Die Klofrage gehört vielleicht nicht zu den wichtigsten Themen der Landespolitik, aber ganz gewiss zu ihren drängendsten. Insbesondere die Grünen scheint die Problematik umzutreiben, das belegen ihre diversen Initiativen zur Einrichtung von genderneutralen Toiletten. Diesmal geht es allerdings nicht ums Unisex-Klo, sondern um die Versammlungsstättenverordnung.
Sie schreibt vor, dass bei Veranstaltungen mit tausend Besuchern für Frauen wenigstens zwölf Toiletten vorgehalten werden müssen. Bei den Männern hingegen sind es acht Toiletten, aber zwölf Pissoirs. Die bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete Julia Post hat nachgerechnet und kommt zu dem Ergebnis, dass den Männern damit insgesamt 20 Toiletten zur Verfügung stünden, den Frauen aber nur zwölf.
„Diese Schlangen sind politisch gewollt“, bilanziert Post. „Es schließt Frauen von Teilhabe aus.“ In einem Antrag der Grünen-Landtagsfraktion fordert sie, dass die Zahlen angeglichen werden sollten. Kommenden Dienstag wird der Bauausschuss des Landtags darüber beraten. In den sozialen Medien ist der Abgeordneten mit ihrem Vorstoß immerhin schon mal ein Publikumserfolg gelungen.
Nun könnte man im Detail einwenden, dass ein Pissoir einer gewissen Nutzungseinschränkung unterliegt. Die allgemeine Lebenserfahrung gibt Post indes recht: Auf Volksfesten, in Stadien, auf Festivals, aber auch in Theatern stehen Frauen meistens Schlange, während Männer sich kurzfristig einen Platz am Urinal oder in der Kabine erkämpfen können. In besonders dringenden Fällen kommt es schon mal vor, dass Frauen ins Männerklo stürmen, was bei einigen Herren vor Schreck einen mehrere Stunden langen Harnverhalt zur Folge hat.
Welche praktischen Konsequenzen eine Erhöhung der Sitzplatzquote hätte, erscheint noch unklar: Schließlich werden in vielen Gebäuden Toiletten für Männer und Frauen bisher von der Grundfläche her gleich groß geplant. Müssen Klowagen für Frauen womöglich künftig ein paar Meter verlängert werden? Stellt man einfach ein zweites Frauenhäusl daneben? Alles offene Fragen.
Oder läuft es am Ende doch auf genderneutrale Klos hinaus? Die sind freilich selbst unter Frauen umstritten. Zumal viele von ihnen gerne einen Ort haben, an dem Männer definitiv unerwünscht sind. Wie sagte doch gleich Rita Röhrl, die frühere SPD-Landrätin des Landkreises Regen? Sie habe in den Siebzigerjahren nicht für eigene Frauen-Toiletten gekämpft, damit sie sich jetzt wieder auf verbieselte Klobrillen setzen müsse.
Es scheint, als stehe das Land vor einem weiteren unlösbaren Problem.


