dieser Mittelwert ist weniger sensibel für Verzerrungen durch einzelne Extremwerte als der sonst oft herangezogene Durchschnitt. Bei den Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 1000 wäre der Median beispielsweise 5, der Durchschnitt aber rund 115,1.

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