Ludwig Thoma:"Zu gerne möchte man an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln"

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Vor hundert Jahren verfasste Ludwig Thoma seine Hetzschrift gegen den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger. Noch heute rätseln Biografen, warum der Schriftsteller in seinem letzten Lebensjahr zum Menschenfeind wurde.

Von Hans Kratzer, Tegernsee

Die Tatsache, dass er nach einer Magenoperation recht geschwächt im Krankenbett lag, hinderte Ludwig Thoma nicht daran, sofort wieder zur Feder zu greifen und grob um sich zu schlagen. "Schafft reine Luft ..." wetterte er vor hundert Jahren, am 17. August 1921, in einem seiner letzten Beiträge für den Miesbacher Anzeiger. Seine Wut richtete sich an diesem Tag wieder einmal gegen den ihm verhassten Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, der nach dem Kriegsende im November 1918 im Auftrag der Reichsregierung den Waffenstillstand mit den Alliierten unterzeichnet hatte, was ihm scharfe Kritik und viele Gegner bescherte. Überdies brachte Erzberger als Reichsfinanzminister in den Jahren 1919/20 eine Finanz- und Steuerreform auf den Weg, deren Grundstrukturen bis heute bestehen. Trotz seiner Verdienste war kaum ein Politiker nach 1918 so verhasst wie Erzberger. Er wurde geradezu überschüttet mit Intrigen und Morddrohungen. Die Angriffe der Republikfeinde sollten freilich nicht nur den Politiker Erzberger treffen, sondern auch die junge, wackelige Weimarer Demokratie.

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