InfektionsschutzWie sich Bayern gegen die Tigermücke rüstet

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In Südeuropa ist die Tigermücke, die gefährliche Krankheiten überträgt, schon länger heimisch, seit einiger Zeit breitet sie sich auch in Deutschland aus.
In Südeuropa ist die Tigermücke, die gefährliche Krankheiten überträgt, schon länger heimisch, seit einiger Zeit breitet sie sich auch in Deutschland aus. xDreamstimexRsndetrex/IMAGO/Dreamstime

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit will stärker überwachen, wo sich die Asiatische Tigermücke ausbreitet. Welche Gefahr von ihr ausgeht und wie wahrscheinlich eine Infektion mit einer Tropenkrankheit wie dem Dengue-Fieber in Bayern ist.

Von Elena Zengel

Der Klimawandel führt zu eher südländischen Sommertemperaturen in Bayern. Dadurch fühlen sich auch exotische Tierarten im Freistaat wohler und breiten sich aus, so auch die Asiatische Tigermücke. Sie ist Überträgerin verschiedener Tropenkrankheiten, wie des Zika- oder des Dengue-Fiebers. Um das Risiko für eine Infektion im Freistaat gering zu halten, hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nun sein Programm zur Überwachung der Ausbreitung der Tigermücke ausgeweitet.

Dazu haben verschiedene Landkreisverwaltungen in ganz Bayern insgesamt 34 Stechmückenfallen des LGL aufgestellt. Die Fallen stehen in den Landkreisen Rosenheim, Memmingen, Schweinfurt, Nürnberg und neuerdings auch in Nürnberg am Binnenhafen und in Passau. Wenn die Kreisverwaltungen Mücken gefangen haben, schicken sie diese ans LGL. Das bestimmt dann die gefangenen Insekten und warnt die örtlichen Behörden, falls es eine Tigermücken-Population entdeckt hat. Diese können dann am Ort Bekämpfungsmaßnahmen einleiten. Nürnbergs Nachbarstadt Fürth betreibt schon ein eigenes Tigermücken-Monitoring in Zusammenarbeit mit einem privaten Dienstleister.

Das Bild zeigt eine Asiatische Tigermücke.
Das Bild zeigt eine Asiatische Tigermücke. Geyres Christophe/ABACA/IMAGO/ABACAPRESS

Die Tigermücke ist offenbar auf dem Vormarsch, denn wie Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) erläutert: „Bayernweit wurden im vergangenen Jahr in 17 Landkreisen Exemplare der Asiatischen Tigermücke gefunden.“ Die Tiere vermehren sich in Fürth, Würzburg und München auch schon lokal. Das erkennt man laut LGL daran, dass dort erste gefundene Populationen schon im Register eingetragen waren, also die kalten Wintermonate überlebt haben.

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Die Tiere übertragen verschiedenste Tropenkrankheiten, am häufigsten aber das Denguevirus, wie August Stich, Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektiologie am Uniklinikum Würzburg, bestätigt. Bei Infizierten zeige sich die Erkrankung nach drei bis 14 Tagen. Mehr als die Hälfte aller Infizierten merkten überhaupt nichts, nur wenige erkranken schwer, sagt Stich. Symptome sind unter anderem hohes Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen und stark gerötete Haut. Allerdings komme durch das Virus nur äußerst selten ein Mensch zu Tode.

Im vergangenen Jahr meldeten die Gesundheitsämter dem LGL in Bayern 384 Dengueinfektionen. Deutschlandweit waren es 1717 Fälle. „Das waren so viele wie noch nie. In Würzburg haben wir jede Woche mindestens einen Fall“, sagt Stich. Doch er gibt Entwarnung: Die Patienten seien alle Reiserückkehrer aus dem Ausland, die die Erkrankung „importieren“. Bisher hat sich noch kein Patient durch einen Mückenstich in Deutschland mit dem Denguevirus angesteckt. Dazu müsste eine Tigermücke in Deutschland einen Infizierten stechen und danach würde sie den Erreger über einen Stich an eine gesunde Person übertragen. Solche Fälle gab es allerdings schon Südeuropa – dort haben sich Menschen vor Ort und nicht in Tropenländern mit dem Dengue-Fieber angesteckt.

Wegen des Klimawandels vermehrt sich das Virus schneller

In Deutschland könnte das in Zukunft auch passieren. „Wir haben zwei Faktoren, die gegen uns arbeiten“, sagt Infektiologe Stich. Erstens werde die Asiatische Tigermücke als Überträger immer häufiger hierzulande. Zweitens schafft der Klimawandel mit den steigenden Temperaturen die idealen Voraussetzungen dafür, dass sich das Virus im Moskito schneller vermehrt und übertragbar macht. Es gebe aber keinen Grund zur Panik, so Stich: „Wir haben die kritische Schwelle noch nicht überschritten.“ Das Infektionsrisiko sei in Deutschland bis jetzt zwar sehr gering, aber die Ausweitung des Monitorings der Asiatischen Tigermücke durch das LGL findet der Würzburger Tropenmediziner zur Prävention trotzdem sinnvoll.

Auch Privatpersonen könnten helfen, die Ausbreitung der asiatischen Tigermücke einzudämmen, indem sie Wasseransammlungen im Freien, in Gießkannen oder Regentonnen abdecken, informiert das LGL. Denn dort legen die Insekten ihre Eier ab. Das LGL nimmt hier auch Einsendungen von auffälligen Mückenfunden zur Bestimmung an. An folgenden Eigenschaften ist die Asiatische Tigermücke laut LGL erkennbar:

Asiatische Tigermücke
Asiatische Tigermücke LGL/Julius Ecke
  • 1. Alle Beine haben weiße Ringe.
  • 2. Das letzte Glied der Hinterbeine ist weiß.
  • 3. Eine weiße Linie verläuft mittig auf der Oberseite von Kopf und Rücken.
  • 4. Die Enden der Taster sind weiß.

Virologe Stich wies zusätzlich darauf hin, dass es mittlerweile eine Impfung gebe, um sich vor einer Dengueerkrankung zu schützen. Die werde aber vor allem Menschen empfohlen, die zuvor bereits einmal mit der Krankheit infiziert waren. Wer in tropische Gebiete reist, sollte während und auch zwei Wochen nach dem Auslandsaufenthalt auf Mückenschutz achten, um sich nicht anzustecken, aber auch nicht als Überträger zu dienen.

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