Nachhaltiger Flugverkehr:Grünes Kerosin aus dem Chemiedreieck

Startendes Passagierflugzeug

Klimakiller Fliegen: In Burghausen möchte man dieses Problem nun lösen.

(Foto: dpa)

In Burghausen soll eine Anlage für nachhaltig produziertes Flugbenzin entstehen. Das Wie soll nun eine Machbarkeitsstudie erörtern.

Von Maximilian Gerl, Burghausen/München

Ein Konsortium bayerischer Firmen will in Burghausen eine Produktionsanlage für nachhaltig hergestelltes Flugzeugbenzin errichten. Bis Ende der 2020er-Jahre wolle man im Chemiedreieck synthetisches Kerosin "in nennenswertem Umfang" produzieren, teilten am Montag das bayerische Wirtschaftsministerium und das Petrochemieunternehmen OMV Deutschland mit, welches das Konsortium anführt. Daneben sind unter anderem Siemens Energy, MAN Energy Solutions, die Lufthansa, der Flughafen München und der Straubinger Campus der Technischen Universität München an dem Projekt beteiligt. Geplant ist demnach eine Power-to-Liquid-Anlage mit einer Jahreskapazität von zunächst 50 000 Tonnen Kerosin. Über das Investitionsvolumen wurden keine weiteren Angaben gemacht; das Wirtschaftsministerium stellt jedoch eine finanzielle Förderung in Aussicht. Die weiteren Schritte soll nun eine Machbarkeitsstudie erörtern. "Wir wollen Fliegen wieder im positiven Sinne besetzen", sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) anlässlich der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung.

Fliegen gilt in der Tat als Klimakiller; Alternativen werden gesucht, die Co2-Emissionen des Flugverkehrs zu reduzieren. Neben Wasserstoff- und Batterielösungen sehen Expertinnen und Experten für Langstreckenflüge vor allem sogenannte Sustainable Aviation Fuels als eine Möglichkeit - allgemeiner auch E-Fuels genannt. Theoretisch ist ihr Herstellungsverfahren weitgehend bekannt: Vereinfacht wird Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten und Letzterer mit Kohlenstoffdioxid angereichert. Damit dieser Prozess aber wirklich nachhaltig ist, muss der benötigte Strom aus erneuerbaren Energien stammen. Ein Vorteil des synthetischen Kerosins: Für Transport und Tanken kann die herkömmliche Infrastruktur genutzt werden. Ein Nachteil: Es gibt bisher kaum Produktionsanlagen für nachhaltig produziertes Flugbenzin. Und: Die Herstellung ist vergleichsweise energieintensiv. Dabei mahnen Fachleute regelmäßig an, dass die hierzulande verfügbaren Kapazitäten an Wind- und Sonnenkraft schon heute nicht ausreichten, um den Energiebedarf der Industrie zu decken.

In Deutschland gibt es bislang zur E-Fuels-Produktion nur vereinzelt Pilot- und Forschungsprojekte, darunter eines von Audi und Partnern in der Nähe von Oldenburg. Im Wirtschaftsministerium hofft man daher, dass die angedachte größere Anlage in Burghausen Vorbildcharakter entwickelt - und aufzeigt, wie die Herstellung synthetischer Treibstoffe in Industriemaßstäben gelingt. So kann sich Aiwanger vorstellen, dass die beteiligten Firmen die Technologie exportieren und neue Geschäftsfelder eröffnen. Allerdings ist das bayerische Konsortium nicht alleine auf dem Markt - und andere teils schon weiter: So will Porsche bereits kommendes Jahr in Chile zusammen mit Partnern eine Anlage mit einer Kapazität von zunächst 122 000 Liter E-Fuels in Betrieb nehmen.

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