Gesundheitsschädliche EwigkeitschemikalienSPD und Grüne fordern eine Strategie im Umgang mit PFAS

Lesezeit: 2 Min.

Es gibt Kennzeichnungen, die auf eine PFAS-freie Herstellung hinweisen.
Es gibt Kennzeichnungen, die auf eine PFAS-freie Herstellung hinweisen.
Foto: Tobias Hase/dpa/dpa-tmn
  • SPD und Grüne fordern eine bayerische Strategie gegen PFAS-Ewigkeitschemikalien, die krebserregend sein sollen und dem Immunsystem schaden.
  • Die Staatsregierung sieht sich nicht zuständig und verweist auf ein laufendes EU-Verfahren mit Entscheidung Ende 2026.
  • Laut SPD ist inzwischen die gesamte Umwelt in Bayern belastet, auch fernab bekannter Quellen wie Industrieanlagen.
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Sie sollen krebserregend sein und dem Immunsystem schaden: Ewigkeitschemikalien sind inzwischen an zahlreichen Orten in Bayern nachgewiesen. Die Staatsregierung soll handeln.

Von Greta Templin

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PFAS, sogenannte Ewigkeitschemikalien sind kaum abbaubar und bleiben teils Jahrzehnte bis Jahrhunderte in der Umwelt. Das Problem: Sie gelangen bei der Herstellung und Entsorgung in Trinkwasser und Luft. So auch in Bayern. Die Chemikalien bergen erhebliche Gesundheits- und Umweltrisiken. Sie sollen unter anderem krebserregend sein und dem Immunsystem schaden.

„PFAS sind ein massives Umweltproblem, das immer schlimmer und teurer wird, wenn man es weiterhin ignoriert“, sagte die umweltpolitische Sprecherin Anna Rasehorn (SPD) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch im bayerischen Landtag. Städte und Gemeinden dürften nicht länger mit den Problemen allein gelassen werden. Die Staatsregierung bräuchte einen klaren Plan. Das fordern auch die Grünen.

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Die PFAS-Verbindungen stecken in vielen Alltagsprodukten wie Beschichtungen für Pfannen, Kosmetik oder Kleidung. Sie schaffen glatte Oberflächen und sind fett- und wasserabweisend. Besonders werden sie auch in der Industrie beispielsweise bei Energietechnologie, Halbleiterproduktion oder Medizintechnik genutzt. Ohne Weiteres können die Stoffe nicht ersetzt werden, bisher fehlt es an passenden Alternativen.

Die SPD stellte am Mittwoch ein Antragspaket für den Umgang mit den Ewigkeitschemikalien mit vor. Betroffene Kommunen sollten dabei rechtlich und finanziell mit einem Hilfsprogramm unterstützt werden. Außerdem möchte die SPD klare Regeln und Rechtssicherheit beim Umgang mit belastetem Gewässeraushub schaffen. Bayern solle die Entsorgung belasteter Materialien sicherstellen und der Freistaat dort Verantwortung übernehmen, wo Kommunen überfordert sind. Außerdem möchte die SPD eine langfristige Untersuchung gesundheitlicher Folgen.

Die Staatsregierung sieht sich für das Thema nicht zuständig. Auf EU-Ebene laufe bereits ein umfassendes Verfahren zur „Beschränkung der Herstellung, der Verwendung und des Inverkehrbringens von PFAS“, heißt es in einer Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage der Landtags-Grünen. Einfach auf Lösungen aus Brüssel zu warten, ist den Grünen aber zu wenig. Sie verweisen auf das Beispiel Schleswig-Holstein. Das Land nehme sich des Themas selbst an.

Die Grünen fordern ein systematisches PFAS-Monitoring. Sie möchten regelmäßige Messungen in Trinkwasser und Böden sowie mehr Transparenz und ein eigenes Sonderprogramm für Kommunen und Wasserversorger umsetzen. Die EU entscheide über Regeln zur Regulierung. Bayern aber könne die Sanierung vor Ort organisieren, sagt auch Sebastian Roloff, bayerischer SPD-Landesvorsitzender. Die europäische Chemikalienagentur ECHA prüft derzeit ein mögliches PFAS-Verbot. Mit einer Entscheidung sei Ende 2026 oder auch Anfang 2027 zu rechnen.

Laut SPD ist inzwischen die gesamte Umwelt in Bayern belastet, auch fernab bekannter Quellen wie Industrieanlagen oder Flughäfen. Ein Beispiel dafür sei die Friedberger Ach. Auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes Penzing sollen jahrelang PFAS-haltige Löschmittel verwendet worden sein, die dann ins Gewässer übergegangen sind. Als weiteres Beispiel nannte die SPD unter anderem Manching sowie den Landkreis Altötting.

Weite Teile des Landkreises Altötting, insbesondere im Umfeld des Chemieparks Gendorf gelten als belastet. Dort sitzt PFAS-Hersteller Dyneon. Der US-amerikanische Mutterkonzern 3M hatte bereits 2023 wegen eines starken juristischen Drucks entschieden, die Produktion einzustellen. Kürzlich wurde Dyneon allerdings von der schweizerische Capmont Group AG übernommen. Capmont will die Produktion nun wieder hochfahren.

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