Bayern hat mit der Zugspitze den höchsten Berg (2962 Meter) und mit dem Röthbachfall im Nationalpark Berchtesgaden den höchsten Wasserfall Deutschlands. Fallhöhe: 470 Meter. Und wenn wir schon dabei sind: der zweithöchste Berg, der Hochwanner (2744 Meter), und der dritthöchste Berg, der Watzmann (2713 Meter) stehen auch in Bayern. Warum das wichtig ist? Weil sich Nordrhein-Westfalen anschickt, am bayerischen Grundverständnis zu rütteln.
Es ist nämlich so, um weitere bayerische Superlative aufzuzählen: Der Forggensee im Allgäu bei Füssen ist mit etwa 15 Quadratkilometern der flächenmäßig größte Stausee Deutschlands und der Bodensee mit etwas mehr als 250 Metern der tiefste. Natürlich grenzt der Bodensee hie und da auch an Baden-Württemberg oder die Schweiz an, aber den schönsten Blick hat man doch von der Insel Lindau aus. Insofern: Bodensee, ganz klar imminenter Bestandteil des Freistaats, sehr, sehr tief.

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Und da beginnt nun das Problem: Wenn sie schon bei den Bergen naturgemäß nichts ausrichten können, haben sie es in Nordrhein-Westfalen bei den Seen auf den Süden abgesehen. Der Tagebau Hambach, 40 Kilometer von Köln entfernt, hat mit 411 Metern unter Geländekante den tiefsten Punkt erreicht. Beim Betreiber, dem Energiekonzern RWE, nennen sie die Kohlegrube „tiefstes Loch Europas“. Man könnte hier das 443 Meter hohe Empire State Building versenken und es würde nur noch die Antenne hervorlugen.
Stattdessen plant RWE die Grube mit Wasser vom Rhein zu fluten, für ein laut Werbung „attraktives Erholungsgebiet“ für Taucher, Schwimmer, Segler, Wanderer und Radfahrer in dieser noch auszugestaltenden Wald-Seen-Landschaft. Mit wiederum dramatischen Konsequenzen für den Bodensee, der bei Weitem nicht mehr der tiefste See Deutschlands wäre. Und natürlich für den Forggensee, der dreimal in diesen Kohlebaubaggersee im rheinischen Revier passen würde. 3,6 Milliarden Kubikmeter Wasser soll das neue Gewässer einmal fassen.
Was den Bayern bleibt, sind der Walchensee und der Königssee, mit jeweils etwa 190 Metern Tiefe die zweit- und dritttiefsten, also künftig dritt- sowie vierttiefsten Seen in Deutschland. Und natürlich die Fläche des Bundeslandes: Bayern liegt hier mit mehr als 70 000 Quadratkilometern einsam an der Spitze, weit vor Nordrhein-Westfalen. Da können sie im Westen so tief graben, wie sie wollen.

