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Bayerische Alpen:Das Geschäft mit der letzten Ruhe im Wald

Bestattungen in Wäldern

Weil sich viele Menschen zurück zur Natur gezogen fühlen, bieten viele Firmen, Kommunen und private Waldbesitzer für die letzte Ruhe Naturbestattungen unter Bäumen an.

(Foto: dpa)

Die Bayerischen Staatsforsten steigen in den Markt mit Naturbestattungen ein - der erste Begräbniswald entsteht bei Mittenwald - natürlich mit gutem Ausblick.

Auch die Lebenden legen hier Wert auf Ruhe und Abgeschiedenheit. Das ungefähr auf halbem Weg gelegene "Kranzbach" bewirbt sich mit fünf Sternen als "Wellnesshotel mit Erholungsgarantie", und ganz hinten im Tal sieht sich das noch gediegenere und spätestens seit dem G7-Gipfel von 2015 weltberühmte Schloss Elmau sowieso als "Luxury Spa Retreat & Cultural Hideaway". Dazwischen gibt es eigentlich nichts, aber genau dort werden bald auch die Bayerischen Staatsforsten Ruhe und Frieden im Angebot haben: Auf gut 30 Hektar im Elmauer Tal im Landkreis Garmisch-Partenkirchen steigen sie in das florierende Geschäft mit den Naturbestattungen ein.

Der Trend geht schon seit längerer Zeit weg von der althergebrachten Erdbestattung. Auf vielen Friedhöfen klaffen längst Lücken in den Gräberreihen, immer mehr Gemeinden widmen ihre jahrzehntelang für die Friedhofserweiterung reservierten Flächen in Bauland um. Denn Urnengräber sind viel billiger und auch pflegeleichter für die Hinterbliebenen, wenn es denn am letzten Wohnort des Verstorbenen überhaupt noch irgend jemanden gibt, der mal ein paar Blumen pflanzt und zum Gießen kommt. Weil sich gleichzeitig immer mehr Menschen zurück zur Natur gezogen fühlen, bieten für die letzte Ruhe inzwischen viele Firmen, Kommunen und private Waldbesitzer Naturbestattungen unter Bäumen an.

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Friedwald, einer der größten Anbieter am Markt, hat 2001 in der Nähe von Kassel mit einem ersten Wald angefangen, verfügt nach eigenen Angaben inzwischen aber schon über 66 Standorte und expandiert weiter. Einen Platz in so einem Wald gibt es für rund 500 Euro zuzüglich Beisetzungspauschale, ein eigener Baum für sich allein oder für die ganze Familie kostet je nach Ort und Art mindestens das Fünffache, alles buchbar im Voraus und über Internet. Mehr als 275 000 Menschen hätten sich schon für so einen Platz entschieden.

So weit sind die Bayerischen Staatsforsten noch lange nicht, die Webseite www.stillewaelder.de, die sie sich schon mal angelegt haben, nennt noch keine Details. Der "Stille Wald" im Elmauer Tal soll voraussichtlich im kommenden Frühjahr eröffnet werden und dann wohl der erste Bestattungswald im bayerischen Alpenraum sein. Man sehe das als Pilotprojekt und wolle da "mal austesten, wie das geht", heißt es aus der Staatsforsten-Zentrale in Regensburg. Ausgesucht wurde das Gelände nach praktischen und ästhetischen Gesichtspunkten: Einigermaßen eben soll es sein und gut erreichbar, im Fall Elmau allerdings nur über eine schmale Mautstraße. Besondere Bäume und besondere Gesteinsformationen sollte es idealerweise geben, Orte mit einer gewissen Einzigartigkeit und natürlich mit einem guten Ausblick ins Gebirge.

Zu tun ist in dem Wald sonst wenig, ein paar Wege und zwei schon vorhandene kleine Parkplätze müssten noch etwas befestigt werden, dazu ein einfacher Unterstand für Abschiedsfeiern - "alles ganz reduziert, ganz nah an der Natur", sagt Staatsforsten-Sprecher Philipp Bahnmüller. Grabsteine oder dergleichen wird es nicht geben, allenfalls kleine Tafeln an den Stämmen. Die Urnen müssen biologisch abbaubar sein, am besten aus Staatsforsten-Holz gefertigt. Wenn auf der mehr als 40 Fußballfelder großen Fläche noch irgendwo gesägt wird, dann nur, um Besucher vor herabfallenden Ästen zu schützen. Mit dem Harvester zur Holzernte wird der zuständige Forstbetrieb in Bad Tölz jedenfalls nicht anrücken. Gleichwohl wollen die als Unternehmen organisierten Staatsforsten mit dem stillgelegten Wald auf Dauer keine Verluste einfahren, sondern ein Plus. Man reagiere mit dem Angebot vor allem auf die Nachfrage, heißt es von dem Staatsbetrieb. Der Landtag hatte ihm dieses Geschäftsfeld schon 2010 eröffnet, damals auf Initiative der SPD.

Für die konkrete Umwidmung und die Bestattungsbürokratie sind die Staatsforsten auf die Kommunen angewiesen, in dem Fall auf die Gemeinde Mittenwald, auf deren Flur das Waldstück liegt. Der Bürgermeister und die Gemeinderäte zeigen sich willig. Ihr eigener Mittenwalder Friedhof ist ohnehin rund fünf Kilometer Luftlinie und zehn Straßenkilometer entfernt.

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