Die gmahde Wiesn ist dem bairischen Mundartsprecher seit jeher eine erfreuliche Perspektive. Sie duftet schon so schön nach warmer Sommersonne auf frischem Heu, und rein auf der Ebene der einzelnen Wörter scheint ja auch alles längst erledigt zu sein: Mähen steht da doch im Partizip Perfekt. Besser wird es also nicht, und irgendwelche Apostrophe muss auf einer gmahdn Wiesn übrigens auch niemand mehr verstreuen, der das nicht unbedingt will. Als ganzer Ausdruck ist die gmahde Wiesn aber eindeutig in die Zukunft gerichtet: Ein leichtes Spiel wird das also werden, sagt sich so der Bayer, und spätestens da täuscht er sich jetzt. Jedenfalls dann, wenn beim Mähen eine Sense im Spiel ist.
Die Sense als Werkzeug ist zumindest in der Ebene weitgehend von allerlei Rasen- und Aufsitzmähern, Traktoren oder Mähdreschern verdrängt worden, und auch fürs steile Gelände gibt es längst spezielle Hangmäher, nötigenfalls mit Fernsteuerung und mit Raupen statt Rädern. Wer wird da schon noch mühsam mit dem Hammer auf dem Sensenblatt herumdengeln wollen und auch danach noch dauernd die Schneide wetzen?
Wahrscheinlich hat selbst der sogenannte Sensenmann schon seine sechste oder siebte Sense durch und ist inzwischen zur eigenen Erleichterung auf irgendwas umgestiegen, das über einen komfortabel gefederten Sitz mit Armlehnen und Rückenverlängerung verfügt. Denn er hat es wegen seiner althergebrachten Arbeitsweise mit der Sense ganz bestimmt im Kreuz, recht viel anderes kann ihm mit seinem klapprigen Gestell ja auch kaum wehtun.
Sich mit jedem einzelnen Grashalm noch auf ein oder zwei Stamperl Kerschgeist in die Stube zu setzen, so wie damals mit dem Brandner Kaspar, dafür pressiert es dem Sensenmann heutzutage sicher viel zu sehr. Und dafür, bei der Kreisgruppe vom Bund Naturschutz mal wieder einen Sensenkurs zur Biotop-Pflege zu geben, fehlt ihm wohl auch die Zeit.
Zeit sollte man sich aber unbedingt lassen im Umgang mit der Sense. Außer bei Handmäh-Meisterschaften wie neulich bei der DM im oberbayerischen Neubeuern. Denn da zählt zunächst einmal die Zeit, die jemand benötigt, um – je nach Alter und Geschlecht – 15 oder 35 oder 100 Quadratmeter Wiese niederzumähen. Dazu braucht es eine Sense und Sensibilität, denn neben dem Tempo geht es schon auch nach der Sauberkeit des Schnittbilds.
Im Gegensatz zum Schneepflugfahren, bei dem die Deutschen Meisterschaften stets im Sommer ausgetragen werden, wird das Handmähen wohl auf absehbare Zeit ein reiner Saisonsport bleiben. Denn ein Trainingsplatz mit Kunstrasen riecht weder im Sommer noch im Winter nach einer gmahden Wiesn.


