Wie schlimm steht es um den Lehrmangel?Klassen könnten größer werden und Wahlfächer wegfallen

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Die Sparpläne der Staatsregierung werden auch in den Klassenzimmern spürbar.
Die Sparpläne der Staatsregierung werden auch in den Klassenzimmern spürbar. Sven Hoppe/dpa
  • Wegen des Stellenmoratoriums der Staatsregierung für 2026 können trotz steigender Schülerzahlen keine zusätzlichen Lehrkräfte eingestellt werden. Das verschärft die ohnehin kritische Lage, die durch den Lehrermangel besteht.
  • Das Kultusministerium plant größere Klassen und den Wegfall von Wahlfächern und Arbeitsgemeinschaften, um den Unterricht dennoch sicherzustellen.
  • Besonders betroffen sind Mittelschulen und Gymnasien, während sich die Lage an Grundschulen und Realschulen entspannt.
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Mehr Schülerinnen und Schüler, aber keine zusätzlichen Lehrkräfte im Jahr 2026 – wegen des ausgeglichenen Haushalts. Die Sparpläne der bayerischen Staatsregierung machen den Schulen zu schaffen.

Von Johann Osel

Mit einem Maßnahmenpaket will das Kultusministerium den Unterricht in Bayern sicherstellen – trotz steigender Schülerzahlen und ohne zusätzliche Lehrkräfte wegen des Stellenmoratoriums der Staatsregierung. „Unser wichtigstes Ziel ist ein Stundenplan, auf den sich unsere Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte verlassen können“, teilte Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) am Donnerstag mit. Da veröffentlichte das Ministerium das Gesamtkonzept Unterrichtsversorgung für das kommende Schuljahr 2026/2027. Diese Publikation hat Stolz vergangenes Jahr neu eingeführt. Sie beruht auch auf Impulsen der Berufsverbände.

„Natürlich gibt es kein Patentrezept gegen den Lehrkräftemangel“, sagte Stolz. Konkret setzt sie auf eine Dreifach-Strategie: erstens, neue Lehrkräfte gewinnen, wozu etwa das Werben um Studierende und der Einsatz von Quereinsteigern zählen; zweitens, bestehendes Personal verstärkt einsetzen, worunter dienstrechtliche Schritte und unter anderem Regeln zur Teilzeit fallen; und drittens, „stellenweise“ den Bedarf an die Situation vor Ort anpassen. Das kann unter anderem größere Klassen bedeuten oder den Wegfall von Angeboten wie Wahlfächern und Arbeitsgemeinschaften. Die Lage an einzelnen Schularten ist höchst unterschiedlich. Stolz setzt insgesamt auf „viel Flexibilität vor Ort“.

Für das Jahr 2026 gilt in Bayern ein generelles Stellenmoratorium. Das bedeutet, dass für das Haushaltsjahr und damit zum kommenden Schuljahr keine zusätzlichen staatlichen Stellen geschaffen werden können. Es findet nur der Ausgleich etwa bei Pensionierung oder anderer Fluktuation statt. Beschlossen wurde das Moratorium im Zuge der Pläne von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für einen ausgeglichenen Haushalt im Freistaat.

Die Herausforderung wegen des Stellenmoratoriums zieht sich wie ein roter Faden durch das 55 Seiten starke Konzept. Darin heißt es: Die übliche Kopplung des rechnerischen Lehrkräftebedarfs an die Schülerzahlen werde „durchbrochen“. In der schulischen Praxis ergebe sich dadurch „eine verschärfte Versorgungslage“, den Mehrbedarf gelte es durch alternative Maßnahmen aufzufangen.

Das Moratorium betrifft alle Ressorts, auch Schule und Polizei

Im Wortlaut, mit dem sich Stolz zum Versorgungskonzept zitieren lässt, kommt das Moratorium nicht direkt vor. Andere Staatsminister halten es in ihren Ressorts ähnlich, stehen loyal zum Beschluss des Kabinetts, den sie selbst mitgetragen haben, und versuchen Lösungen zu finden. Etwa Innenminister Joachim Herrmann (CSU), für dessen Polizei es 2026 ebenfalls nur Nachbesetzungen, aber keine Zuwächse gibt, sagte kürzlich dazu: Die Konsolidierung als Grundlinie der Staatsregierung „respektieren wir“.

Drohende Versorgungsengpässe und Lehrermangel an den Schulen sind kein neues Phänomen. Prognosen sprechen davon, es könnten bis zum Jahr 2034 bis zu 5000 Vollzeitstellen unbesetzt bleiben. Ministerin Stolz verfolgt das Ziel, den Lehrermangel öffentlich transparent dazustellen; etwa durch das Gesamtkonzept, das nun zum zweiten Mal vorliegt. Demnach zeichnet sich an Grundschulen gerade eine schrittweise Entspannung ab, auch an den Realschulen lässt sich die Versorgung sicherstellen. Anders sieht es an den Mittelschulen und den Gymnasien aus; hier sind die „Deckungslücken“, die das Ministerium berechnet, beträchtlich.

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Beispiel Mittelschulen: Hier könnten Zusatzangebote wie Wahlunterricht und AG-Stunden vielerorts „nur eingeschränkt angeboten“ werden. Nötig sei auch eine „straffe“ Klassenbildung. Derzeit liegt die durchschnittliche Größe an Mittelschulen bei 20,3 Kindern. Zum Vergleich: an Grundschulen 21,9, an Gymnasien 25,2. Die Entscheidungen über „Reduzierung von Bedarfen“ an den Gymnasien sollen in der Eigenverantwortung der Schulen liegen. Hier nennt das Konzept als mögliche Maßnahmen ebenfalls größere Klassen oder etwa den Verzicht auf freiwillige Intensivierungen.

Kritik kam am Donnerstag etwa von der Bildungsgewerkschaft GEW. Die Landesvorsitzende Martina Borgendale sprach von einem „Diktat der Sparpolitik der bayerischen Staatsregierung“. Die Folgen seien „zwangsläufig“ größere Klassen, eine Einschränkung des Bildungsangebots sowie „weiter steigende Belastungen für die Lehrkräfte, die bereits jetzt am Limit sind“.

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