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Programm für Kälber-Aufzucht:Bündnis will Tier-Exporte vermeiden

Das Tierrechtsbündnis "Mensch fair Tier" hat die Staatsregierung aufgefordert, ein Projekt für eine regionale Aufzucht, Mast und Vermarktung von Kälbern aufzulegen. Ziel der Initiative soll nach Angaben der Organisation sein, Kälbertransporte aus Bayern in EU-Länder und damit den späteren Export der Tiere von dort in Drittstaaten in Nordafrika oder Zentralasien überflüssig zu machen. Diese Exporte, das zeigen immer wieder Dokumentationen und Berichte, finden meist unter extrem tierquälerischen Bedingungen statt. "Wir wollen, dass gehandelt wird", sagt Christine Rauch von "Mensch fair Tier", "bei der Beendigung der qualvollen Kälberexporte fangen wir an."

In Bayern gibt es laut Agrarbericht 2020 etwa 1,13 Millionen Milchkühe. Das bedeutet, dass im Freistaat ungefähr eine Million Kälber im Jahr geboren werden. Etwa die Hälfte von ihnen sind Stierkälber und damit für die Milchbauern unrentabel, weil sie keine Milch geben. Die Stierkälber werden deshalb meist schnell verkauft und gehen in die Mast oder, laut "Mensch fair Tier", eben in die umstrittenen Exporte. Als Alternative dazu fordert die Organisation das regionale Aufzucht- und Mastprogramm. Es soll Milchbauern unterstützen, die ihre Stierkälber auf ihrem Hof aufziehen, statt sie rasch zu verkaufen. Unterstützt wird die Organisation von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Verbraucherorganisation Slow Food Deutschland und einer Beratungsfirma für Regionalvermarktung. Erste Gespräche mit dem Agrarministerium und dem Umweltministerium, das für das Veterinärwesen und damit für Tiertransporte zuständig ist, haben bereits stattgefunden.

Das Agrarministerium gab sich zurückhaltend. Ein Sprecher erklärte, dass man es sehr begrüßen würde, wenn die Zahl der Kälberexporte aus Bayern mit Hilfe eines solchen Programms weiter reduziert werden könnte. Zugleich betonte er, dass so eine Initiative aber von der Land- und der Fleischwirtschaft gestartet und getragen werden müsse. Das Agrarministerium selbst könne sie nur unterstützen. Außerdem verwies der Sprecher darauf, dass "der Großteil" der bayerischen Kälber traditionell hierzulande aufgezogen und - sofern die Tiere nicht als spätere Milchkühe auf dem jeweiligen Hof bleiben - weitervermarktet werde.

© SZ vom 26.08.2020 / cws
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