Bayern wird auch in den nächsten gut zwei Jahrzehnten weiter wachsen, wenn auch weniger rasant als in der Vergangenheit. Die Bevölkerung im Freistaat wird nach einer neuen Berechnung bis zum Jahr 2044 um 278 000 Einwohner steigen. Die Einwohnerzahl läge dann bei etwa 13,53 Millionen Menschen, ein Plus von 2,1 Prozent. Das ist ein Wachstum von durchschnittlich 14 000 Personen pro Jahr. In den vergangenen zwanzig Jahren lag das durchschnittliche Wachstum noch bei etwa 40 000 Personen pro Jahr.
Zugleich wird die Bevölkerung immer älter, schon jetzt übersteigt die Zahl der Sterbefälle (rund 144 000 im vergangenen Jahr) die der Geburten (etwa 110 000). Zuzug aus Deutschland, Europa und der Welt wird wie schon bislang auch in der Zukunft die Ursache für den Bevölkerungszuwachs sein.
Allein in den Jahren 2014 bis 2024 hat der Freistaat Bayern einen sogenannten Wanderungsgewinn in Höhe von rund einer Million Personen verzeichnet; das meint die Zuzüge abzüglich der Wegzüge. Eine Rolle spielten hier auch die großen Migrationsbewegungen. Betrachtet man dagegen ausschließlich natürliche Entwicklungen, also Geburten und Sterbefälle ohne Zuwanderung, würde Bayern im Jahr 2044 voraussichtlich um 6,2 Prozent geschrumpft sein.
Das geht aus Daten hervor, die das Statistische Landesamt in Fürth am Montag veröffentlicht hat: eine regionalisierte Vorausberechnung der Bevölkerung bis zum Jahr 2044 sowie einen Demografie-Spiegel, der bis auf die Ebene der mehr als 2000 Gemeinden reicht. Die Daten gelten als wichtige Planungsgrundlage für Freistaat und Kommunen.
Bevölkerungsdemografie und Altersstruktur „stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Der Freistaat sei auch künftig „auf gezielte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte angewiesen“, die sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientieren und die Perspektive im ländlichen Raum nachhaltig stärken soll. Die Probleme ließen sich aber, so Herrmann, „gewiss nicht mit illegaler Migration lösen. Im Gegenteil: Damit schaffen wir nur neue Probleme und setzen die Integrationsstrukturen unseres Landes stark unter Druck“.
Die Entwicklung verläuft indes regional recht unterschiedlich. Niederbayern, Oberbayern und Schwaben können auch bis 2044 mit deutlich steigenden Bevölkerungszahlen rechnen. Für die Oberpfalz und Mittelfranken ist ein geringerer Zuwachs zu erwarten, für Unterfranken ein leichter Rückgang, für Oberfranken ein deutlicher. Hier können laut der Berechnung also die Sterbefälle nicht durch Geburten und auch nicht durch Zuzug kompensiert werden.
Beispiel Oberbayern, der bevölkerungsreichste Regierungsbezirk mit derzeit knapp 4,8 Millionen Einwohnern. Im Jahr 2044 werden es 153 000 mehr sein, plus 3,2 Prozent. Die Metropolregion München wird auch in Zukunft wachsen. Doch starke Zuwächse von jeweils rund sechs Prozent erwarten die Statistiker auch in den Landkreisen Pfaffenhofen an der Ilm und Neuburg-Schrobenhausen, beide zählen zur Region Ingolstadt. Von den insgesamt 500 oberbayerischen Gemeinden wird gut die Hälfte deutlich wachsen, mehr als 2,5 Prozent. In 68 Gemeinden ist dagegen mit einem Rückgang der Bevölkerung von mindestens 2,5 Prozent zu rechnen.
In Schwaben wachsen die Städte Kaufbeuren und Memmingen
Schwaben, wo für fast alle Landkreise und kreisfreie Städten ein Plus berechnet wird, ist der Bezirk mit dem höchsten Gesamtzuwachs: 5,2 Prozent. Zu sehen etwa beim Landkreis Unterallgäu (plus 8,6 Prozent) sowie den Städte Kaufbeuren (8) und Memmingen (7,5). In Niederbayern sind es die Kreise Landshut (plus 6,5 Prozent) und Dingolfing-Landau (5,9) sowie die Städte Landshut (4,7) und Passau (4,6), die mittelfristig weiter starken Zuwachs spüren. Andere Landkreise in Niederbayern bleiben weitgehend stabil, nur für Regen (minus 3,9 Prozent) wird ein Rückgang erwartet.
Für Oberfranken wird insgesamt Schwund berechnet, vor allem in den grenznahen Landkreisen wie Kronach oder Wunsiedel im Fichtelgebirge; in den kreisfreien Städten wie Bamberg, Coburg und Forchheim und zentral gelegenen Landkreisen dürfte es eine stabile Entwicklung geben. Bis zum Jahr 2044 wird die Bevölkerungszahl Oberfrankens um etwa 35 000 Personen auf dann ziemlich genau eine Million zurückgehen; minus 3,3 Prozent.
61 der insgesamt 95 Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern werden bis 2044 wachsen, in 35 sind dagegen sinkende Einwohnerzahlen zu erwarten.
Die Daten des Demografie-Spiegels zeigen, dass sogar zwischen Gemeinden in einem Landkreis große Unterschiede bestehen können. Letztlich hat jede Kommune ihre Entwicklung ein Stück weit selbst in der Hand, beispielsweise durch ihre lokale Politik für Gewerbeansiedlungen oder Wohnungen und Bauland. Mithilfe der amtlichen Berechnung, auch zur Altersstruktur, können sich Gemeinden wiederum auf künftige Bedarfe einstellen – etwa bei den örtlichen Angeboten für Senioren oder für Familien.
Es stehe außer Frage, dass der Freistaat zahlreiche Vorzüge bietet, sagte Innenminister Herrmann unter Verweis auf Arbeitslosenquote und Kriminalitätsbelastung, die bundesweit am niedrigsten sind. „Dennoch geraten insbesondere die großen Städte zunehmend an Wachstumsgrenzen.“
Die Staatsregierung werde weiterhin daran arbeiten, Perspektiven und Lebensqualität im ländlichen Raum zu stärken. Dazu gehöre die Verlagerung von Behörden aus Städten in die Fläche, ein längerfristiges Projekt der Staatsregierung. Man sehe bereits Erfolge: So seien die zu erwartenden Bevölkerungsverluste in Ober- und Unterfranken im Vergleich zu früheren Berechnungen klar zurückgegangen.

