Im Streit um die Modernisierung des Oberstdorfer Skigebiets Fellhorn-Kanzelwand verhärten sich die Fronten. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) hat jetzt Klage angekündigt für den Fall, dass der Neubau der Scheidtobelbahn in der jetzt geplanten Form genehmigt wird. „Der neue Lift tangiert ein Naturschutzgebiet von höchstem Rang, auf europäischer Ebene wie auf deutscher“, sagt der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer.
„Bei aller Kompromissbereitschaft, da wird eine rote Linie überschritten. Das werden wir nicht akzeptieren“, so Schäffer. Durch das Projekt werde insbesondere der Lebensraum des Birkhuhns, des Steinadlers und anderer seltener Vogelarten massiv beeinträchtigt.

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Bei den Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal, die das Skigebiet betreiben, zeigt man sich überrascht von der Ankündigung. „Wir haben von Anfang an offen kommuniziert, dass es sich nicht um eine Neuerschließung handelt, sondern um eine Modernisierung“, sagt der zuständige Geschäftsführer Johannes Krieg. „Und wir wissen natürlich sehr genau um die hohen Anforderungen des Naturschutzes in dem Bereich.“ Bei dem Projekt lege man deshalb gleichermaßen großen Wert auf die hohe Qualität, die man den Gästen des Skigebiets bieten wolle, und den sorgsamen Umgang mit der Bergwelt.
Beim LBV glaubt man nicht an diese Aussagen. „Wenn selbst in den Plänen der Bergbahnen von einer Vielzahl von Störfaktoren beispielsweise für das Birkhuhn ausgegangen wird, etwa durch die Schneeverdichtung durch Pistenraupen, Störungen an Balzplätzen und dem Verlust von Lebensräumen, verheißt das nichts Gutes für die vom Aussterben bedrohten Vögel“, sagt der LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. Dem LBV geht es freilich nicht nur um die Risiken für die Flora und Fauna. Sondern um das Projekt insgesamt. Für ihn ist die neue Scheidtobelbahn kein simpler Ersatz des alten Zweiersessellifts aus den 1990er-Jahren, der die Skifahrer in dem Bereich des Skigebiets nach oben befördert. Sondern eine „deutliche Erweiterung des Skigebiets mit neuer Ski-Infrastruktur“, wie LBV-Mann Beran sagt.

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Tatsächlich geht es bei dem Projekt nicht nur um einen neuen Sechsersessellift samt neuer Berg- und Talstation, die einmal deutlich unter- und oberhalb der aktuellen Bauten liegen sollen. Sondern außerdem um einen sogenannten Blauen Ring, zu dem die bisherigen einfachen Abfahrten im Bereich der Scheidtobelbahn zusammengefasst werden sollen. Er ist für Anfänger und wenig geübte Anfänger gedacht, wie Bergbahn-Geschäftsführer Krieg erläutert. Für den Blauen Ring sollen auch die bisherigen Beschneiungsanlagen in dem Bereich umgebaut und modernisiert werden. Aber nicht nur das: Die Bergbahnen planen außerdem ein neues Beschneiungsbecken für Kunstschnee mit einem Fassungsvermögen von 170 Millionen Litern Wasser – im Bereich des Kanzelwandhauses.
Das Beschneiungsbecken ist zwar nicht Gegenstand des aktuellen Genehmigungsverfahrens für den neuen Sechsersessellift. Die Bergbahnen möchten die Antragsunterlagen dafür erst 2026 bei den Behörden einreichen. Aber für den LBV gehören die beiden Projekte unbedingt zusammen, allein schon, weil sie in nächster Nähe zueinander liegen sollen. Nur wenn man sie gemeinsam beurteile, könne man ihre schädlichen Auswirkungen auf die Bergwelt am Fellhorn wirklich absehen. LBV-Mann Beran wirft den Bergbahnen deshalb auch „Salamitaktik“ vor. Der LBV werde sich davon aber nicht blenden lassen.

