Bayern SPD Natascha Kohnen setzt sich durch

Mei, vielen Dank. Die unterlegenen Kandidaten Gregor Tschung (rechts) und Markus Käser applaudieren Natascha Kohnen. Die Generalsekretärin der Bayern-SPD soll deren neue Chefin werden.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen soll die neue Chefin der bayerischen SPD werden.
  • In einer Mitgliederbefragung stimmten 53,8 Prozent der Genossen für die 49-Jährige.
  • Sie soll nun auf dem kommenden Parteitag in Schweinfurt offiziell gewählt werden.
Von Lisa Schnell

Die Mehrheit der SPD-Basis wünscht sich Natascha Kohnen als neue Landesvorsitzende. Mit einer absoluten Mehrheit von 53,8 Prozent setzte sich die Generalsekretärin in der sechs Wochen dauerenden Mitgliederbefragung gegen ihre fünf Konkurrenten durch. Alle anderen Bewerber verzichten damit auf eine Kandidatur auf dem Parteitag am 20. und 21. Mai in Schweinfurt. Das Ergebnis der Mitgliederbefragung ist zwar nicht bindend, es wird allerdings erwartet, dass sich die Delegierten dem Votum der Basis anschließen.

"Es ist ein Wahnsinnsergebnis", sagte Kohnen am Freitag in der Parteizentrale, kurz nachdem der ihr geltende Jubel im Saal abgeklungen war. Sie sei "sehr, sehr bewegt". Die SPD führen zu dürfen, sei eine Ehrensache. Als Landesvorsitzende strebe sie eine Stiländerung an. Bis jetzt habe die SPD gemeint, immer alle Themen bedienen zu müssen. Ein Bauchladen von Themen aber sei für die Wähler nicht fassbar. Sie wolle der Partei ein klares Profil geben und Themen mehr zuspitzen, etwa im Bereich Familie, digitale Arbeitswelt oder Wohnen. Im Mittelpunkt müsste die SPD selbst stehen und nicht das Abarbeiten an der CSU. "Ich möchte mit der SPD regieren", sagte Natascha Kohnen. Dazu brauche es aber eine Sprache, die jeder verstehe, und keinen "Politsprech". Da liege noch eine ganze Menge Arbeit vor der Partei.

Natascha Kohnen wird Chefin einer zerstrittenen Funktionärspartei

Die SPD-Generalsekretärin hat zwar die Mitgliederbefragung gewonnen - ihr Start hätte aber kaum unglücklicher ausfallen können. Das liegt auch an den erfolgreichen SPD-Politikern in Bayern. Kommentar von Sebastian Beck mehr ...

Zum Ende des Mitgliedervotums fanden einige in der SPD durchaus deutliche Worte. Manche Mitglieder sprachen von Grabenkämpfen und unnötig scharfen Bemerkungen. Sie selbst bringe jedem immer Respekt entgegen, aber einige seien eben nervös gewesen, sagte Kohnen. Jetzt gehe es aber darum, die Reihen zu schließen und den Blick nach vorne zu richten.

Kohnens sensationelles Ergebnis werde die notwendige Geschlossenheit bringen, sagte Fraktionschef Markus Rinderspacher, der Kohnen kurz nach ihrem Sieg umarmte. Dass sie bei einer hohen Wahlbeteiligung von fast 50 Prozent eine absolute Mehrheit erreicht habe, spreche für einen breiten Rückhalt in der Partei, auf dem man jetzt aufbauen könne. Der innerparteiliche Widerstand müsse jetzt befriedet werden. Vor allem Kohnens größter Konkurrent, der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn, schlug für manche eine etwas zu scharfe Tonart an. So hatte er Kohnen etwa vorgeworfen, als Generalsekretärin nicht auf Augenhöhe mit CSU-General Andreas Scheuer zu stehen.

Während die Chancen von Gregor Tschung (ein Prozent der Stimmen) und Uli Aschenbrenner (7,5 Prozent) von Anfang an als sehr gering eingeschätzt wurden, galt Brunn als Kohnens eigentlicher Konkurrent. Viele vermuteten, er werde es in eine Stichwahl schaffen, über die dann der Parteitag entschieden hätte. Jetzt landete er mit 19,8 Prozent weit hinter Kohnen. Brunn zeigte sich nicht enttäuscht, aber auch nicht zufrieden: "Es ist erst mal Kohnens Sieg und nicht meine Niederlage." Kohnen sei seit acht Jahren Generalsekretärin, in der Partei unglaublich bekannt und beliebt. Brunn dagegen ist erst seit drei Jahren im Landtag, wenn er sich außerhalb Münchens vorstellte, blickte er oft in fragende Gesichter. Er trat vor allem für einen aggressiveren Stil gegenüber dem politischen Gegner ein. Sein Ergebnis erklärt sich Brunn mit seiner fehlenden Bekanntheit. Ihm fällt nichts ein, was er im Nachhinein anders machen würde, auch nicht sein eher aggressiver Stil. "Ich bin eben ein Kämpfer", sagte Brunn. Von seiner Kritik, die Parteizentrale habe Kohnen bevorzugt, wollte er nichts mehr wissen. "Schnee von gestern", sagte er und kündigte an, für den Vorstand zu kandidieren.

Auch der Pfaffenhofener Kommunalpolitiker Markus Käser, für den 6,5 Prozent stimmten, bietet der Partei seine Dienste an. Er gilt als Sprachrohr für die radikal Unzufriedenen der Basisinitiative "Zeit für die Mutigen". Insgesamt sei er sehr zufrieden und überzeugt, dass Kohnen seine Kernforderungen wie eine höhere Basisbeteiligung oder weniger Proporz und mehr Talente berücksichtigen werde. Der Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel, für den 9,4 Prozent stimmten, erinnerte Kohnen an ihre Zusagen, die sie während des Wahlkampfs gemacht habe. Dazu gehöre etwa, dass die Frage der Spitzenkandidatur für den Landtagswahlkampf erst nach der Bundestagswahl geklärt werde. Noch-Landeschef Florian Pronold hatte Kohnen nicht nur als Landeschefin, sondern auch als Spitzenkandidatin vorgeschlagen. Als Landesvorsitzende stünde ihr sicher das Erstzugriffsrecht zu, sagte Brunn. Die Frage stelle sich gerade nicht, erwiderte Kohnen. Jetzt werde sie erst einmal ihre Tochter anrufen, die gerade ihre dritte Abiturprüfung schreibe, und fragen, ob es bei ihr genauso gut gelaufen sei.

So stehen die Chancen für die Münchner Bundestagskandidaten

Zahlreiche Politiker haben auf den Landeslisten ihrer Parteien vergleichsweise sichere Listenplätze ergattert. Eine Partei dürfte in Mannschaftsstärke nach Berlin gehen. Von Dominik Hutter mehr...