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Transitgipfel:Die Urlauber sind nicht das Problem

Fahrverbote in Tirol

Nadelöhr in den Alpen: die Europabrücke am Brenner

(Foto: Picture Alliance/dpa)

Tirol fordert den deutschen Verkehrsminister heraus und verärgert Autofahrer aus dem Norden. Dabei drängt das österreichische Bundesland zu Recht auf eine vernünftigere Verkehrspolitik.

Von München nach Verona sind es auf der Autobahn über den Brenner 430 Kilometer. Mehr als die Hälfte davon führt über italienisches Gebiet, und auch die Strecke durch das österreichische Bundesland Tirol ist deutlich länger als die knapp 90 Kilometer von München bis zur Grenze. Österreich und Italien haben also eigentlich genug Möglichkeiten, den Straßenverkehr über den Brenner auf eigene Faust zu verteuern. Tirols Landeshauptmann Günther Platter fordert dennoch dringend eine "Korridormaut" zwischen München und Verona - doch die könnte auch als Korridormaut Kufstein-Verona Wirkung zeigen.

Mit solchen eigenmächtigen Maßnahmen fordert Platter seit längerer Zeit die deutsche Seite heraus. Im Grundsatz hat der Tiroler Landeshauptmann recht: Wenn es sonst niemand macht, dann muss eben er auf eine vernünftigere Verkehrspolitik drängen - im Interesse nicht nur der Tiroler Bürger.

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Denn vor allem der Gütertransit per Lastwagen über den Brenner ist deutlich billiger als bei anderen Pässen und zieht den Verkehr auf diese Weise regelrecht an. Allzu vieles wird da quer über die Alpen hin- und hergefahren, nicht weil es besonders sinnvoll wäre, sondern weil es sich für irgendjemanden rentiert, wenn er zum Beispiel Schweinefleisch aus dem Norden nach Italien karren und es dann irgendwann als Parmaschinken wieder zurückfahren lässt.

Höhere Kosten könnten einen Strich durch derlei Rechnungen machen. Für Anhänger des reinen Marktprinzips gäbe es mit einer Alpentransitbörse, auf der sich begrenzte Transportkapazitäten frei handeln ließen, sogar ein akzeptables Steuerungsinstrument. Und was dann an Gütern immer noch über die Alpen muss, gehört auf die Schiene. In dem Zusammenhang muss immer wieder einmal erwähnt werden, dass Österreich und Italien wohl im Jahr 2028 den Brennerbasistunnel in Betrieb nehmen werden, während sich Deutschland nach Jahrzehnten des Zuwartens immer noch mit der Frage abquält, ob die notwendigen Zulaufgleise auch wirklich notwendig sind.

Wenn sich so endlich der unselige Schwerlastverkehr über den Brenner eindämmen ließe, dann wären auch die vielen Urlauber in ihren Pkws kein so großes Problem mehr, dass Platter sie unbedingt per Dekret aus den Orten entlang der Brennerroute aussperren müsste. Und so recht er mit seinem Vorhaben hat, ein bisschen selbstgerecht ist die Tiroler Haltung schon auch: Denn das einst bitterarme Tirol wollte den Transitverkehr lange Zeit dringend in seinen Tälern haben, und es lebt ja zu einem guten Teil selbst von anreisenden Touristen. Wovon die Tiroler Wirtschaft womöglich sonst noch abhängig ist, zeigt ein Blick auf die Hallen der Logistiker links und rechts der Autobahn.

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