Stromversorgung:Erneuertes Innkraftwerk Töging geht in Betrieb

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Stromversorgung: Neu und nun auch in Betrieb: das Wasserkraftwerk Jettenbach-Töging. Für den Festakt wurde eigens ein Zelt aufgebaut.

Neu und nun auch in Betrieb: das Wasserkraftwerk Jettenbach-Töging. Für den Festakt wurde eigens ein Zelt aufgebaut.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Die fast 100 Jahre alte Anlage wurde für 250 Millionen Euro saniert - und kann nun Strom für rund 200 000 Haushalte produzieren.

Von Matthias Köpf

Vor ziemlich genau einem Jahr waren die letzten Turbinen im denkmalgeschützten Wasserkraftwerk im oberbayerischen Töging am Inn langsam ausgelaufen, seither stand die Anlage still, die zuvor fast 100 Jahre lang Strom produziert hatte. Nun drehen sich in einem weitgehend im Boden versenkten Neubau neben dem alten Krafthaus drei neue, sehr viel effizientere Turbinen, die zusammen 700 Gigawattstunden Strom pro Jahr produzieren können - 140 Gigawattstunden mehr als das alte Kraftwerk und insgesamt genug für rund 200 000 bayerische Durchschnittshaushalte. Am Freitag hat die österreichische Verbund AG das neue Kraftwerk mit seinen 118 Megawatt Leistung im Landkreis Altötting in aller Form in Betrieb genommen.

Mit vier Jahren Bauzeit und Kosten von rund 250 Millionen Euro liegt das größte deutsche Wasserkraftprojekt der vergangenen Jahre sehr genau im Plan. Zum immer wieder erklärten, aber weiterhin fernen Ausbauziel der Staatsregierung von einer zusätzlichen Terawattstunde pro Jahr bei der Wasserkraft trägt es alleine 14 Prozent bei.

Schon deswegen war die Inbetriebnahme am Freitag für Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach eigenen Worten "kein regionales, sondern ein bayernweites Ereignis mit bundespolitischer Ausstrahlung". Umweltminister Thorsten Glauber (FW) lobte die angesichts des damaligen Strompreises "sehr mutige Entscheidung" für die große Investition. Die wird sich laut Verbund-Vertretern selbst unter den geänderten Bedingungen am Energiemarkt nach dem russischen Überfall auf die Ukraine finanziell erst in Jahrzehnten bezahlt machen. Zugleich aber bezeichneten Söder, Glauber und Firmenvertreter die Erneuerung der Anlage in Töging als Gewinn für den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit, die Netzstabilität, den Industriestandort im bayerischen Chemiedreieck und auch für die Gewässerökologie am Inn.

Der österreichische Stromkonzern hatte die bayerischen Innkraftwerke 2009 von Eon übernommen. Eine Übernahme durch kommunale Unternehmen war zuvor gescheitert. 2013 erwarb der Verbund im Tausch gegen sein Türkei-Geschäft auch die Eon-Anteile an den bayerisch-österreichischen Grenzkraftwerken am Inn, die zuvor beiden Konzernen gemeinsam gehört hatten. Das alte, denkmalgeschützte Kraftwerksgebäude in Töging will der Verbund künftig als Zentrale mit 120 Mitarbeitern für seine Aktivitäten in Bayern nutzen.

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