Schulstart in BayernDas Schuljahr bringt neue Regeln und alte Herausforderungen

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In Bayern hat das neue Schuljahr für knapp 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche am Dienstag begonnen.
In Bayern hat das neue Schuljahr für knapp 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche am Dienstag begonnen.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Mehr Ganztagsbetreuung, weniger Handy, neue Tests und mehr Aufmerksamkeit für Mittelschulen. Doch mehr Lehrkräfte gibt es nicht. Was auf Kinder und Jugendliche im Schuljahr 2026/2027 zukommt.

Von Maximilian Gerl und Verena Wolff

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Für rund 132 000 Kinder in Bayern war dieser Dienstag ein ganz besonderer: Sie gingen zum ersten Mal in die Schule. Und für die Schulen war und ist der Start ins Schuljahr 2026/2027 ebenfalls besonders. Insgesamt fast 1,8 Millionen Schülerinnen und Schüler müssen – manchmal auch gegen ihren Willen – unterrichtet werden, gut 1,1 Prozent mehr als vergangenes Schuljahr. Zugleich gilt für dieses Schuljahr ein Stellenmoratorium. Der Freistaat muss sparen und stellt deshalb vorübergehend keine zusätzlichen Lehrkräfte ein, trotz allgemeinen Personalmangels.

Dennoch habe man die Unterrichtsversorgung sichergestellt, heißt es vonseiten des Kultusministeriums. Dabei helfen soll auch ein Bündel an Maßnahmen. Was also ist neu in diesem Schuljahr? Ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Mehr Ganztagsbetreuung

Die Grundschulen zählten in der Vergangenheit zu jenen Schulformen, an denen mit am meisten Lehrerinnen und Lehrer fehlten. Inzwischen habe sich die Lage gebessert, sagte Kultusministerin Anna Stolz (FW) vergangene Woche bei einer Pressekonferenz zum Schulstart. Das wäre auch notwendig: Allein bei den Erstklässlern zählt die Statistik fürs neue Schuljahr fast 20 000 Kinder mehr als fürs alte.

Der Personalbedarf endet indes nicht mit dem Unterricht. Mit diesem Schuljahr tritt der gesetzliche Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung in Kraft, schrittweise, den Anfang macht die erste Jahrgangsstufe. Eltern von Grundschulkindern steht es frei, diesen Anspruch geltend zu machen oder nicht. Theoretisch sieht er eine Betreuung für acht Stunden täglich an fünf Tagen pro Woche vor, entweder durchgehend an der Schule oder in Kombination mit einem Hort und anderen Angeboten. Praktisch fürchtet man in der Schulfamilie Engpässe bei Betreuungskräften und Räumlichkeiten.

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Neue Prüfungsformate

In früheren Schuljahren wurde in Bayern diskutiert, inwiefern unangekündigte Tests noch zeitgemäß seien. Sie nähmen die Freude am Lernen und schürten Ängste, kritisierten die einen; die anderen sahen in ihnen eine gute Vorbereitung auf die Leistungsgesellschaft.

Für Bayern hat die Debatte wenig am klassischen Prüfungs-Reigen geändert. Unangekündigte Abfragen und Exen bleiben weiter Bestandteil der Leistungserhebung. Trotzdem könnten praxisnähere und prozessorientierte Aufgaben künftig verstärkt Eingang in die Notenbildung finden. Das können zum Beispiel Präsentationen sein, Debatten und selbst konzipierte Videos. Solche Formate im Unterricht zu nutzen und zu benoten, war zwar schon vorher nicht unmöglich. Die rechtssichere Verankerung soll nun aber ihren Einsatz flächendeckend erlauben.

Kultusministerin Anna Stolz beteuert, dass die Unterrichtsversorgung trotz Stellenmoratoriums gesichert sei.
Kultusministerin Anna Stolz beteuert, dass die Unterrichtsversorgung trotz Stellenmoratoriums gesichert sei.
Foto: Christoph Soeder/dpa

Ein Ziel des Ganzen: die Feedbackkultur zu stärken. Vereinfacht soll künftig nicht immer nur das Endergebnis benotet werden, sondern öfter auch mal der Weg dorthin. Leistung habe viele Seiten, sagte Stolz vergangene Woche. Man wolle den Schülern mehr Möglichkeiten geben, diese zu zeigen. Im Gegenzug werde die Zahl der verpflichtenden Leistungsnachweise an einzelnen Stellen leicht reduziert.

Weniger Handy

An den bayerischen Grundschulen war es schon in Kraft, mit diesem Schuljahr gilt es auch an den weiterführenden Schulen: ein Handyverbot. Allen Schülern bis einschließlich zur siebten Jahrgangsstufe ist die private Nutzung von Smartphones in der Schule untersagt. Mancherorts wird sich dadurch wenig ändern, die Schulen konnten bislang schon eigene Handyregeln erlassen. Dabei bleibt es auch in Zukunft – aber eben erst von der achten Klasse an.

