Süddeutsche Zeitung

Markus Söder:Verflixte Frauenquote!

Unruhige Zeiten seien das derzeit, heißt es allerorten. Doch der Wirbel kommt einfach daher, weil einige meinen, sie müssten unbedingt etwas bewegen.

Gemeinhin meint man ja, wir lebten in unsicheren Zeiten und von Beständigkeit sei nur der Wandel. Die Bauern rebellieren, hören nicht mehr auf den Bauernverband, legen mit ihren Traktoren den Verkehr in den Städten lahm. Und die Delegierten des CSU-Parteitags machen nicht mehr alles, was der Ministerpräsident sagt. Sic transit gloria mundi, hätte einer seiner Amtsvorgänger gesagt. Zu Deutsch: So vergeht der Glanz der Welt. Das war Latein, das muss man heutzutage übersetzen. Es ist ja schließlich nicht Englisch.

In Wahrheit ist da aber gar kein Wandel, wenn man es genau nimmt. Sondern alles ist eher so wie immer. Die ganze Unruhe entsteht nur dadurch, dass einzelne Menschen glauben, sie müssten unbedingt etwas bewegen. Dabei braucht es das gar nicht, ja im Gegenteil: Es ist völlig unsinnig, dadurch macht man sich nur lächerlich. Ein Blick nach Großbritannien genügt.

Wie viele komische und schrullige Menschen haben dort nicht schon versucht, den Brexit umzusetzen? Und was kommt raus? Wieder nix, verschoben. Der deutsche Brexit aber heißt Berliner Flughafen. "Witz mit Bart" ist eine vorsichtige Umschreibung, will man den noch in satirischem Zusammenhang verwenden. Niemand will das mehr hören, geschweige denn darüber lachen.

Und dann kommt der Söder mit der Frauenquote in der CSU. Also bitte. Ältere Parteifreunde mögen ihn da auf die große Vergangenheit hinweisen. Da gab es schließlich die stellvertretende Parteivorsitzende und stellvertretende Ministerpräsidentin sowie bayerische Justizministerin zwischen 1986 und 1993, Mathilde Berghofer-Weichner. Eine Frau! Mit Doppelnamen auch noch! Lange, bevor eine Kramp-Karrenbauer überhaupt eingeschult wurde (nun gut, das war jetzt leicht übertrieben).

Die CSU muss sich also nichts nachsagen lassen. Sie hat ihre Hausaufgaben gemacht, wie es so schön heißt. Markus Söder wäre gut beraten, sein Projekt noch einmal zu überdenken. Oder sich auf realistischere Ziele zu konzentrieren. Etwa die Abschaffung der Sommerzeit, die ja ursprünglich schon für nächstes Jahr angesetzt war. Jetzt hört man, vor 2022 wird's wohl nichts. Aber sicher noch vor dem Brexit, dem Berliner Flughafen und der Frauenquote in der CSU. Ganz bestimmt, fest versprochen!

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Quelle:
SZ vom 26.10.2019/lfr
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