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Technik:Studenten bauen das erste Auto der Welt nach

  • Studenten der Technischen Hochschule Ingolstadt und der South China University in Kanton versuchen, das erste Auto der Welt aus dem Jahr 1675 nachzubauen.
  • Der Ingolstädter Historiker Gerd Treffer entdeckte die Erfindung des belgischen Missionars Ferdinand Verbiest bei Recherchen.
  • Verbiests Gefährt war vermutlich 60 Zentimeter lag, mitfahren konnte niemand.

Das erste Auto der Welt drehte vermutlich um 1675 in Peking seine Runden. Konstruiert hat es der Missionar Ferdinand Verbiest (1623-1688) aus Belgien, der damit dem chinesischen Kaiser imponieren wollte. Verbiest beschrieb das Modell in seinem Werk "Astronomia Europea", das 1687 in Dillingen gedruckt wurde. An einem Nachbau versuchen sich derzeit Studenten der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) sowie der South China University in Kanton. Ein funktionierendes Musterfahrzeug aus modernen Materialien haben sie in Ingolstadt bereits angefertigt.

Die Wiederentdeckung von Verbiests Erfindung ist Gerd Treffer zu verdanken. Der Ingolstädter Historiker hat vor drei Jahren eine Ausstellung über den Friedhof der jesuitischen Missionare in Peking kuratiert. Bei seinen Recherchen stieß er auf das Grab von Verbiest und beschäftigte sich mit dessen - durchaus bewegter - Biografie: Nach seiner Ankunft in Peking landete der Jesuit erst einmal im Kerker, da alle europäischen Eindringlinge verfolgt wurden, und kam erst nach dem Machtantritt des Kaisers Kang-Xi wieder frei. Dann arbeitete er sich in der Beamtenhierarchie der Mandarine hoch und wurde 1669 Chefastronom und Chefmathematiker am Hof, erzählt Treffer.

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Mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten konnte Verbiest die Gunst des Herrschers gewinnen. In einem Kapitel seines Buches, in dem Verbiest die wissenschaftlichen Leistungen der Jesuiten in China beschreibt, fand Treffer die Beschreibung eines kleinen Wagens aus leichtem Holz mit vier Rädern, den Verbiest bauen ließ. "In seine Mitte stellte ich ein Becken voller glühender Kohlen und über dieses Behältnis eine Aeolopile (= Dampfturbine); mit der Achse der Vorderräder verband ich ein bronzenes Zahnrad, dessen Zähne, quer liegend und horizontal, in ein anderes kleines Rad eingriffen, das an einer - senkrecht zum Horizont stehenden - Achse befestigt, dergestalt wirkte, dass sich, wenn sich die letztgenannte Achse drehte, der Wagen bewegte", schrieb der Jesuit. Denn dieser Achse habe er ein weiteres Rad beigefügt, das außen mit paarweisen kleinen Tuben bestückt war. "Auf sie drückend drehte der von einer engen Düse der Aeolopile ausgestoßene Wind das ganze Rad und trieb zugleich den Wagen an, der eine Stunde und mehr in ziemlich rascher Art fuhr."

Der Physiker, Mathematiker und Tüftler Johann Lorenz Böckmann baute das Gefährt von Verbiest 100 Jahre später als Erster nach und verwendete es ebenfalls zu Demonstrationszwecken am Lyzeum in Karlsruhe. Es wurde zunächst in der Lehrsammlung aufbewahrt, ging jedoch verloren, erzählt Treffer. Diesen Nachbau zeigt möglicherweise auch eine Skizze, die ein Unbekannter angefertigt hat.

Sie ziert Treffers Publikation der Geschichte von Verbiest und dem Gefährt, die das Audi-Konfuzius-Institut Ingolstadt (AKII) ermöglicht hat, ein Verein, der gesponsert wird von der Stadt, der Autofirma, der Universität sowie dem örtlichen Konfuzius-Institut, dem chinesischen Pendant zum Goethe-Institut. Der Vorsitzende Peter Augsdörfer, Professor für Technologie und Innovationsmanagement in Ingolstadt, betrachtet die Entdeckung Treffers als Sensation, auch wenn er manche Angabe für falsch hält, etwa dass das Gefährt eine Stunde lang fahren konnte.

Weil die Deichsel damals noch unbekannt war und Kutschen mit ihren starren Achsen von Pferden um die Kurve gezogen wurden, musste sich Verbiest etwas einfallen lassen, damit sein Automobil im Kreis fuhr: Er baute vor das Fahrzeug ein Ruder, dass an einem größeren Rad befestigt war. Stellte man das Ruder nach links oder rechts und fixierte es in dieser Position, drückte dieses Rad das Auto nach links oder rechts. Der Reibungswiderstand kostete allerdings Energie, was die Fahrleistung gemindert haben muss.

Augsdörfers Kollege Thomas Suchandt, Maschinenbauer und THI-Vizepräsident, verweist darauf, dass das Prinzip der Bewegung von Objekten durch Dampfkraft seit der Antike bekannt war. Der Begriff Aeolopile stamme aus einer Beschreibung von Heron von Alexandria. "Das Wirkprinzip ist, dass mit Dampf aus einem Kessel voll heißem Wasser sogenannte Püsteriche, also Spielzeuge, angetrieben wurden", erklärt Suchandt. Verbiests Gefährt war vermutlich 60 Zentimeter lag, mitfahren konnte niemand. Die Energie, die das Windrad antrieb, wurde über eine Umlenkung mit Korb- und Kammrad von der senkrechten auf die waagrechte Achse der Räder übertragen. Diese Technik sei von den Wassermühlen bereits bekannt gewesen.

Die Studenten haben nach den Angaben Verbiests mit modernen Materialien aus Kunststoff und Metall bereits ein Musterfahrzeug gebaut, der historische Dampfkessel wurde zunächst durch einen Kompressor ersetzt, der den nötigen Druck erzeugt. Das Fahrzeug wurde am Dienstagabend erstmals öffentlich präsentiert. Im nächsten Schritt sollen die Maschinenbaustudenten das historische Gefährt nachbauen, ausschließlich mit Material, das im 17. Jahrhundert existierte, was schon aufgrund heutiger Sicherheitsstandards nicht einfach sei, wie Suchandt erzählt. Notwendig ist ein gusseiserner Dampfkessel, der allerdings gegen eine Explosion gesichert sein muss. Wann der Nachbau des mutmaßlich ersten Autos der Welt fertig wird, konnte der Professor nicht sagen. Es werde noch eine Weile dauern. Immerhin muss man sich über Abgaswerte keine Gedanken machen.

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