Außerdem soll das Thema Medienkompetenz stärker als bisher Eingang in den Unterricht finden. Dazu wird die Plattform „Digitalkompass.Schule“ ausgebaut, unter anderem mit Blick auf die sozialen Netzwerke. Allerdings können die Schulen schwerlich kontrollieren, was den Kindern und Jugendlichen außerhalb des Unterrichts im Digitalen begegnet. Wie bisher sollen daher Elternveranstaltungen die Erwachsenen informieren und bestenfalls sensibilisieren.

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Mehr Mittelschule

Die Mittelschulen stehen vor besonderen Herausforderungen. Die Personallage ist angespannt, tendenziell fehlen hier mehr Lehrkräfte als in anderen Schulformen. Die Schülerschaft gilt dafür als umso heterogener; mit einem Plus von 2,2 Prozent im Vergleich zum vergangenen Schuljahr ist sie zudem überdurchschnittlich gewachsen. Und dann ist noch der Ruf nicht immer der beste. Die Mittelschulen und ihre Schüler müssen sich regelmäßig mit Vorurteilen herumschlagen.

Handlungsbedarf bestünde also. Das sieht man offenbar auch im Kultusministerium so. Von einer „Weiterentwicklung der Mittelschulen“ ist dort die Rede, damit Kinder und Jugendliche mehr Zeit fänden, um ihre Talente zu entdecken. Die vielleicht greifbarsten Maßnahmen zielen aber vor allem auf mehr Zeit für Basiskompetenzen. Dazu gehört die „flexible Stundentafel“, die Mittelschulen entscheiden lässt, wen sie wie mit bis zu zwei Wochenstunden extra in Deutsch, Mathe oder Englisch fördern will.

Außerdem wird die Möglichkeit des „jahrgangsübergreifenden Lernens“ ins Regelangebot überführt. Dabei absolvieren Kinder mit besonderen Förderbedarfen die fünfte und sechste Klasse in drei Jahren gemeinsam. Das zusätzliche Jahr zählt nicht als Durchfallen, wird also nicht auf die Schulzeit aufgerechnet.

Mehr vom G9

Mit weitreichenden Änderungen haben die Gymnasien Erfahrung: Die Umstellung von acht auf neun Jahre ist abgeschlossen, in diesem Sommer machte der erste G-9-Jahrgang Abitur. Ungewohnt könnte sich die neue Oberstufe trotzdem noch anfühlen. Denn einiges ist anders als früher. Die sechsstündigen Leistungskurse gibt es nicht mehr. Das Abitur ist mehr zur wirklich „allgemeinen“ Hochschulreife geworden, das nun fünf Prüfungsfächer umfasst.

Mathe und Deutsch müssen mit dem sogenannten erhöhten Leistungsniveau belegt werden und sind in den allermeisten Fällen Prüfungsfach im Abitur. Dazu kommt ein weiteres, individuell gewähltes Leistungsfach – das idealerweise eines aus den Natur- oder Gesellschaftswissenschaften, Fremdsprachen, Sport, Musik oder Kunst ist. Dieses Fach wird mit zwei zusätzlichen Wochenstunden intensiver und tiefergehend unterrichtet. Aber: Je kleiner das Gymnasium ist, umso mehr schrumpfen auch die Wahlmöglichkeiten.

Weiterhin Diskussionen

Das Thema Entbürokratisierung ist auch an den Schulen eines. Im Kultusministerium möchte man für sie den organisatorischen Aufwand bei statistischen Erhebungen um rund 30 Prozent reduzieren, so wurde es zum Schulstart angekündigt. Außerdem werde es neue Fortbildungsangebote geben. Dennoch ist zu erwarten, dass in vielen Kollegien vor allem die Personalsituation weiter für Gesprächsstoff sorgen wird.

Denn: Der Freistaat stellt zwar rund 4100 Lehrkräfte in diesem Jahr ein. Dabei handelt es sich aber zum Beispiel um Nachbesetzungen, weil ältere Lehrkräfte in Rente gehen. Zusätzliche 1500 Stellen sind erst für das kommende Schuljahr 2027/2028 zu erwarten.

Viele Bildungsorganisationen haben klargemacht, dass sie vom Stellenmoratorium wenig halten, auch mit Blick auf die jüngsten – und für Deutschland miserablen – Pisa-Ergebnisse. Man habe in Bayern die höchste Zahl an Schülern seit 15 Jahren, teilte etwa der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband mit. Zugleich erreiche „ein Drittel der Kinder die Mindeststandards im Lesen und Rechnen nicht“, sagte Verbandspräsidentin Simone Fleischmann. Da könne die Antwort doch bitte nicht nur eine „stabile Unterrichtsversorgung“ sein.

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