Artenschutz:Söder will Wölfe schneller abschießen

Artenschutz: Ein Wolf im Bayerwald-Tierpark in Lohberg. Seine freilaufenden Artgenossen bereiten den Bauern Sorgen - und damit auch der Staatsregierung.

Ein Wolf im Bayerwald-Tierpark in Lohberg. Seine freilaufenden Artgenossen bereiten den Bauern Sorgen - und damit auch der Staatsregierung.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Der bayerische Ministerpräsident plant, die Entnahme der Raubtiere künftig einfacher zu machen. Es gibt da allerdings ein Problem: Wenn der Bund nicht mitmacht, hat der Freistaat kaum eine Handhabe.

Von Andreas Glas

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich dafür ausgesprochen, härter gegen Raubtiere vorzugehen, insbesondere gegen Wölfe, die sich im Alpenraum breitmachen. Für diesen Dienstag kündigte Söder einen Beschluss des Kabinetts an, mit dem Ziel, "die Entnahme leichter zu machen, zu ermöglichen", wie er am Montag nach einer Videoschalte des CSU-Parteivorstands sagte. Mit anderen Worten: Die Staatsregierung will dafür sorgen, dass der Wolf künftig schneller abgeschossen werden kann. Weitere Details nannte Söder nicht. Überhaupt ist fraglich, wie er sein Vorhaben umsetzen will, denn nach EU- und Bundesrecht zählen Wölfe zu den am strengsten geschützten Tieren - und Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) lehnt es ab, den Wolfschutz aufzuweichen.

Wölfe dürfen bislang nur in klar definierten Ausnahmen abgeschossen werden, etwa wenn von einem bestimmten Tier eine akute Gefahr für Leib und Leben von Menschen ausgeht. Pauschale Abschüsse oder wolfsfreie Gebiete, wie etwa Almbauern sie verlangen, sind nicht möglich. Daran stört sich nicht nur Ministerpräsident Söder, auch Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hatte zuletzt "für ein effizientes Wolfsmanagement" plädiert. Solange es keine Möglichkeit gebe, Wölfe abzuschießen, die Nutztiere auf den Almen angreifen, "werden wir es niemals hinbekommen, dass die Almbauern die Rückkehr der Wölfe tolerieren", sagte Glauber.

Für Ministerpräsident Söder ist der Wolf inzwischen so weit verbreitet, "dass wenn wir jetzt nicht eine klare Grenze ziehen, große Gefahren" entstünden, auch für den Menschen. Laut Landesamt für Umwelt (LfU) gibt es inzwischen sieben Gebiete im Freistaat, in denen insgesamt rund zwei Dutzend Wölfe über mehrere Monate hinweg nachgewiesen werden konnten. Im Altmühltal, im Bayerischen Wald, im Veldensteiner und Manteler Forst, beim Truppenübungsplatz Grafenwöhr, in der Rhön und zuletzt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Die Zahl der Übergriffe von Wölfen auf Schafe, Ziegen und andere Nutztiere ist jedoch überschaubar. Attacken auf Menschen gab es seit dem Wiederauftreten der Wölfe in ganz Deutschland nicht.

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